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FC Gießen: Ein starker Tim Korzuschek alleine reicht nicht

Mühsam ernährt sich das Gießener Eichhörnchen: Erneut spielt der FC Gießen in der Fußball-Regionalliga Remis und hofft nun darauf, eine Quarantäne zu umschiffen.
21. März 2021, 20:00 Uhr
Sven Nordmann
Fußball Regionalliga Südwest, FC Gießen - FSV Mainz 05 II
Auffällig und umworben: Gießens Tim Korzuschek (Mitte) liefert gegen den FSV Mainz 05 II eine ganz starke erste Halbzeit ab und trifft zum 1:0. FOTO: VOGLER

Der FC Gießen mausert sich allmählich zum Unentschieden-König: Am Samstagnachmittag fuhr der heimische Fußball-Regionalligist das sechste Remis aus den letzten neun Partien ein - mühsam ernährt sich das Gießener Eichhörnchen.

Eine der Haupterkenntnisse des 1:1 (1:1) gegen den FSV Mainz 05 II ist: Ein starker Tim Korzuschek, dessen Kontrakt noch nicht verlängert wurde, allein reicht in der Offensive nicht! Der 22-Jährige erzielte am Samstag nicht nur sehenswert nach Dribbling das 1:0, er gewann auch nahezu jedes Kopfballduell, war Initiator mehrerer guter Angriffe und ist mit acht Treffern mit Abstand Gießens gefährlichster Akteur (siehe Artikel links).

Ihm folgt Stoßstürmer Aykut Öztürk mit vier Treffern, dann kommen mehrere Akteure mit zwei Toren - nach 28 Saisonspielen. Zur Wahrheit gehört also nicht nur, dass der FC defensiv oft gut steht, sondern auch, dass nur Schlusslicht Stadtallendorf und die Amateure aus Pirmasens sowie Alzenau (noch drei Nachholspiele) seltener treffen als Gießen.

»Wir haben vieles richtig gemacht, aber im letzten Drittel haben wir unsere Chancen nicht gut ausgespielt«, sagte FC-Trainer Daniyel Cimen. »Mir fehlt etwas die Galligkeit, das Tor zu machen.«

Gegen die Reserve aus Mainz stand Gießen vor der psychologischen Herausforderung, trotz starker erster Hälfte nur mit einem 1:1 in die Waldstadion-Katakomben zu gehen.

Der FC begann gallig, presste früh, war präsent, besaß durch den Fallrückzieher von Öztürk (8.) die erste gute Chance und belohnte sich nach 31 Minuten mit einem klasse Tor durch Tim Korzuschek zum 1:0.

Blöd, dass die Mainzer nur fünf Minuten später nach einem langgezogenen Freistoß und einer sehenswerten Volleyverwertung von Simon Brandstetter zum 1:1 (36.) kamen. »Den hat der echt überragend getroffen«, meinte Gießens Keeper Frederic Löhe in der Halbzeitpause beim Gang in die Kabine.

In der zweiten Hälfte neutralisierten sich beide Teams weitestgehend, bis der FC zum sechsten Mal in dieser Regionalliga-Spielzeit eine Gelb-Rote Karte sah.

Dieses Mal flog der improvisierte Rechtsverteidiger Louis Münn nach 66 Minuten vom Platz. Der Defensivakteur hatte Mitte der zweiten Hälfte seine Emotionen nicht im Griff, als er nach einer Einwurfentscheidung lautstark schrie und gestikulierte.

»Ich hab ihm vor einer Minute gesagt, dass er mich nicht anschreien soll«, ließ Schiedsrichter Mario Hildenbrand alle Spieler nach dem umstrittenen Platzverweis wissen.

»Wenn du gelb-vorbelastet bist, musst du dich körperlich und verbal zurückhalten«, sagte Cimen, der zugleich »Fingerspitzengefühl« beim Schiedsrichter vermisste.

Die Karte verlagerte das Spielgeschehen etwas, Mainz traf danach durch seinen besten Akteur Paul Nebel in der 71. Minute den Pfosten und war dem Führungstor auch in der 87. Minute nach einer scharfen Hereingabe ganz nah. So konnte der FC in Unterzahl letztlich mit dem Punkt leben.

Zwei positive Corona-Schnelltests: Einer wird noch am Abend widerlegt, der andere Akteur ist in häuslicher Quarantäne

Weiterhin weisen die Rot-Weißen zwei Zähler Vorsprunga auf einen Nichtabstiegsplatz auf. Am kommenden Samstag (14 Uhr) soll das Heimspiel-Sextett gegen den Bahlinger SC abgeschlossen werden - wenn der FC denn darf.

Am Freitag nämlich ergaben sich zunächst zwei positive Corona-Schnelltest im Gießener Team - ein Akteur konnte am Abend dann einen negativen PCR-Test vorweisen, sodass er gegen Mainz II in der Startelf stand. Der andere Akteur wurde in die häusliche Quarantäne geschickt.

Der FC sollte laut der Regionalliga Südwest GbR antreten, da vom Gesundheitsamt keine Quarantäne-Verordnung für die Mannschaft vorgelegen haben soll - die Presse allerdings sollte vorsichtshalber keinen Kontakt zum Team haben.

Wie es weitergeht, ob der FC um eine Quarantäne herumkommt und damit eine weitere Straffung des Spielplans umgehen kann, wird sich in diesen Tagen zeigen. Cimen: »In der entscheidenden Phase der Saison wären weitere englische Wochen durch eine Pause sicherlich kein Vorteil.«

FC Gießen: Löhe - Münn, Boras, Starostzik, Takehara - Fink - Hofmann, Trkulja - Ibrahimaj (87. Salem), Öztürk (72. Arcalean), Korzuschek (87. Celik).

FSV Mainz 05 II: Rieß - Kilian, Modica (46. Fedl), Gans, Mißner (77. Bohnert) - Fürstner - Rösch, Papela - Nebel - Brandstetter, Mustapha (88. Wähling).

Im Stenogramm: Tore: 1:0 (31.) Korzuschek, 1:1 (36.) Brandstetter. - Gelb-Rot: Münn (66./Gießen, wegen wiederholtem Meckern). - SR: Mario Hildenbrand (Nassig).

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/fc-giessen-ein-starker-tim-korzuschek-alleine-reicht-nicht;art1434,728915

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