21. Mai 2021, 12:00 Uhr

Sport und Politik

Gerhard Kerzmann: Für den Sport und für die Stadt

Für sein Engagement ist er bekannt - der Gießener Gerhard Kerzmann. Seit 13 Jahren gehört er dem TSV Klein-Linden an, ist einer der vier geschäftsführenden Vorstände. Heute wird er 49 Jahre alt.
21. Mai 2021, 12:00 Uhr
Gerhard Kerzmann, der im geschäftsführenden Vorstand des TSV Klein-Linden für Allgemeines/Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet, feiert heute seinen 49. Geburtstag. FOTO: MS

Gerhard »Gerdi« Kerzmann ist ein Sportler durch und durch. In seiner Jugend spielte er Fußball, mittlerweile hat er aber auch andere Sportarten wie beispielsweise Tennis für sich entdeckt. Genauso am Herzen liegt ihm aber auch Vereinsarbeit und seine Heimatstadt Gießen. Er ist Mitglied der SPD und bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2021 hat er für einen Sitz im Stadtparlament kandidiert. Das hat für ihn nicht geklappt, es fehlte aber nicht viel. Wir haben mit dem Gießener, der seit Jahren im Vorstand des TSV Klein-Linden wirkt, über Sport und Politik in Gießen gesprochen.

Herr Kerzmann, Sie sind bei den Kommunalwahlen in Gießen für die SPD angetreten. Zum Einzug hat es für Sie nicht ganz gereicht. Sind Sie sehr enttäuscht?

Ich hatte große Lust, im Stadtparlament für Gießen Dinge mitzugestalten. Und wer mich kennt weiß, dass ich mich zu 150 Prozent eingesetzt hätte. Leider hat es für mich persönlich aufgrund des schlechten Wahlergebnisses meiner Partei knapp nicht gereicht. Die Enttäuschung über mein Ergebnis hielt sich in Grenzen. Viel mehr hat es mich als Teamplayer sehr getroffen, dass meine Partei »abgewählt« wurde.

Wie sind Sie überhaupt zu politischen Arbeit gekommen?

Mein Vater hatte sich schon in den 60er, 70er Jahren sozial engagierst auf der Margarettenhütte, wo wir auch gelebt haben. Er hat unter anderem mit Burkhard Schirmer zusammen die Projektgruppe aufgebaut. Er war auch ein SPDler, sodass ich mit diesen sozialen Werten aufgewachsen bin und viel von meinem Vater übernommen habe. Als es vor einigen Jahren dann angefangen hat und die SPD-Werte immer schlechter wurden, dachte ich mir, dass ich jetzt vielleicht am besten helfen könnte. Durch meinen Alt-Herren-Kollegen Christoph Rathert kam ich dann in den Ortsverband Gießen-Süd.

Sie sind seit Jahren im Vorstand des TSV Klein-Linden, einem Mehrspartenverein. Mit welchen Problemen politischer Art muss sich ein Verein dabei beschäftigen?

Für Vereine ist es besonders wichtig, die notwendigen Zuschüsse und Gelder durch die öffentlichen Stellen zu erhalten, denn die Kosten in einem Mehrspartenverein, insbesondere wenn man auch Grund und Boden hat, sind doch erheblich. Hier gilt es für die ehrenamtlichen Vorstände, sich immer auf dem Laufenden zu halten, um zu wissen, wo welche Gelder beantragt werden müssen. Auch müssen zwingend die Abgabefristen eingehalten werden. Das ist schon eine große Aufgabe für die ehrenamtlichen Kollegen*innen in den Vereinen. Politisch ist es für einen Verein wichtig, neutral zu bleiben. Das betrifft nicht nur den Vorstand, sondern auch die Mitglieder, wenn diese für den Verein unterwegs beziehungsweise tätig sind. Hier heißt es auch, Fingerspitzengefühl zu haben.

Sind Sie mit dem Angebot der Stadt Gießen für den Sport insgesamt zufrieden - wie sieht der Austausch da aus?

Es ist schon beeindruckend, was es in Gießen für Sportarten gibt. Ich glaube, dass jeder, der in Gießen Sport treiben möchte, dies auch kann. Die Stadt Gießen hat hierzu auch einen »Wegweiser« herausgegeben mit allen Vereinen in Gießen, damit sich die Gießener*innen zurechtfinden können und den Sport beziehungsweise Verein für sich heraussuchen können. Ansonsten ist es aber schon so, dass die Vereine eine große Menge von Eigeninitiative zeigen müssen, um die Mitglieder in die Vereine zu bekommen und dann auch dort zu halten. Ein Problem in Gießen ist, dass wir keine ordentliche Kommunikation unter den Vereinen haben. Denn obwohl die Probleme der Vereine vielfältig scheinen, sind die Probleme doch irgendwie gleich. Ein besserer Austausch untereinander würde helfen, und das muss auch geschehen, damit wir die schwierige Situation gemeinsam meistern können. Man kann auch gemeinsame Events, Turniere etc. ausrichten. Hier gebe es Möglichkeiten, dass Vereine Dinge auf kurzem Dienstweg meistern könnten. Aktuell ist es so, dass alle Vereine mit ihren Fragen direkt an das Sportamt herantreten. Das Sportamt in Gießen muss dann an vielen Fronten kämpfen, mit wenigen Mitarbeitern*innen. Es ist daher, glaube ich, tatsächlich schwierig, allen Bedürfnissen der Vereine gerecht zu werden. Für die ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen ist es manchmal schwer zu verstehen, warum etwas so entschieden wurde und nicht anders, auch wenn es nach den gesetzlichen Vorgaben etc. richtig ist. Hier wäre es schön, bei wichtigen Sachen auch mal sich persönlich auszutauschen. Hier ist dann auch mal die Eigeninitiative vom Verein gefragt. Ich bin ein Freund des gesprochenen Wortes und tausche mich daher gerne persönlich aus. Ich persönlich komme sehr gut zurecht mit den Verantwortlichen beim Sportamt. Amtsleiter Tobias Erben ist immer zu erreichen und man kann sich über die anstehenden Dinge austauschen.

Gibt es vielleicht auch eine sportspezifische Entscheidung der Stadtpolitik in den letzten Jahren, die Ihnen die Zornesröte ins Gesicht getrieben hat?

Die Zornesröte nicht zwingend. Manchmal hat man den Kopf geschüttelt bei der einen oder anderen Situation. Es entsteht auch der Eindruck, was ich persönlich nicht glaube, das größere Vereine einen Vorteil haben. So nutzt zum Beispiel ein Verein seit drei Jahren eine große Sportstätte, ohne dass der Erbpachtvertrag unterschrieben wurde. Das können sich, glaube ich, nicht viele Vereine erlauben, da spreche ich aus Erfahrung.

Was würden Sie sich grundsätzlich in der Zukunft von der Stadtpolitik wünschen im Hinblick auf den Sport?

Weiterhin den Breitensport nicht zu vergessen. Unsere Profi-Teams sind wichtig, aber der Breitensport ist der Acker, auf dem der Spitzensport seine Früchte erntet. Wichtig ist auch, dass die Sportstätten in Schuss gehalten werden. Hier müssen die Vereine, die die Sportstätten nutzen, auch einen Eigenanteil leisten, egal, in welchen Klassen diese ihre sportliche Heimat haben. Und was ich absolut positiv finden würde, wäre, dass die Vereine, unabhängig von den Sportarten, sich austauschen untereinander. Hier einen Sportstammtisch einzuführen, wäre meiner Meinung nach ein Meilenstein.

Wenn Sie noch einmal antreten und gewählt werden würden, was liegt Ihnen besonders am Sport in der Stadt Gießen am Herzen - welche Projekte würden Sie anstoßen?

Eine bessere Vernetzung und Austausch zwischen den Gießener Vereinen, unabhängig von den Sportarten, könnte ich mir als einen wichtigen Aspekt vorstellen. »Der Gießener Sportstammtisch« würde dann vielleicht viele Probleme auf einem kurzen Dienstweg lösen. Warum finde ich das so wichtig? Durch eine Wahlkampfaktion mit der SPD hatten wir mit mehreren Vereinen gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Vereine ähnlich gelagerte Probleme haben und andere diese schon gelöst hatten oder Möglichkeiten für Lösungen haben. Als Beispiel sei hier genannt, dass ein Tanzverein Räumlichkeiten suchte, ein Klub diese hatte. Die Verbesserung der Sportstätten in Gießen läge mir am Herzen. Sinn würde es dabei ergeben, auch für Hallensportarten Felder im Freien zu gestalten. Wenn keine Pandemie ist, dann ist die Situation so, dass die Sommer immer heißer werden und die Winter milder - und die Hallen in Gießen absolut voll sind. Man könnte durch Multifunktionsfelder auch die Handballer, Basketballer und so weiter nach draußen bringen und dadurch vieles entlasten.

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