10. September 2021, 06:00 Uhr

FC Gießen

Giuseppe Burgio: Gießens gelassener Goalgetter glaubt an den FC

Der 32-jährige Stürmer Giuseppe Burgio ist menschlich wie sportlich eine Bereicherung für Fußball-Regionalligist FC Gießen. Burgio vertreibt Kaffeekapseln und Fertigcocktails und glaubt an den FC.
10. September 2021, 06:00 Uhr
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Von Sven Nordmann
Will am Wochenende erstmals für den FC Gießen treffen: Stürmer Giuseppe Burgio mit der Rückennummer 31. VOGLER (Foto: Oliver Vogler (Oliver Vogler))

Mit der italienischen Gelassenheit und den Toren von Giuseppe Burgio will der FC Gießen zurück in die Erfolgsspur finden. Der Sturm-Neuzugang des FC Gießen, Sohn zweier Sizilianer, gibt sich trotz der Ergebnis-Krise mit vier Niederlagen in Folge gelassen: »Wir haben unsere Torchancen und kassieren aktuell kuriose Gegentore. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft in ein, zwei Wochen zeigt, was sie kann. Wir werden noch Spaß haben.«

Der 32-Jährige kam mit der Empfehlung von 52 Toren in der Regionalliga Südwest nach Stationen in Neckarelz, Mannheim, Haiger, Worms und Walldorf - und gilt als Hoffnungsträger, wenn es darum geht, die bisher magere Gießener Bilanz von einem erzielten Tor nach fünf Spielen in der Fußball-Regionalliga Südwest auszubauen.

»Ich habe wie alle Steigerungspotenzial«, sagt Burgio. »Ich weiß, dass ich bisher nicht meine besten Spiele für den FC Gießen gemacht habe. Das wird sich ändern. Wenn wir Gegentore kassieren, betrifft das die gesamte Mannschaft und wenn wir mehr Tore erzielen wollen, müssen wir uns auch als Team verbessern.«

Pragmatisch-gelassen geht Giuseppe Burgio die aktuell schwierige Situation des FC Gießen vor dem morgigen Heimspiel gegen die TSG Balingen (14 Uhr, Waldstadion) an: »Warum soll ich mich stressen? Ich habe eine gewisse Erfahrung und schon ein paar Spiele auf dem Buckel. Du überstehst schwierige Phasen, wenn du entspannt bist. Mit Ruhe kannst du vieles bewältigen.«

Vielleicht, räumt Burgio ein, »kommt da auch das Italienische in mir durch: la dolce vita.« Vor allem neben dem Platz lebt Burgio seine italienische Leidenschaft aus: Seit drei Jahren bereits vertreibt er im Nebenerwerb umweltfreundliche Kaffeekapseln (»caffè caps di giu«). Zudem bietet Burgio »Spirito Cocktails« an, Fertigmixe, die nur noch ins Glas gekippt werden müssen.

»Es sind Produkte, die sehr ähnlich sind. Ich gewinne jedes Jahr an Kunden. Das Ziel ist es, dass ich in einigen Jahren den Übergang vom Fußball in die Selbstständigkeit schaffe, ohne, dass ich mir finanziell Sorgen machen muss.«

Burgio besitzt beim FC Gießen einen Zweijahreskontrakt, sein Lebensmittelpunkt aber liegt in Mannheim. »Durch meinen Job pendle ich häufig, habe aber auch eine Wohnung in Gießen. Ich lerne die Stadt hier vor allem über die Gastronomie kennen, ich gehe sehr gerne essen.« Dachcafé, Geschmacksverkehr, Gianoli oder Knossos seien Anlaufstellen für den Gastro-Liebhaber.

Damit den Anhängern beim FC Gießen angesichts der aktuellen Lage nicht dauerhaft der Geschmack auf Waldstadion-Fußball vergeht, will Burgio mit seinem Team »geduldig weiterarbeiten und den Jungs vertrauen«.

Herr Burgio, wie steht es sportlich betrachtet um die Stimmung nach fünf Spieltagen und Platz 18 in der Regionalliga Südwest?

Es ist kein Geheminis, dass wir keinen guten Start in diese Saison hatten. Es ist schwierig, die Laune da hoch zu halten. Wir haben in den ersten fünf Spielen die dümmsten und kuriosesten Gegentore kassiert, die normalerweise für eine ganze Saison reichen. Es ist ganz klar, dass wir eine Phase haben, in der es nicht so läuft. Aber da kommen wir raus.

Was stimmt Sie diesbezüglich optimistisch?

Wenn ich daran denke, was wir in Bahlingen an Torchancen hatten...wir haben unsere Möglichkeiten. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Punkte holen. Wir werden ja nicht abgeschlachtet. Ich mache mir keine Sorgen - und so geht es uns glaube ich allen.

Inwiefern ist das geringfügig zur Verfügung stehende Personal ein Grund für den Stotterstart?

Wir sind eine komplett neue Mannschaft, dazu kommen Verletzte und der eine oder andere, der noch nicht spielen darf. Der Trainer hat wenig Möglichkeiten, etwas auszuprobieren. Wenn du teilweise nur drei Auswechselspieler auf der Bank hast, ist das schwierig. Wenn dann Spieler, die noch nicht bei 100 Prozent sind, so wie ich, durchspielen müssen, trägt das zur Gesamtlage bei. Spieler müssen dann schnell funktionieren, nach langer Pause und einer Woche Training wieder voll da sein, so wie Nejmeddin Daghfous.

Wieso sehen Sie sich noch nicht bei 100 Prozent der Leistungsfähigkeit?

Weil ich eine schwierige Vorbereitung hatte. Ich musste wegen muskulären Problemen mehrmals aussetzen und hatte letztlich nur zwei komplette Wochen Vorbereitung. Da holst du dir die Kraft für die Saison, die Vorbereitung tut gut, die Grundfitness ist wichtig. Jetzt hole ich mir die Kraft eben in den Spielen.

Sie haben dieses Verschmitzte in ihrem Stürmerspiel, können den Ball gut behaupten und sind clever - nehmen Sie das auf dem Platz auch als eine Ihrer Hauptstärken wahr?

Mit der Zeit hörst du das öfter, dass Zuschauer das bei mir sehen. Ich weiß, dass es neben dem Dribbling einer meiner Stärken ist. Ich versuche einfach, der Mannschaft zu helfen. Das kann ich mit Toren tun, aber auch auf andere Art und Weise.

Stemmt sich die Mannschaft gegen die aktuellen Widerstände?

Wir Spieler sind uns einig - wir haben auf dem Platz individuelle Fehler gemacht, die wollen wir abstellen. Aber der Auftakt hat dem Teamgeist an sich nicht geschadet - eher im Gegenteil: Uns ist bewusst, dass wir sportlich arbeiten müssen.

Sie wohnen in Mannheim und sind 32 Jahre alt - was motiviert Sie, beim FC Gießen zu spielen?

Das sind die Jungs. Ich fühle mich wohl hier. Wir versuchen mit wenigen Mitteln viel herauszuholen.

Woran denken Sie, wenn Sie das sagen?

An die Infrastruktur.

Abschließend: Warum lieben Sie den Fußball?

Wegen dem Gefühl, das dir ein Spieltag geben kann. Ich bin niemand, der sich ein, zwei Tage vor Spielen große Gedanken macht oder zittert. Bei mir kommt das am Tag selbst, wenn du auf den Rasen gehst, die Fans da sind. Wenn der Schiedsrichter anpfeifft, stellt sich dieses Gefühl ein, dann bin ich voll da.



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