24. November 2022, 22:36 Uhr

Handball

HSG Wetzlar mit einem Triumph des Willens

Vier Tage nach der Entlassung von Trainer Benjamin Matschke hat Handball-Bundesligist HSG Wetzlar eine starke Reaktion gezeigt und mit 26:23 (14:10) bei der TSV Hannover-Burgdorf triumphiert.
24. November 2022, 22:36 Uhr
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Von Ralf Waldschmidt
Gut gemacht! Hendrik Wagner und Till Klimpke klatschen sich beim 26:23-Auswärtscoup der HSG Wetzlar bei der TSV Hannover-Burgdorf während einer Auszeit von Interimstrainer Jasmin Camdzic ab. Die Grün-Weißen landeten einen beeindruckenden Start-Ziel-Sieg und lagen in der Landeshauptstadt von Niedersachen nicht einmal in Rückstand. In der Tabelle verbesserten sie sich auf Rang 13, Torhüter Till Klimpke hatte mit 18 Paraden erheblichen Anteil am Auswärtscoup. FOTO: IMAGO

Das Ergebnis ist wie eine Erlösung. Die HSG Wetzlar hat vier Tage nach der Entlassung von Trainer Benjamin Matschke die jüngste Bundesliga-Talfahrt mit einem 26:23 (14:10)-Erfolg gestoppt. Es war ein Triumph des Willens nach einer unruhigen Woche in Mittelhessen, bei dem Nationaltorhüter Till Klimpke im grün-weißen Dress mit sage und schreibe 18 (!) Paraden herausragte.

Die HSG Wetzlar startete so, als ob sie sich an den rekordverdächtigen 38:16-Heimcoup vor etwas über einem Jahr gegen die Niedersachsen erinnern würde. Über das 5:1 (6., Schelker) und 7:1 (10., Mellegard) zwangen die alles andere als verunsicherten Grün-Weißen TSV-Chefcoach Christian Prokop bereits nach zehn Minuten zur zweiten (!) Auszeit. Das Wachrütteln in der ersten hatte nicht den gewünschten Effekt, die taktischen Anweisungen beim zweiten Timeout mit anschließender 5:1-Deckung ließen die vom Interimsduo Jasmin Camdzic/Filip Mirkulovski gecoachten Mittelhessen aber zumindest nicht weiter wegziehen.

Die von Beginn an angeordnete 6:0-Deckung mit Hendrik Wagner und Erik Schmidt strahlte Sicherheit aus, Lenny Rubin und Jovica Nikolic halfen stets im richtigen Moment aus - und Till Klimpke parierte vor der Pause allein elf (!) Würfe. Sagenhaft! Den ein oder anderen Schnitzer hatten die Schelker und Co. zwar noch drin, aber auch die Zeitstrafe gegen Hendrik Wagner nach einer Viertelstunde beim Stande von 9:6 für die HSG warf Wetzlar nicht aus der Bahn.

In der ersten Auszeit beim 12:9 (22.) gab Filip Mirkulovski unaufgeregt neue taktische Anweisungen, derweil Jasmin Camdzic etwas emotionaler in der Abwehr wieder verstärkt Zweikämpfe mit Stoppfouls einforderte. Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, wenig später hatten Jovica Nikolic und Lenny Rubin wieder auf 14:9 (28.) erhöht. Und da Till Klimpke in der Schlussminute der ersten Halbzeit eine »Dreier«-Parade« ablieferte, gingen die Wetzlarer mit einer Mut machenden 14:10-Führung in die Kabine.

Trotz beidseitigem unansehnlichem Fehler- und Fehlwurffestival zwischen der 35. und 40. Minute hielten die Wetzlarer den Abstand konstant und setzten sich zwischenzeitlich gar auf 18:12 (40.) ab. Auf HSG-Seite begünstigt durch die Paraden 12, 13, 14 und 15 von Torhüter Till Klimpke, der bis zu diesem Zeitpunkt über 50 Prozent der Burgdorfer Würfe pariert hatte.

Wie lange aber würde die HSG Wetzlar die Gastgeber noch auf Distanz halten können? Beim 18:15 eine Viertelstunde vor Schluss baten Camdzic/Mirkulovski zur Auszeit und appellierten an ihre Spieler eindringlich »kühlen Kopf bewahren«, um in der Crunchtime den Sechs-Tore-Vorsprung aus der 40. Minute (18:12) nicht doch wieder zu verspielen.

Die weiterhin hohe Anzahl an Stockfehlern ließ auf Wetzlarer Fanseite zwar den Atem stocken, das 17:21 bis zur 50. Minute und somit ein dürftiges 7:7 in der zweiten Hälfte bis zu diesem Zeitpunkt dokumentierte aber auch die gleichen Schwächen auf Seiten der TSV Hannover-Burgdorf.

In der Crunchtime wurden die Hände der Rubin, Schelker und Co. zwar noch einmal leicht zittrig. Nach dem TSV-20:23 (53.) folgte ein technischer Fehler von Jonas Schelker, ein vergebener Siebenmeter von Domen Novak und eine Zeitstrafe von Jovica Nikolic. Das Burgdorfer 21:23 von Hannes Feise ließ einem noch einmal das Herz in die Hose rutschen, als aber der mit acht Treffern beste Wetzlarer Feldtorschütze Lenny Rubin 1:44 Minuten vor Schluss auf 25:21 stellte, waren die im Abstiegskampf eminent wichtigen Auswärtspunkte eingefahren.

Für Torhüter Till Klimpke war die »gute, kompakte 6:0-Abwehr mit ein paar gehaltenen Bällen von mir« ausschlaggebend für diesen Erfolg. Der Schweizer Lenny Rubin war »einfach nur froh über die Punkte«, auch wenn er vor laufenden Sky-Kameras deutlich sein Unverständnis über die Entlassung von Trainer Benjamin Matschke zum Ausdruck brachte.

Hannover-Burgdorf: Ebner, Quenstedt; Vujovic (4), Roschek, Mävers, Uscins, Kuzmanovski (2), Steinhauser, Michalczik (1), Kulesh, Edvardsson (2), Gerbl (7/4), Brozovic (2), Fischer, Feise (3), Büchner (2).

Wetzlar: Klimpke, Suljakovic; Lipovina (2), Schmidt (2), Nikolic (2), Becher, Weissgerber (1), Schelker (2), Wagner (2), Mellegard (3), Cepic (1), Rubin (8), Novak (3/3), Nyfjäll,

Stenogramm / Schiedsrichter: Loppaschewski/Blümel (Berlin). - Zuschauer: 3900. - Zeitstrafen: 2:6 Minuten. - Siebenmeter: 4/4:4/3.



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