07. August 2021, 12:00 Uhr

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar: Trainer Matschke im Interview

Trainer Benjamin Matschke blickt auf die ersten zwei Wochen bei der HSG Wetzlar - und nach vorne.
07. August 2021, 12:00 Uhr
À la bonne heure! Neu-HSG-Trainer Benjamin Matschke weiß, wie er seine Handball-»Jungs« motivieren kann. FOTO: VOGLER

HSG Wetzlar


Zwei Wochen lang haben sich Benjamin Matschke und seine neue Mannschaft beschnuppert. In der Vorbereitung auf die Saison 2021/2022 in der Handball-Bundesliga kommt auf die HSG Wetzlar und dem Trainer viel Neues zu. Wie Matschke die ersten Tage erlebt hat, darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Herr Matschke, Sie haben unlängst erzählt, dass sie in den ersten Tagen hier an einer Tankstelle gefragt wurden, ob sie auch Fan der HSG Wetzlar sind, weil sie im HSG-Shirt unterwegs waren. Wie war das für Sie, nicht erkannt zu werden?

Ich habe kein Problem damit, dass mich hier keiner kennt. Dafür bin ich hier, damit ich mich als Ben Matschke beweisen darf, überzeugen darf, dass Mittelhessen spürt, dass ich nahbar bin. Ich freue mich zum Beispiel sehr, dass der Linden-Cup stattfindet. Ich möchte an der Pommesbude stehen und mit den Leuten ins Gespräch gehen. Man spürt hier die Leidenschaft, positiv wie negativ.

Was sagt Ben Matschke über die Fußstapfen, in die er nach neun Jahren Kai Wandschneider tritt?

Ich habe nie das Gefühl gehabt, ich muss jetzt in diese Fußstapfen treten. Nie. Ich bin ein anderer Typ, ich habe eine andere Art. Dadurch ist es zwangsläufig ein anderer Impuls. Ich glaube, so habe ich das in ganz vielen Gesprächen erlebt, dass dieses ganze Mittelhessen und die HSG so tragfähig ist, dass sie einen Weg außerhalb von Kai Wandschneider gehen kann. Davon bin ich jetzt ein Teil - und wir gehen diesen Weg gemeinsam. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich die Arbeit von Kai jetzt fortführen muss. Es ist etwas Neues. Ich schätze Kai unheimlich. Er hat vieles geprägt, was zwangsläufig so ist. Er hat eine Region geprägt, Beziehungen geprägt. Und dass das für viele ungewohnt ist, ist normal. Darauf habe ich mich eingelassen und habe bewusst die Entscheidung pro HSG gefällt. Und ich habe hier permanent ein gutes Gefühl gehabt. Dass meine Art, wie ich trainiere, coache und wie ich bin, wie ich mit allen Belangen wie Presse oder Sponsoren umgehe, dass das hier gewollt ist.

Die Erwartungshaltung ist hoch.

Ja - natürlich. 23 Jahre Bundesliga sprechen für sich. Ich bin in den ersten Tagen mit dem Fahrrad durch die Region gefahren. Dutenhofen, Allendorf, Lützellinden - das ist ja Wahnsinn. Es war mir gar nicht so bewusst, dass diese Region in der Lage, ist Bundesliga auf diesem Niveau zu stemmen. Auf diesem großartigen Niveau, mit so viel Leidenschaft. Ich bin mit den HSG-Klamotten unterwegs gewesen und glaube schon, dass mich der eine oder andere erkannt hat. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man in dieses Dutenhofen reinfährt oder nach Wetzlar kommt. Damit kann man Verbundenheit, eine Leidenschaft erzeugen.

In den letzten Jahren wurde eine gute Basis gelegt.

Ich spüre von den Spielern eine große Loyalität, einen guten Charakter in dem Sinne, dass sie sagen: Wir sind offen für Neues. Man spürt, dass die Mannschaft einen ehrlichen Charakter hat.

Wie haben Sie Ihre Mannschaft bisher erlebt?

Ich nehme sehr viel Begeisterung und sehr viel Fokus wahr. Sie sind bereit für die neue Ansprache, das ist schön zu sehen. Dass alle gesund sind, ist nicht selbstverständlich. Andere Mannschaften haben jetzt schon die ersten muskulären Problemchen, Zerrungen oder Entzündungen. Wir sind wirklich sehr gut durchgekommen, hatten eine sehr gute Steuerung. Jetzt geht’s ans Handball spielen, mir waren bis jetzt andere Sachen wichtiger. Wir haben viel in der Gruppe gearbeitet, viel im konditionellen Bereich. Wir haben Mitte der Woche mit Spielen im sechs gegen sechs, drei gegen drei begonnen. Haben schon einiges im Entscheidungsverhalten gemacht, viel Überzahlspiele, damit die Spieler reinkommen, sich wieder an die Halle und den Ball gewöhnen. Für das System, neuer Trainer, zentrale Position tut es da natürlich weh, dass vor allem Magnus Fredriksen (Olympische Spiele) und Alexander Feld (Reha) erst später zur Mannschaft stoßen und wir erst später zusammenarbeiten können.

Wie entgegnen Sie Stimmen, die sagen, Sie hätten Hendrik Wagner von den Eulen Ludwigshafen weggelotst?

Ich war da immer offen, die Frage hat mir in Ludwigshafen jeder gestellt. Er hat im letzten halben Jahr eine enorme Entwicklung gemacht, an ihm war die halbe Liga dran. Die Gespräche waren offen, und ich habe gesagt: Wir haben jetzt so lange vertrauensvoll zusammengearbeitet. Bevor der 2022 zu Lemgo, BHC oder Hannover geht, dann möchte ich meinen Ring reinwerfen. Das war in der Kommunikation mit den Eulen transparent. Ich hätte kein Problem, wenn der bis 2025 in Ludwigshafen gespielt hätte. Das war keine aktive Rolle. Es war klar, Hendrik will sich weiterentwickeln nach seinem Vertrag bei den Eulen. Ud dann war für uns alle klar, wir möchten versuchen, den jungen Kerl hier nach Wetzlar zu holen.

Nehmen Sie Niederlagen mit nach Hause?

Wenn ich nach Hause komme, ist Familie. Manchmal ist dir dann bewusst: Oh Gott, was du da alles leistest. Ich habe von so vielen Trainern gehört, dass das was ich in vier Jahren erlebt habe, manche Trainer in ihrer ganzen Karriere nicht erleben. Wenn man so viel verliert, was es bedeutet, permanent Druck zu haben, Ich kann mich so einschätzen, dass ich es immer wieder geschafft habe, einen Tag später das Glas voll oder halb voll zu sehen und nicht halb leer.

Hilft die Arbeit als Lehrer bei der Arbeit als Trainer?

Ja, das sagen mir viele nach, dass meine pädagogische Ausbildung in unterschiedlichen Schularten sich bezahlt macht. Sich mit unterschiedlichen Typen einlassen, sie aber irgendwie in die gleiche Richtung zu bekommen. Das finde ich auch herausfordernd. Deshalb ist mir diese Schule wichtig, Ablenkung zu spüren. Und ich spüre, wenn ich in die Schule fahre, eine große Dankbarkeit. Weil das mein erlernter Beruf ist, da freue ich mich, dass ich das alles erleben darf. Jetzt bin ich 39 und darf diesen Verein hier coachen, da komme ich vor Lachen nicht in den Schlaf. Du siehst dann vieles aus einer anderen Perspektive.

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