23. Juli 2021, 22:50 Uhr

Mit rund 30 km/h über die Lahn

Die Ruderer sind wieder los: 23 Monate nach der letzten Bundesliga-Regatta startet der Gießen-Achter am 6. August in die neue, verkürzte Saison - und ist froh, während der Corona- Pandemie zusammen- gehalten zu haben.
23. Juli 2021, 22:50 Uhr
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Von Sven Nordmann
Mit den Vertretern der heimischen Sponsoren Sparkasse Gießen und SWG präsentiert sich der Gießen-Achter nach langer Wartezeit vor der neuen Saison. SNO

Jeder ist«, sagte Rainer Koppmann, Trainer des Gießen-Achters, trocken, während er auf der Lahnlust über’s Wasser schipperte, »immer nur so schnell wie er rudert« - neue Technik und Boote können helfen, Rhythmus und Muskelkraft der Athleten aber seien entscheidend.

Der Gießen-Achter ist, 23 Monate nach der letzten Bundesliga-Regatta und kurz vor dem Start in die verkürzte neue Saison, schnell unterwegs - und damit scheinbar gerüstet für den Auftakt am 6. August auf dem Dortmunder Phoenixsee. »Wir haben letztes Wochenende ein Deull gegen drei hessische Bundesliga-Achter ausgetragen und waren die Schnellsten«, wusste Koppmann. Teamchef Eric Baumann nannte als Ziel der 17 Mannschaften umfassenden Liga das »vordere Mittelfeld«, war aber vor allen Dingen froh, dass Rudern in Gießen überhaupt wieder in dieser Besetzung möglich ist.

»Dass so ein Projekt wie der Gießen-Achter solch eine Zeit der Pandemie übersteht, ist nicht selbstverständlich. Vielen Teams sind die Sportler weggebrochen.«

»Du wurdest faul«, erklärte Rudermitglied Sven Keßler am Boothaus ehrlich, als er an die Trainingsverbote während der Corona-Pandemie dachte. »Es war viel Kreativität gefragt«, wusste der langjährige Schlagmann Johannes Birkhan: »Manche haben zudem ihre Familienplanung vorangetrieben oder sich im Job verändert.«

Peter Wolf, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gießen, zeigte sich erfreut über das Comeback des Gießen-Achters: »Wir werden das Projekt weiterhin unterstützen, die Lahn ist ein Teil der heimischen Kultur. Sie zeigen bundesweit Flagge für unsere Stadt.« Auch die Stadtwerke Gießen signalisierten weitere Unterstützung.

Die Ruder-Bundesliga bietet vor allem viel Showcharakter: Während die Besten der Szene bei Olympia verweilen oder an Stützpunkten trainieren, rudern ehemalige Leistungssportler oder ambitionierte Hobbysportler an drei Wettkampftagen um den Titel »Liga-Champion« - die Deutsche Meisterschaft wird gesondert ausgefahren.

Statt wie üblich zwei Kilometer Strecke geht es in der Bundesliga über 350 Meter - dafür aber fünf Mal am Tag: Nach dem Zeitfahren folgen Achtel-, Viertel- und Halbfinale sowie Endlauf. Die weiteren Regatten steigen am 20. August am Wasserstraßenkreuz in Minden und am 11. September am Münsterer Aasee.

Der 70 Kilogramm schwere Achter kann dabei Spitzengeschwindigkeiten von knapp unter 30 km/h erreichen - dank Rhythmus und Muskelkraft genauso wie dank Technik und modernem Boot.



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