24. März 2021, 07:00 Uhr

TSG Wieseck

Neue Geschäftsstelle und 60 Trainer: Wie die TSG Wieseck die Corona- Auszeit nutzt

Die Geschäftsstelle wurde vergrößert, eine Dachterrasse für VIP’s ist in Planung, Kooperationen werden ausgeweitet. Die TSG Wieseck hat rangeklotzt in der Corona-Zeit und läuft in ARD und ZDF.
24. März 2021, 07:00 Uhr

Keinen freien Tag hat sich Deniz Solmaz seit dem Corona-Lockdown im März 2020 genommen - »ich bin jeden Tag hier«, sagt der Leiter des Jugendförderzentrums der TSG Wieseck.

Der 36-Jährige sagt das, während er in seinem neuen schicken Büro in der Geschäftsstelle der TSG Wieseck sitzt. »Bald«, sagt er«, können unsere Sponsoren oben auf der Dachterrasse sitzen.« Solmaz und seine Mitstreiter haben rangeklotzt - und ernteten unter anderem mit den TV-Auftritten in ARD, ZDF und HR die fast schon logisch folgende Aufmerksamkeit.

Gießens erfolgreichster Ausbildungsverein weiß sich klug auszurichten und hat die Auszeit des Spielbetriebs genutzt. Wir fassen die Entwicklung zusammen.

Kontinuierliche Aufwertung des Vereinsgeländes: Die Grundfläche der Geschäftstelle auf dem Wiesecker Areal wurde verdoppelt, mit einer Küche und einem zweiten Büro versehen. Die Terrasse und Zuwege wurden erneuert, Toiletten am Platz eingerichtet. Derzeit wird neues Flutlicht für den Rasenplatz installiert.

»Wir haben Flutlichtkabel und 80 Meter Toilettenleitung selbst gelegt. All das würden wir ohne die Eltern niemals schaffen«, räumt Solmaz ein. »Wir bekommen Bagger gestellt, werden personell unterstützt. Wir haben so eine starke Gemeinschaft an Leuten, die helfen.«

Seit dem Lockdown im letzten Jahr habe Solmaz »keinen freien Tag genommen. 70 bis 80 Stunden in der Woche sind normal. Ich gehe vorneweg, ich lebe es vor, bin der, der sich als Erstes dreckig macht. Dann sagen die Leute: ‘Okay, dem helfen wir.’ Es macht Spaß, mit der Unterstützung der Eltern aus wenig ganz viel zu machen.«

Der Jugendleiter treibt an, die anderen ziehen mit: So verzichteten die Trainer auf ein Monatsgehalt, um sich im hinteren Bereich der Geschäftsstelle eine Sauna samt Sanitärbereich zu bauen.

Zudem soll in den kommenden Wochen der Bau einer 120 qm großen Dachterrasse beginnen. »Es soll ein Platz für die VIP’s und Sponsoren sein, um sich zu begegnen. Von dort hat man einen klasse Blick auf beide Plätze.«

Der Leiter des Jugendförderzentrums betont: »Wir liegen dem Verein nie auf der Tasche. Im Gegenteil: Die anderen Abteilungen der TSG Wieseck können die Dachterrasse auch mal nutzen.« Auch die Footballer der Gießen Golden Dragons sollen vom Neubau profitieren.

Solmaz sagt: »Die Motivation war, dass wir nach der Corona-Krise so groß rauskommen wie noch nie. Wir haben noch nie so viel Gas gegeben wie in der Corona-Zeit. Mir war klar: Jetzt ist entscheidend!«

Präsenz in ARD, ZDF und HR: Die TSG Wieseck war Anfang März nach der Wiederaufnahme des Gruppentrainings medial sehr präsent. Fünfeinhalb Minuten auf dem digitalen Fernsehender Tagesschau24, zwei Minuten in der Hessenschau und eineinhalb Minuten im ARD- und ZDF-Morgenmagazin, in denen das Wiesecker Treiben beleuchtet und besprochen wurde.

»Diese Live-Atmosphäre mit Knopf im Ohr hat echt Spaß gemacht. Das hätte ich nie geglaubt«, erklärt Solmaz. »Danach ging’s ab, ich habe bis zu 200 Nachrichten aus ganz Deutschland bekommen.«

Wieseck bot durchgehend Einzeltraining an: »Wir haben während der Corona-Zeit nie aufgehört, auf dem Platz zu stehen. Es war immer erlaubt, dass man sich mit zwei Haushalten treffen durfte«, sagt der A-Lizenz-Inhaber. Die TSG nutzte den Vorteil, dass das Trainingsareal auf dem Privatgelände des Vereins liegt und die Plätze somit nie städtisch gesperrt waren. »Du warst wie ein Pädagoge, wir wissen einiges von den Kindern. Für viele war das hier eine Anlaufstation.«

Zudem investierten die mittlerweile laut Solmaz rund 60 (!) Trainer, darunter sieben Athletiktrainer, viel Zeit. Von morgens bis abends wurden zeitversetzt Einzeltrainings angeboten.

»Man darf sich nicht wundern, wenn wir gestärkt aus der Krise herausgehen. Wir haben einfach viel gemacht. Ich glaube, der Neidfaktor wird geringer. Es wird registriert, dass wir einfach viel machen.«

Viele Kooperationen im heimischen Raum: Die TSG kooperiert nicht nur bekannterweise mit Bundesligist Eintracht Frankfurt, sondern auch mit dem jetzigen Regionalligisten Eintracht Stadtallendorf und mehreren heimischen Vereinen wie den TSF Heuchelheim. Offizielle Kooperationen mit dem Wetterauer Gruppenligisten SV Steinfurth und dem Lahnauer Hessenligisten SC Waldgirmes sind geplant.

Dem SCW führen die Wiesecker beispielsweise seit Jahren viele A-Jugendspieler zu, im Gegensatz kommen die talentiertesten Frühjugendlichen zur TSG. Ähnlich verhält es sich mit dem FC Cleeberg und dem RSV Büblingshausen. »Wir wollen Sternvereine um uns herum«, sagt Solmaz.

Warum ergibt sich keine Kooperation mit dem FC Gießen? »Weil die handelnden Personen ständig wechseln und es keinen klaren Ansprechpartner in der Jugend gab. Wir könnten uns vorstellen, dass der FC Gießen Jugendspieler für seine erste Mannschaft abnimmt.«

Der FSV Fernwald ist dahingehend bis dato ein dankbarer Abnehmer für talentierte Wiesecker. »Sie haben mit Abstand die meisten Spieler von uns.«

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