31. August 2021, 07:18 Uhr

Rad-Bundesliga / Rund um das Stadttheater

RSG-Damen geben in Gießen den Takt vor

Daniel Klemme und Jonas Schmeiser haben Gießen als deutsche Meister verlassen. Hochklassig war »Rund um das Stadttheater« besetzt, zumal die Damen-Bundesliga Station bei der RSG machte.
31. August 2021, 07:18 Uhr
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Von Stephan Dietel
Auf die Plätze - fertig - los: Das Bundesliga-Rennen der Damen ist gestartet worden. FOTO: FRIEDRICH

Das Radrennen »Rund um das Stadttheater« zu gewinnen, dürfte diesmal so schwer gewesen sein wie schon lange nicht mehr. Das lag zum einen an seinem Rennmodus, der als Kriterium ausgetragen regelmäßige Wertungssprints mit sich brachte. Es lag aber auch am regnerischen Wetter und den nassen Kurven, die absolute Radbeherrschung und kontrollierten Krafteinsatz erforderten und ein Zuviel hart bestraften. Und es lag nicht zuletzt an den Fahrerinnen und Fahrern, denn auch die machen bekanntlich das Rennen schwer.

Der Renntag »Rund um das Stadttheater« rief die deutsche Spitze des Amateurradsports auf den Plan, denn es ging nicht nur um die ohnehin angesehenen Tagessiege des Traditionsradrennens. Für die Amateure und Elite-Amateure lockte die deutsche Meisterschaft im Kriteriumsfahren und für die Frauen und Juniorinnen gab es frische Punkte für die »Müller - Die lila Logistik Rad-Bundesliga«.

Der Hamburger Dominic Klemme (Harvestehuder RSV) galt als Favorit für das Meisterschaftsrennen der Amateure, mit dem der Renntag eröffnet wurde, und der seinen Bruder Daniel Klemme als Edelhelfer dabeihatte. 33 Fahrer gingen in das Rennen über 80 Runden (64 km) und sieben Wertungssprints. Das vermeintlich kleine Startfeld trog: »Hier sind die Guten am Start«, sagte Günter Schabel, der Vizepräsident für Leistungssport im Bund Deutscher Radfahrer, der die Meisterschaft nach Gießen vergeben hatte. In vier Qualifikationsrennen hatten sich die Fahrer für das Finale in Gießen qualifizieren müssen. Diejenigen, denen das rasch und souverän gelang, traten dann auch trotz Regen zum Kampf um Titel und Meistertrikot an. Einer von ihnen war Lokalmatador Moritz Schütz von der ausrichtenden RSG Gießen und Wieseck: »Ich wollte versuchen, in der ersten Wertung voll mitzugehen, aber habe da schon gemerkt, dass gegen die Klemme-Brüder und die starke Konkurrenz aus Süddeutschland nichts zu machen war. Dann habe ich versucht, hier und da mal eine Attacke zu setzen, aber man hat einfach gemerkt, dass das Starterfeld saustark war. Es konnte sich auch niemand nach vorne absetzen und wir hatten einen sehr schnellen Schnitt dafür, dass die Strecke komplett nass war«, sagte Schütz, dem die Strapazen des Rennens später im Gesicht abzulesen waren. Als er seine Taktik dann umstellte, als Erster in die letzte Kurve vor der Johannesstraße einbog, konnte Schütz in einem Sprint als Dritter Punkte holen, die ihn am Ende auf Platz neun kommen ließen.

Aber auch an der Spitze des Rennens waren es nicht nur Kraft und Tempohärte, die den Erfolg ausmachten. Daniel Klemme hatte in Zusammenarbeit mit seinem Bruder bereits einige Punkte eingefahren und lag rechnerisch in Führung, als es ins Finale ging. »Ich bin dann ein bisschen zu schnell in die letzte Kurve reingeschossen und über das Vorderrad weggerutscht«, schilderte Klemme seinen Sturz, nach dem er schnell wieder aufs Rad kam, aber die letzte Wertung im Zieleinlauf verpasste. Sein zuvor hart erarbeitetes Punktepolster machte ihn aber auch ohne die letzten Zähler zum deutschen Meister, vor Vizemeister Lasse Reuß (Team Belle Stahlbau) und Robert Schreiber (Berthold Rad Team) auf Platz drei.

Im anschließenden Rennen der Senioren 2 und 3 gewann Hans Hutschenreuter von der Melsunger TG und im zeitgleich ausgefahrenen Rennen der Junioren war Jonathan Malte Rottmann vom RC Victoria Neheim der stärkste Sprinter. Im Rennen der Jugend U17 hatte Tim Nissel von der RV Gießen-Kleinlinden in Jermaine Zemke (VC Darmstadt), dem Sohn des Ex-Radprofis Jens Zemke, seinen direkten Gegner, mit dem er sich packende Wertungssprints lieferte. Es kam auch einmal zum Punktegleichstand der beiden Nachwuchsfahrer, doch dann zog Zemke an und setzte sich auf den letzten neun Kilometern als Ausreißer ab. Die dadurch mitgenommenen Punkte machten ihn nach 40 Runden (32 km) zum Tagessieger vor Tim Nissel. In der Wertung der U15-Fahrer feierte David Werner von der RV Gießen-Kleinlinden als Vierter eine achtbare Premiere bei seinem Heimrennen im ersten Jahr mit Rennlizenz. Bei den U13-Fahrern sicherte sich Jan Nissel (RV Gießen-Kleinlinden) den Tagessieg.

Auf ihr Heimrennen freuten sich auch die RSG Gießen Biehler ganz besonders. Die Bundesliga-Fahrerinnen der RSG Gießen und Wieseck waren bereits im vergangenen Jahr bei »Rund um das Stadttheater« souverän gefahren. Diesmal brachten sie aber die Konkurrenz der Bundesliga mit nach Gießen. Ganz anders als geplant verlief das Rennen für die RSG Gießen Biehler schon kurz nach dem Startschuss, den Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz gab. Helena Bieber, die Führende der Bundesliga, hatte sich direkt abgesetzt, was so aber nicht geplant gewesen sei. Ihre Teamkollegin Lydia Ventker habe ihr ein Zeichen gegeben, dass hinter ihr ein Loch zu den Verfolgerinnen entstanden sei. »Vielleicht weil ich so schnell durch die Kurven gefahren bin«, sagte Bieber, die von ihrem Vorstoß selbst überrascht war. Sie sei dann einfach weitergefahren, überrundete nach 32 der 50 angesetzten Runden ihre Verfolgerinnen und landete am Ende einen eindrucksvollen Start-Ziel-Sieg vor Teamkollegin Katharina Fox und Finja Smekal (Drops Le Col). Zum Trikot der Gesamtführenden, das mit dem Heimsieg noch etwas fester auf ihren Schultern sitzt, kam obendrein das Trikot der besten Sprinterin und der Tagessieg in der Mannschaftswertung.

Im Hobbyrennen, das ebenfalls durch regelmäßige Wertungssprints entschieden wurde, wiederholte Marco Kaufmann vom Team Rheinhessen nach 30 Runden (24 km) seinen Vorjahressieg vor Georg Bienert (SKV Mörfelden-Walldorf) und Max Bindemann (RSG Gießen und Wieseck).

Schmeiser mit dem stärksten Team

Jonas Schmeiser (RSC Kempten) und Florenz Knauer (Herrmann Radteam) waren die Topfavoriten für die DM der Elite-Amateure. 100 Runden (80 km) waren für das Titelrennen zum Abschluss des Renntages veranschlagt. Als Lokalmatadore hatten sich der Biebertaler Niclas Zimmer (Team Erdinger Alkoholfrei) und der Wahl-Gießener Florian Obersteiner (Team 54x11), die beide mit Rennlizenz der RSG Gießen und Wieseck fahren, qualifiziert. Ihnen war klar, dass sie bei diesem Rennen im Dienst ihrer Teams stehen würden und eigene Ansprüche zurückstellen mussten. Das war auch zwingend notwendig, denn das Rennen wurde ein Ergebnis mannschaftlicher Geschlossenheit. Mit zehn Fahrern ging das Team Auto Brosch des RSC Kempten um Jonas Schmeiser an den Start. Nur fünf Fahrer hatte das Team 54x11 um Favorit Florenz Knauer dagegenzuhalten. Neun Wertungssprints standen an, das Stundenmittel lag schon zu Beginn bei über 47 km/h und die angesetzten 80 km sollten nach rund 1:40 Stunden absolviert sein.

Schmeiser konnte in neun von zehn Wertungssprints punkten und gewann davon insgesamt acht. So kam der 34-Jährige auf 39 Punkte und verwies Marcel Franz (54x11), der kürzlich schon Vizemeister hinter dem Derny geworden war, mit 24 Punkten auf Platz zwei. Mit 17 Punkten belegte Florian Tenbruck (Belle Stahlbau) den Bronzerang. Zimmer wurde am Ende auf Rang 19, Obersteiner auf Platz 14 notiert.



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