04. Mai 2021, 22:37 Uhr

HSG Wetzlar

Schwarzer Dienstag für die HSG Wetzlar

Schwarzer Dienstag für Handball-Bundesligist HSG Wetzlar. Die beiden Rückraumspieler Stefan Cavor und Alexander Feld fallen für den Rest der Saison aus.
04. Mai 2021, 22:37 Uhr
Mittelhandbruch: Für Torjäger Stefan Cavor ist die Saison beendet. FOTO: VOGLER

HSG Wetzlar


Montag noch nippte Kai Wandschneider an seinem Cappuccino to go - wie immer während der Heimspieltags-Pressekonferenzen. Erst nachdenklich wirkend, mit gesenktem Blick in den Becher, dann kämpferisch blickend, mit dem Kopf nach oben. Den 61-jährigen Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar plagten wieder einmal Personalsorgen.

Wie eigentlich immer in seinen neun nun zu Ende gehenden Spielzeiten bei den Mittelhessen. Vor der Partie am Mittwoch gegen TBV Lemgo-Lippe (18.30 Uhr, Rittal-Arena, live auf Sky) würden - Stand Montag - Olle Forsell-Schefvert (Knie-OP) und Alexander Feld (Adduktoren) auf jeden Fall fehlen. Zu diesem Zeitpunkt drohte wegen seiner vermeintlich nur stark und schmerzhaft geprellten Wurfhand aber auch schon Linkshänder Stefan Cavor auszufallen. Und was machte Kai Wandschneider? Er nahm einen Schluck aus dem Cappuccino-Becher und ließ mit energischer Stimme eine Kampfansage folgen: »Wir müssen alle unsere Energien bündeln und als Mannschaft auftreten. Ich will Kampf sehen bis zur letzten Sekunde.« Wie immer eigentlich seit März 2012. Selbst in aussichtslos scheinenden Situationen.

Doch dann folgte gestern der ›Schwarze Dienstag‹, an dem sich die Verletzung von Stefan Cavor nach eingehender Untersuchung bei Teamarzt Marco Kettrukat als Mittelhandbruch erwies und sich Alexander Feld zu allem Überfluss im Abschlusstraining einen Abriss der Adduktorensehne zuzog. Der aktuelle Tabellensechste der Handball-Bundesliga muss damit bis zum Ende der Spielzeit gleich auf drei Stammspieler verzichten, da sich auch der Schwede Olle Forsell Schefvert notwendigerweise hat am Knie operieren lassen müssen. Das Worst-Case-Szenario lässt sich gedanklich allein dadurch abmildern, dass die Grün-Weißen bei elf (!) noch zu absolvierenden Bundesliga-Partien bis 27. Juni mit bereits 30 eingefahrenen Punkten komfortable 17 Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone haben.

Die Personalsituation: Bei der HSG Wetzlar fehlt mit Stefan Cavor, Olle Forsell-Schefvert und Alexander Feld nun eine komplette spiel- und wurfstarke Rückraumreihe. Dafür kehrt zwar Spielmacher Magnus Fredriksen nach seiner ärztlich verordneten Zwangspause wegen einer Gehirnerschütterung in den Kader zurück und er dürfte dem Wetzlarer Spiel auch Struktur und Spielwitz verleihen. Aber ein Ausfall von gleich drei erfahrenen Erstligakräften ist kaum zu kompensieren. Beim 30:29-Erfolg bei der HSG Nordhorn-Lingen konnten vor allem Routinier Filip Mirkulovski und Philip Henningsson mit einem couragierten Auftritt die Ausfälle kaschieren.

Cavor, mit 122 Saisontoren bester Torschütze der Mittelhessen, hat sich eine Fraktur des Mittelhandknochen in der linken Wurfhand zugezogen. Ob dies eine Operation bei einem Handspezialisten notwendig macht, ist derzeit noch in Abklärung. Fest steht aber, dass der Montenegriner in dieser Saison kein Spiel mehr bestreiten kann und zirka acht Wochen pausieren muss. Noch länger wird Alexander Feld den Grün-Weißen fehlen, der sich im gestrigen Mannschaftstraining einen Abriss der Adduktorensehne zugezogen hat. Auch hier ist eine operative Versorgung der Verletzung in Abklärung, laut Marco Kettrukat aber sehr wahrscheinlich.

Abgesehen von den Langzeitverletzten Tim Suton, Frederik Simak und Jari Lemke dürfte beim TBV Lemgo-Lippe hingegen das komplette Personal zur Verfügung stehen.

Wie haben die beiden Teams die Nationalmannschaftspause gestaltet? Strukturell um die Möglichkeit gebracht, mit - wie in den Vorjahren - U 23- und U 19-Spielern wenigstens ein ordentliches Sparring im Training durchzuführen, konnten Kai Wandschneider/Jasmin Camdzic wegen der Abstinenz der Nationalspieler sowie der Verletzten bei der HSG nur in Kleingruppen arbeiten. Inwieweit sich das gegen den Ex-Meister bezüglich der Abstimmung und Fehlerquote auswirken wird, bleibt abzuwarten. Auch in den kommenden Wochen kann der Kader durch die vor der Saison vorgenommene ›Spielbetriebstrennung‹ der HSG Wetzlar von der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen von unte« nicht aufgefüllt werden. Eine Maßnahme, die vor diesem Hintergrund für die Zukunft noch einmal überdacht werden sollte.

Aufseiten des TBV Lemgo- Lippe hatte Wandschneider-Pendant Florian Kehrmann keine Probleme, das Personal für die Trainingsarbeit aufzufüllen. »Da profitiert er von einem regen Austausch mit der A-Jugend und der zweiten Mannschaft, der so bei uns nicht möglich ist.«

Die Form des Gegners: Der TBV Lemgo Lippe hat coronabedingt bislang vier Partien weniger absolviert als die HSG Wetzlar und liegt bei 24:22 Punkten als Rang-11. im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Mit Teilerfolgen bei Frisch Auf Göppingen, beim SC DHfK Leipzig und bei der SG Flensburg/Handewitt sowie den jüngsten Auswärtserfolgen bei HBW Balingen/Weil-stetten und Eulen Ludwigshafen hat das Team von Trainer Florian Kehrmann bereits mehrfach in dieser unwirklich wirkenden Spielzeit bewiesen, auch in der Fremde erfolgreich zu sein.

Mit Jonathan Carlsbogård, Peter Johannesson, Bobby Schagen, Dani Baijens, Mark van den Beucken, Bjarki Már Elísson und Gedeón Guardiola waren vom TBV ebenso wie bei der HSG etliche Nationalspieler mit ihren Länderteams unterwegs. Coach Kehrmann stellt sich nach dem Heim-28:34 gegen die RN Löwen vor zehn Tagen sowie vorheriger 21-tägiger Corona-Zwangspause mit nur einer (!) April-Partie die Frage nach dem zu findenden Rhythmus. Im Mai haben die Lipperländer nun acht (!) Pflichtaufgaben vor sich.

Der Vergleich: Gegen den TBV Lemgo-Lippe weist die HSG Wetzlar bei erst sieben Siegen, drei Unentschieden und 36 Niederlagen eine ihrer schlechtesten Erstliga-Bilanzen auf. Der letzte Erfolg überhaupt liegt viereinhalb Jahre zurück: 31:29 im November 2016.

Bei den Ostwestfalen zählt der schwedische Torhüter Peter Johannesson ebenso zu den Leistungsträgern wie Andreas Cederholm, Jonathan Carlsbogard und Andrej Korgut im Aufbau oder Bjarki Mar Elisson auf Linksaußen. Trainer Florian Kehrmann führt zudem eine Vielzahl an Talenten wie Marcel Timm am Kreis, Lukas Zerbe auf Außen und Jari Lemke im Rückraum an die Bundesliga-Anforderungen heran.

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