09. September 2021, 06:00 Uhr

Tennis

Tennistrainer David Billek kehrt zurück nach Gießen: Schatz an der Liebigshöhe zum Leben erweckt

Tennistrainer David Billek kehrt zurück in seine Gießener Heimat, gründet eine Akademie und fühlt sich auf der idyllischen Anlage der Freien TSG wohl. Dort wird der 30-Jährige gerne aufgenommen.
09. September 2021, 06:00 Uhr
Blick auf das Idyll inmitten der Stadt: Akademiegründer David Billek auf der Anlage der Freien TSG Gießen. FOTO: SNO

Willi Klein steht am Tresen in der Vereinsgaststätte der Freien TSG Gießen, breitet die Arme aus und sagt mit großen Augen klar und deutlich: »David Billek war wie ein Lottogewinn für den Verein.«

Mit dem 30-jährigen Tennistrainer und dem Sportverein an der Liebigshöhe haben sich zwei gesucht und gefunden - »es ist eine Win-Win-Situation für beide. Ich freue mich, wieder in der Heimat zu sein«, sagt Billek nach seinem im Oktober dann endgültig endenden Abstecher beim TV Marburg.

An der Liebigshöhe hat Billek seine eigene Tennisakademie gegründet - und damit der dahinsiechenden Tennisabteilung neues Leben eingehaucht. »Die Abteilung«, sagt Vorsitzender Klein, »war vom Aussterben bedroht. Wir hatten vielleicht noch 30 Mitglieder. Dabei waren es in den 90ern zu Becker-Zeiten mal um die 200!«

Das Idyll in der Nähe der Grünberger Straße wurde kaum noch genutzt - oder fiel niemandem auf: Jannik Müller, der in Billeks Akademie als Trainer arbeitet, sagt: »Das hier ist ein Schatz, der offensichtlich nie als solcher gesehen wurde. So eine Ruhe mitten in der Stadt!«

Im Sommer 2020 kam Billek auf die Idee, die Verantwortlichen der Freien TSG zu kontaktieren - diese nahmen den Vorschlag an, seitdem nutzt der einst in der deutschen Rangliste geführte Gießener die drei Sandplätze regelmäßig - und geht den Weg zurück in die Selbstständigkeit.

»Wir bekommen wieder mehr Mitglieder und dadurch mehr Beiträge«, freut sich Willi Klein. Das Gelände in Erbpacht werde mit einem »kleinen Zuschuss der Stadt« in Eigenregie in Stand gehalten, »das ist durchaus mit Aufwand verbunden«, sagt Klein, der ein Team von Idealisten im fortgeschrittenen Alter um sich weiß. Jedes Jahr wird der Sandplatz selbst hergerichtet.

Zehn Kinder im Alter zwischen elf und 15 Jahren sorgen in der Vereinsgaststätte im August 2021 für ordentlich Lärm. Es ist Mittagspause im Feriencamp, Kartoffeln, Gemüse und Hähnchenschenkel werden serviert. »Achtung, die Sauce ist en bissie scharf«, sagt die Kellnerin. Den Kindern wird im Feriencamp von Montag bis Freitag und 9 bis 15.30 Uhr nachmittags ein volles Programm geboten.

»Wir fangen meistens mit einem Aufwärmprogramm an und gehen dann ins Tennistraining mit Grundlinienspiel oder Doppeltaktik beispielsweise über«, sagt David Billek. Nach der Pause gehe es ins freie Spiel und das Eintauchen in Matchsituationen über.

Billek wird unterstützt von Jannik Müller und Alena Sättler, hat sich zudem ein breit gefächertes Team aufgebaut: An einem Camptag spricht Mentaltrainer Fabio Eidelwein zu den Jugendlichen, erklärt, wie sie sich selbst mehr vertrauen, am anderen kommt Physiotherapeut Lukas Lai vorbei und absolviert Athletiktraining mit den Kindern. »Für mich besteht Tennis aus vier Faktoren: Fitness, Technik, Mentalität und Taktik«, sagt der Mann mit den langen Haaren.

Wenn die Kinder gegangen sind, geht der Akademiegründer ins »after work tennis« über. Außerhalb der Ferien steht der Sportliebhaber oft von neun Uhr morgens bis 21 Uhr abends durchgehend auf dem Platz.

»Die Abwechslung ist so angenehm«, sagt Billek. »Mit roten druckreduzierten Bällen über das Kleinfeld zu spielen ist eben etwas anderes, als einen Profispieler zu trainieren.«

Vom Anfänger bis zu Ambrosio - alle werden vom 30-Jährigen gecoacht, der die aktuelle Nummer 59 im deutschen Damen-Tennis, Silvia Ambrosio, oft bei Turnieren begleitet. Während Mittagspause an der Liebigshöhe ist, verfolgt der Trainer auf dem Smartphone, wie Ambrosio gerade live bei einem 15 000-Dollar-ITF-Turnier in Erwitte aufschlägt.

»Mit Kindern, die noch nie Tennis gespielt haben, zehn Bälle hin- und herzuschlagen«, sagt er, »das ist die größte Freude.«

Billek will sich auf der Anlage etablieren. »Ich glaube«, sagt Willi Klein, »dass er sich hier festbeißen will. Uns ist das recht. David ist ein angenehmer Vertreter, er soll ruhig einige Jahre hier bleiben.«

Zwei langjährige Vereinsmitglieder, Gottfried Wurmbach und Danny Gleiß, sitzen an jenem August-Mittwoch am Clubheim und schauen dem Tennistreiben in Ruhe von der Terrasse aus zu. »Wer weiß«, sagt Wurmbach, »ob die Tennisabteilung sonst nicht bald still gelegt worden wäre. Der Verein ist glücklich darüber, dass er hier ist. David treibt uns an«.

Als die Kinder mit ihren Trainern von der Mittagspause wiederkommen, schlendert der 80-jährige Wurmbach über den Sandplatz, geht zu Billek und sagt: »Ich hab gerade die Linien nachgezogen, siehste’s?«

David Billek geht vorneweg, die älteren Herren ziehen mit - und halten ihr Idyll, auf dem neulich sogar die 59 der Herrenwelt, Dominik Koepfer, mit dem Grünberger Julian Lenz trainierte, inmitten von Gießen in Schuss. Akademie-Trainer Jannik Müller meint: »Das hier ist wie ein Dorfverein in der Stadt.«

Mit der Freien TSG Gießen und David Billek haben sich zwei gesucht und gefunden - das hat nicht nur Willi Klein, sondern auch seine Frau Ingrid erkannt.

Kurzzeitig tritt sie in der Gaststätte in Erscheinung, stellt sich vor dem Tresen auf und sagt: »Im Fußball ham’ wir jetzt Stefan Hassler und im Tennis David Billek - was soll uns denn jetzt noch passiere?«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Erbpacht
  • Fußball
  • Gaststätten und Restaurants
  • Kellnerinnen und Kellner
  • Mentalität
  • Mentaltrainer
  • Saucen
  • Senioren
  • Sport-Mix
  • Stefan Hassler
  • Tennis
  • Tennisabteilungen
  • Sven Nordmann
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos