08. Januar 2022, 06:57 Uhr

Handball

Till Klimpkes großer Augenblick

Till Klimpke steht vor dem vorerst größten Augenblick seiner noch jungen Laufbahn. Der Bundesliga-Torhüter der HSG Wetzlar steht vei de EM im Tor der deutschen Handball- Nationalmannschaft.
08. Januar 2022, 06:57 Uhr
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Von Ralf Waldschmidt
Torhüter Till Klimpke steht mit der EM-Teilnahme vor der vorläufigen Krönung seiner noch jungen Laufbahn. Am Sonntag steht in Wetzlar die EM-Generalprobe gegen Frankreich an. FOTO: IMAGO

Till Klimpke steht vor dem vorerst größten Augenblick seiner noch jungen Laufbahn. Der Bundesliga-Torhüter der HSG Wetzlar bestreitet am Sonntag mit der deutschen Handball- Nationalmannschaft in Wetzlar gegen Frankreich die EM-Generalprobe und hat anschließend sein erstes großes Turnier vor Augen.

Es war vor sieben, acht Jahren, als sich die glückliche Fügung ergab, dass mit Jasmin Camdzic, dem aktuellen Teammanger und seinerzeitigen Assistenztrainer von Wetzlars Bundesliga-Coach Kai Wandschneider, einer der damals schon renommiertesten Torwarttrainer im internationalen Handball einen 15-jährigen B-Jugend-Torhüter namens Till Klimpke unter seine Fittiche nahm.

Acht Spielzeiten, 35- Junioren- und acht A-Länderspiele sowie 139 Bundesliga-Einsätze später steht der mittlerweile 23-jährige Torhüter der HSG Wetzlar vor dem vorläufigen Höhepunkt seiner noch recht jungen Laufbahn. Bundestrainer Alfred Gislason hat den gebürtigen Gießener für die Handball-Europameisterschaft vom 13. bis 30. Januar in der Slowakei und Ungarn nominiert - und die Generalprobe bestreitet der 1,98 m große Keeper ausgrechnet am morgigen Sonntag in der Buderus-Arena Wetzlar gegen Olympiasieger Frankreich (19.05 Uhr).

Im DHB-Spotlight am Mittwochabend sprach Till Klimpke von einer großen Vorfreude. Einmal auf das Länderspiel am Sonntag gegen die Equipe Tricolore ausgerechnet in seinem Wetzlarer Wohnzimmer. »Ich versuche es ein wenig wegzudrücken, aber eine gewisse Grundnervosität ist natürlich da. Ich lebe gerade meinen Traum.« Zum anderen wegen seiner Nominierung für die in wenigen Tagen bevorstehende Handball-EM, seinem ersten großen internationalen Turnier überhaupt. »Für sein Land zu spielen, ist doch das Größte, was es geben kann.«

Im mainfränkischen Trainingscamp des ruhmreichen TV Großwallstadt bereitet sich Till Klimpke mit dem Nationalteam samt Betreuer- und Mitarbeiterstab bereits seit dem Neujahrstag auf die kontinentalen Titelkämpfe vor. »Wir haben viel Taktik-Training gemacht. Das Team versteht sich immer besser«, sagte der 23-Jährige beim DHB-Talk, »die Abläufe klappen schon ganz gut.«

Bei der EM-Generalprobe am Sonntag in Wetzlar vor zugelassenen 1225 Zuschauern gegen Olympiasieger Frankreich, die in Vor-Coronazeiten für eine rappelvolle Buderus-Arena (Klimpke: »Schade, dass nur so wenig Zuschauer kommen dürfen«) mit großem mittelhessischen Handball-Hype stattgefunden hätte, soll Bundestrainer Alfred Gislason weitere wichtige Aufschlüsse für das am nächsten Freitag in der slowakischen Hauptstadt Bratislava gegen Weißrussland beginnenden EM-Turnier geben. Das Duell gegen den Olympiasieger dürfte das junge DHB-Team athletisch vor große Herausforderungen stellen.

Bei der HSG Wetzlar ist Till Klimpke in den vergangenen sieben, acht Jahren von Jasmin Camdzic auf nationales und internationales Niveau gehoben worden, bei der Nationalmannschaft kommt der Youngster in den Genuss der Zusammenarbeit mit Matthias Andersson, einem der über zwei Jahrzehnte lang besten Torhüter der Welt. »Er steuert das Training sehr gut«, hilft Klimpke die Kompetenz des Schweden ernorm weiter, »es ist schon so, dass wir auch als Torhüter stark belastet werden.« Im DHB-Spotlight hob Klimpke zudem hervor, dass der 43-jährige Skandinavier, der in der vergangenen Saison sogar noch ein Kurzzeit-Comeback beim THW Kiel gegeben hatte, ein »auf die verschiedenen Techniken der Torhüter angepasstes Training« mache. Andersson: »Jeder Torwart wird anders trainiert.« Dass in der Miltenberger Sporthalle die Übungseinhjeiten sogar mit einer Drohne aufgezeichnet werden, hat aber »eher Schulungs- als Analysegründe«, klärte Andersson auf.

Disziplin und Ehrgeiz zeichnen Till Klimpke neben seinem großen Torwart-Talent aus. »Ich habe jetzt eine relativ große Chance, nachdem Jogi (Bitter; Anm. d. Red.) seinen Rücktritt erklärt hat. Die will ich auch nutzen. Ich versuche, diese frei gewordene Position im Tor anzugreifen und mich früher oder später in der Nationalmannschaft zu etablieren. Das ist mein großes Ziel«, hatte Klimpke bereits im vergangenen Herbst nach seinem furiosen Bundesliga-Start in einem Sport 1-Interview seine Karriereplanung vor den beiden November-Länderspielen gegen Portugal deutlich gemacht.

»Ich freue mich sehr, dass die zwei, die sich schon in der Bundesliga in den Vordergrund gespielt haben, eine sehr gute Leistung gebracht haben«, lobte Bundestrainer Alfred Gislason im Nachgang der Portugal-Länderspiele das neue Torhüter-Gespann Till Klimpke und Joel Birlehm (SC DHfK Leizpig) und ergänzte: »Deutschland hat noch nie Probleme auf der Torwart-Position gehabt.« Schon Mitte November deutete demnach vieles auf ein EM-Ticekt für Till Klimpke hin.

»Till ist gereift, hat sich weiterentwickelt«, sagt Jasmin Camdzic über seinen Schützling. Der Bosnier weiter: »Er ist auf einem guten Weg, hat in der ersten Saisonhälfte stabil gehalten und sich für höhere Aufgaben empfehlen können.« Nach großen Leistungssprüngen in seinen ersten Bundesliga-Jahren würden den 23-jährigen Keeper nunmehr bereits kleinere Schritte ein Stück weiterbringen, ob bei Würfen aus sechs oder neun Metern, bei Nachwürfen oder von den Außen. »Die Entwicklungsschritte werden kleiner. Aber Till ist ja auch erst 23, das ist normal. Till ist mental stabiler geworden, er wird nie panisch. Till hat großen Anteil am herausragenden fünften Platz unserer Bundesliga-Mannschaft«, so ›Jasko‹.

Den Beweis will und kann Till Klimpke, der einst eng mit Nationaltorhüter-Kollege Andreas Wolff zu dessen Wetzlarer Zeit zusammenarbeitete, nach dem Test am gestrigen 30:26-Freitag gegen die Schweiz in Mannheim morgen gegen das französische Team von Nationaltrainer Guillaume Gille sowie ab nächsten Freitag bei der EM antreten. »Es ist alles möglich. Wir sind unberechenbar«, sagte Till Klimpke nach starker zweiter Halbzeit in der gestrigen Schweiz-Partie in der ARD selbstbewusst: »Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen.«

Die Liste heimischer Handballer im deutschen Nationalteam ist lang, waschechte Mittelhessen aber waren nur wenig. Horst Spengler vom TV 05/07 Hüttenberg steht als Weltmeister von 1978 noch immer unangefochten an der Spitze. In dessen Fußstapfen könnte Till Klimpke einmal treten. Der Anfang zumindest ist gemacht.



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