11. Januar 2022, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Unruhige Zeiten bei den Gießen 46ers

Die Mannschaft steht auf einem Abstiegsplatz, hinter den Kulissen rumort es - die Gießen 46ers erleben wieder einmal turbulente Wochen. Im Kader deuten sich erneut Veränderungen an.
11. Januar 2022, 07:00 Uhr
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Von Markus Konle
Die Zukunftsperspektiven für Jalen Tate bei den 46ers sind nicht die besten. FOTO: VOGLER

Wenigstens eine Frage ist vorerst geklärt: Nach der achten Niederlage der Gießen 46ers in Folge, dem 76:87 gegen Göttingen am Samstag, muss sich Pete Strobl in der aufgeflammten Trainer-Debatte zunächst keine Sorgen um seinen Job als Trainer des Basketball-Bundesligisten machen. Sportdirektor und -Geschäftsführer Sebastian Schmidt stellte klar: »Für den Aufsichtsrat und für mich gibt es diese Trainerdiskussion aktuell nicht.« Zugleich räumte er aber ein: »Es gibt bei uns keine Jobgarantie.«

Schmidt widersprach zudem vehement Gerüchten, dass es im Aufsichtsrat schon vor dem Göttingen-Spiel eine Abstimmung über eine etwaige Beurlaubung des Coachs gegeben haben soll. Diese Aussage des Geschäftsführer deckt sich mit Informationen dieser Zeitung.

Etwas mehr Ruhe können den 46ers wohl nur Siege bringen - was angesichts der kommenden Aufgaben in Berlin und gegen Hamburg kurzfristig aber sehr schwierig werden dürfte. Wobei noch unklar ist, ob die für Sonntag geplante Partie in der Hauptstadt ausgetragen werden kann, nachdem wegen eines Corona-Ausbruchs bei Alba mit elf Infizierten bereits zwei Begegnungen der Berliner abgesagt wurden.

Im Spiel gegen Göttingen zeigte sich wieder einmal, dass Einsatz alleine für die 46ers nicht reicht, um zu gewinnen. Dennoch sagt Schmidt: »Ich bin aber absolut davon überzeugt, dass wir die Qualität haben, um in der Liga zu bleiben. Wenn wir als Team agieren und wenn die Spieler das, auf was wir uns committet haben, nämlich als eine Gruppe zu fungieren unabhängig vom basketballerischen Talent, alles geben.«

Der Sportdirektor hat aber im Göttingen-Spiel auch Defizite gesehen, als seine Mannschaft mehrfach drauf und dran war, die Partie zu drehen. »Wir haben es in diesen Phasen nicht geschafft, physisch genug und clever genug zu spielen. Dass Spieler wie Miller oder Omut fast keinen Rebound einsammeln, ist ein Ding der Unmöglichkeit«, kritisiert er. Omot war schon direkt nach der Partie von Coach Strobl angezählt worden, der dem sonstigen Topscorer Eigensinn vorgeworfen hatte.

Eine weitere, letzte Nachverpflichtung könnte zumindest in puncto Cleverness und Erfahrung dem Team weiterhelfen. Klar ist aber auch: Nachdem die zuletzt geholten Jalen Tate, T. J. Williams und J. D. Miller nicht wie erhofft eingeschlagen haben, bringt als letzte Option nur ein echter Qualitätsspieler das Team weiter. »Wir brauchen einen Spieler, wenn wir nachverpflichten, der uns weitere Athletik gibt und die Dreierpower, die uns seit dem Abgang von BJ Blake abhanden gekommen ist«, sagt Schmidt. Qualität kostet allerdings - und die finanziellen Mittel der 46ers sind sehr begrenzt.

Gespräche über Vertragsauflösung

Dass Blake, der nach der Ermordung seines Bruder seinen Vertrag aufgelöst und kurz vor Weihnachten zu seiner Familie in die USA zurückgekehrt ist, an allen Ecken und Enden fehlt, ist unbestritten. Der Plan, die freie Stelle des Topscorers mit Miller zu besetzen, um mehr Gefahr und Präsenz am Brett zu bekommen, ist nicht aufgegangen. Der US-Amerikaner ist trotz aller Bemühungen bislang den Beweis schuldig geblieben, dass er eine echte Verstärkung ist.

Um Platz im Kader zu schaffen und etwas finanziellen Spielraum zu bekommen, würden sich die 46ers gerne vom dem ein oder anderen Spieler trennen. Schmidt bestätigte, dass es bereits Gespräche in diese Richtung gegeben hat. Erster Kandidat ist Tate. »Er ist ein junger Spieler, der Spielpraxis braucht. Die wird er bei uns sehr wahrscheinlich nicht mehr bekommen, sofern alle gesund sind«, sagt der Sportdirektor über den 23-jährigen US-Guard, der einer von sieben Importspielern ist - nur sechs dürfen eingesetzt werden.

Was man bei allen berechtigen Sorgen um die 46ers nicht vergessen sollte: Noch haben sie 18 Spiele, um die nötigen Siege für den Klassenerhalt zu holen - aber Ruhe im und außerhalb des Teams wird es wohl nur mit Erfolgen geben.



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