11. März 2021, 16:00 Uhr

Lebendige Vergangenheit

Unterhaltsame Zeitreise durch 90 Jahre Handball

»90 Jahre Hausener Handball - eine Erfolgsstory«. So heißt das Buch, das die Pohlheimer herausgebracht haben. Es ist keine Chronik, sondern eine Anekdotensammlung mit Charme und Witz.
11. März 2021, 16:00 Uhr
Die Hausener TV-Vorsitzende Barbara Aff und Abteilungsleiter Norbert Volk bei der Vorstellung des Büchleins »90 Jahre Hausener Handball - eine Erfolgsstory«. FOTO: RGE

Wenn ein Dorf wie Hausen als »handballverrückt« bezeichnet wird, hat das seinen Grund. 90 Gründe sind es wenigstens, denn genauso viele Jahre wären im letzten Jahr Hausener Handballgeschichte gefeiert worden, wenn die Pandemie nicht einen Strich durch die geplanten Feierlichkeiten gemacht hätte. Die Handballer vom TV 1864 Hausen haben sich aber noch nie die Laune verderben lassen. Und so setzten sie trotz aller Widrigkeiten die Idee eines Buches um.

Herausgekommen ist nicht einfach eine Chronik, sondern eine lesenswerte Reise mit Geschichten, Anekdoten und sportliche Erfolgen durch die 90 Jahre der Hausener Handballer. Jetzt stellten die TV-Vorsitzende Barbara Aff und Abteilungsleiter Handball, Norbert Volk, die 76-seitige Druckschrift vor. 200 Exemplare beträgt die erste Auflage, die kostenlos verteilt wird, informierte die beiden Vorstandsmitglieder.

Charme durch persönliche Sicht

»90 Jahre Hausener Handball - eine Erfolgsstory« heißt es eingangs des Büchleins im Rückblick von Norbert Volk. Er freut sich, dass mit der Serie von Berichten aus den Reihen der Mitglieder die vielschichtigen Aktivitäten der Vergangenheit noch einmal lebendig werden. Das alles aus persönlicher Sicht der Autoren. Und gerade diese Sicht der Dinge, die nicht nur Siege und Niederlagen in den Blickpunkt stellen, sondern die kleinen Geschichten rund um das Leder und den Zusammenhalt der Gemeinschaft, haben Charme und Witz.

Matthias Weber, Enkel des Gründungsvaters Otto Schardt, verortete so auch nach dem handballähnlichen Spiel der Griechen im »Harpaston« in der Antike, das so viel wie »kleiner fester Fangball« bedeutet, zumindest den mittelhessischen Geburtsort für den »richtigen« Handballsport jovial in Hausen. Die erste Mannschaft gründete im Mai 1930 Otto »Ottsch« Schardt als 17-Jähriger mit anderen Burschen im Schiffenberg-Dörfchen. Von da an ging es steil bergauf in der damals so bezeichneten »Kreisrunde«. Schönster Erfolg war ein dritter Platz beim Turnier in Gießen unter 60 Mannschaften, wurde notiert, bevor der Krieg den Spielbetrieb ausbremste.

Als es wieder losgehen konnte, wurde zunächst auch Großfeldhandball gespielt. Nicht sieben Spieler wie heute, sondern gleich elf pro Team konnten sich auf dem Feld tummeln. Für eben diese Dimension mussten die Hausener Handballer ihr Feld auf dem »Alten Sportplatz« erweitern. Aufgrund des felsigen Untergrunds war das Ergebnis ein Gefälle von sechs Meter in der Breite, bis heute immer noch sichtbare drei Meter. Zu alldem bemerkt Katja Müller, dass sich selbst von solchen Widrigkeiten Hausener Handballer »vom Fuße des SchiffenBERGES« nicht aufhalten lassen. 1949 und 1950 konnten die erstmals die Kreismeisterschaften holen, nicht die letzten von rund 40 Titeln über die Jahrzehnte.

Frauenteam 1947 gegründet

Bereits 1947/48 gab es das erste Frauenteam. Tatsächlich wurde noch ein Spielerpass gefunden, der von Gustel Buchner, die ab 1. September 1946 für den TV spielberechtigt war. Damit war auch der Grundstein für die Laufbahn ihres später geborenen Sohn, der Hausener »Torwartlegende« Gerhard »Keule« Reitz, gelegt. Nach zwei Jahren Frauenhandball war wieder Pause, der Spielbetrieb wurde erst im Frühjahr 1956 auf dem Kleinfeld fortgesetzt. Erstes Spiel, der erste Erfolg mit 11:2 Toren wurde gefeiert, ist nachzulesen. Die Siege sollen im Vereinslokal »Jahneiche« mit Limonade für die Frauen belohnt worden sein, und der damalige Abteilungsleiter Karl-Otto Schlag erledigten mit einem Käfer Cabrio den Fahrdienst gerne.

1955, inmitten der Zeit des Kalten Krieges, wagten sich 13 Hausener Handballer sogar in die DDR nach Dresden. Sie verloren zwar haushoch im Rudolf-Harbig-Stadion gegen Einheit Dresden, aber die aufregende Erinnerung an die Begegnungen auf dieser Reise hatten Bestand.

Die allgemeine Begeisterung auch für den Handballsport mündete schließlich in den Bau des Sportheims, den noch Vorsitzender Heinz Fink im Jahr 1959 angestoßen hatte und der von seinem Nachfolger Wilhelm Müller am 12. Oktober 1963 vollendet wurde.

Der Jugendhandball hatte in all den Jahren ebenfalls eine große Bedeutung, ohne den die anschließenden Erfolge undenkbar gewesen wären. So berichtet Norbert Schlagdenhauffen in seinen Erinnerungen von Siegen bei Kreismeisterschaften unter Trainer Heinz Fink. Wurftraining gab es da oft in »Peffs« bekannter Feldscheune. In den 60ern ging es übrigens im feinen Zwirn zu den Auswärtsspielen, wird in einer Anekdote von Niko Bepler und Karl Wilhelm Wüst berichtet und mit Fotos dokumentiert.

Eine »Auferstehung« gab es im Frauenhandball ab 1969, wie Barbara Aff als damalige Kreispokalsiegerin 1978/79 schreibt. Frauen und Männer feierten gerne beim TV in Hausen, man machte »alkoholfreie« Ausflüge »zwischen den Jahren« und unternahm als »reiselustiges Völkchen« gerne Handballer-Reisen wie unter anderem 1970 nach Paris und in die Ramsau am Dachstein. Und auch Handball-Legenden wie Klaus Brand (der ältere Bruder von Heiner und Jochen Brand) mit der damaligen Spitzenmannschaft VfL Gummersbach fanden den Weg nach Pohlheim und erlebten in der »Nachspielzeit« im Vereinslokal »Zur Jahneiche« in Hausen gesellige Stunden.

Gründung der SG Pohlheim

In seinem Gastbeitrag geht der ehemalige Pohlheimer HSG-Vorsitzende, Horst-Günter Schmandt, auf ein besonderes Erfolgsprojekt des TV Hausen mit dem TV 07 Watzenborn-Steinberg mit der Gründung der Spielgemeinschaft (SG) Pohlheim ein. Die Hausener Wilhelm Müller und Walter Jost gemeinsam mit den Watzenborn-Steinbergern Willi Daschke und Otto Ludwig Happel ebneten damals den Weg zur Gründung der SG am 16. April 1983 im Sportheim, aus der später die HSG Pohlheim hervorging. Erster Trainer war übrigens dabei die Hausener Handball-Ikone Bernd Gregor.

Autoren und Bezugsquelle

Viele spannende Erzählungen aus der 90-jährigen Handball-Geschichte kann der Leser in den 35 Beiträgen als Zeitdokumente in der Veröffentlichung nachlesen. Die fleißigen Autoren Katja Müller, Barbara Aff, Matthias Weber, Norbert Schlagdenhauffen, Norbert Volk, Niko Bepler, Kurt Maier, Wilfried Schwarz, Karl Wilhelm Wüst und Horst-Günter Schmandt haben in den Archiven gegraben. Fotos steuerten neben ihnen noch Hanne Müller, Helmut Schepp, Veith Bekcer, Helmut, Karlheinz und Silke Jost, Sieglinde Tamm, Klaus Täubert und Gerhard Reitz bei. Bestellungen für »90 Jahre Hausener Handball - eine Erfolgsstory«nimmt Norbert Volk (Telefon: 0 174 / 19 56 007) entgegen. Jetzt hoffen die Hausener, dass es neben dem Buch auch eine verspätete Feier im Sommer geben kann. RGE

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