19. Januar 2021, 12:00 Uhr

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Yannis Grönke: Die Ziele sind klar gesteckt

Wenn man von jungen, talentierten Fußballern aus dem Sportkreis Gießen spricht, führt kein Weg an Yannis Grönke vorbei. Der Wiesecker nun beim Regionalligisten TSV Eintracht Stadtallendorf.
19. Januar 2021, 12:00 Uhr
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Von Mike Adams
Yannis Grönke gilt als eines der größten Talente im Fußballkreis Gießen. Derzeit steht er beim Regionalligisten TSV Eintracht Stadtallendorf unter Vertrag. FOTO: IMAGO

Die ersten Schritte in seiner Laufbahn machte Yannis Grönke bei den Bambini des TSV Rödgen. Nachdem man das Talent des jungen Kickers erkannte, wechselte Grönke im E-Junioren-Bereich zur TSG Wieseck. Dort spielte er bis zur U14. 2012 warf ihn eine schwere Krankheit aus der Bahn, sodass für Grönke neun Monate nicht an Fußball spielen zu denken war. Im Sommer 2015 wechselte er zum Stadtrivalen VfB 1900 Gießen. In dieser Zeit sammelte der Sportstudent viel Erfahrung in der Verbands- und in der Hessenliga. Grönke stieg mit seinen Teams der C- und B-Junioren zweimal in die Hessenliga auf und entschied sich 2018 wieder, zu seinem »Heimatverein« TSG Wieseck in die Hessenliga zu wechseln.

Durch den Kontakt vom Leiter des Jugendförderzentrums der TSG, Deniz Solmaz, wurde der TSV Eintracht Stadtallendorf auf den Linksfuß aufmerksam. In der Winterpause 2019 wechselte Yannis Grönke zum aktuellen Regionalligisten. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Grönke, wie waren die ersten Schritte nach Ihrem Wechsel zu Eintracht Stadtallendorf, und welche Unterschiede gibt es zwischen der A-Junioren-Hessenliga und den Senioren-Bereich?

Ich wurde von Beginn an super aufgenommen. Zudem war ich ja seit Sommer schon regelmäßig im Training in Stadtallendorf. Das Training und logischerweise auch das Spiel sind wesentlich schneller, und auch körperlicher als bei den A-Junioren. Ich hatte aber von Beginn an das Gefühl, dass ich mithalten kann.

Sie haben die kompletten Leistungsbereiche bei der TSG Wieseck und dem VfB 1900 Gießen durchlaufen. Hat sich der Aufwand und das Zurückstellen privater Dinge letztlich gelohnt?

Ja, würde ich auf jeden Fall noch einmal so machen. Ich hatte beide Sportplätze fast vor der Haustür, dadurch waren die Wege ins Training relativ entspannt - und Freizeit hatte ich auch noch genug. Da gab es viele Spieler, die haben 30 bis 60 Minuten Fahrtzeit ins Training auf sich genommen, um in Wieseck oder beim VfB 1900 zu spielen.

Was waren die schönsten Erlebnisse in Ihrer Juniorenzeit?

Auf jeden Fall mit dem VfB 1900 die beiden Meistertitel in den Verbandsligen sowie mit Wieseck und Gießen die tollen Teilnahmen am Cordial-Cup, einem internationalen Junioren-Turnier in Kitzbühel. Grandios war auch die Teilnahme mit der TSG Wieseck beim VW-Endrundenturnier in Wolfsburg 2014. Das Endspiel des VW-Cups fand im Stadion als Vorspiel der Bundesligapartie Wolfsburg gegen Freiburg statt - und wir unterlagen erst im Halbfinale dem FC Schalke 04 im Neunmeterschießen. Es war insgesamt eine schöne Zeit.

Sie haben ab den E-Junioren komplett in Leistungszentren wie Wieseck und Gießen gespielt. Was raten Sie jungen Talenten. Frühzeitig vom Heimatverein in Förderzentren zu wechseln oder eher später den Schritt zu machen und länger beim Heimatverein zu bleiben?

Ich würde jedem das auch so empfehlen, wie ich es gemacht habe. Man muss halt Bock darauf haben. Jeder hat seine eigenen Interessen dahinter. Wenn einer talentiert ist, aber lieber mit seinen Kumpels im Heimatverein spielen will, dann soll er das auch tun. Wenn man komplett dahintersteht, kann ich den Schritt in ein Leistungszentrum wie Gießen oder Wieseck nur empfehlen. Da kann man nichts verkehrt machen.

Ihr Vater Karsten Grönke ist hier im Kreis auch als Fußballer und Trainer bekannt. Er hat Sie durchgängig bis zur U17 trainiert. Man sagt, ab dem Leistungsbereich sollte der Vater den Sohn nicht mehr trainieren. War das für Sie ein Problem?

Ich würde schon sagen, das hat immer gut geklappt. Ich fand, in den drei Jahren in Gießen war es richtig gut. Das hat man ja auch mit den beiden Aufstiegen gesehen, da war auch die Harmonie zwischen uns wichtig. Außerdem hatte mein Vater ja Robert Majcen in beratender Tätigkeit dabei, sodass ich mich dann auch öfter mal mit Robert austauschen konnte. Trotzdem war ich dann irgendwann froh, dass er gesagt hat, dass er nicht mehr weitermacht. (Grönke lacht). Aber das war mit dem Schritt im ersten Jahr A-Junioren, als ich sowieso wieder zur TSG bin. Da habe ich mich gefreut, neue und andere Dinge kennenzulernen.

Robert Majcen, eine der wichtigsten Personen in Ihrer fußballerischen Laufbahn, sagt über Sie: »Yannis ist ein intelligenter Spieler und hat immense technische Fähigkeiten. Er weiß was er will, deswegen traue ich ihm auch die 3. Liga zu. Er ist einer der talentiertesten Spieler im Kreis Gießen.« Ein großes Kompliment von einem Fußballkenner, doch wo müssen Sie sich Ihrer Meinung nach noch verbessern?

Ja, das hört sich gut an. Ich kenne Robert schon sehr lange, da mein Vater und Robert schon früher in Wieseck zusammengearbeitet haben. Bei Fragen konnte ich immer zu ihm kommen, denn seine Meinung ist mir sehr wichtig. Verbessern will ich mich auf jeden Fall im athletischen Bereich. Das ist in dieser Klasse ganz wichtig. Aber auch auf meiner Position als linker Außenverteidiger will ich gerade im Abwehrverhalten immer wieder dazulernen, auch beim Kopfballspiel. Läuferisch will ich mich schnellstmöglich auf Regionalliga-Niveau anpassen.

Im Sommer 2020 wären Sie in den Seniorenbereich gekommen, Sie haben sich aber schon im Winter 2019 für den Wechsel zu Stadtallendorf entschieden. Der Plan war, in diesem halben Jahr schon mal in den Seniorenbereich reinzuschnuppern. Allerdings hat die Corona-Pandemie allen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die ersten sechs Spiele in der Regionalliga haben Sie dann nur auf der Bank gesessen. Haben Sie in dieser Zeit mal an diesem Projekt gezweifelt?

Ich hatte im letzten Spiel vor dem ersten Lockdown gegen Baunatal 90 Minuten spielen dürfen und habe auch in den Vorbereitungsspielen meine Spielzeiten bekommen. Und dann saß ich die ersten sechs Spiele in der neuen Saison auf der Bank. Nein, gezweifelt habe ich nicht, aber so eine Situation hatte ich in meinem Leben noch nicht, dass ich mehrere Spiele draußen war. Das war dann ein bisschen ungewohnt. Aber natürlich habe ich damit gerechnet, dass so was passieren kann. Das ist ja auch nicht tragisch, denn gerade ich, der aus dem Juniorenbereich kommt, muss ja auch erst mal reinkommen und mich an Tempo und alles gewöhnen. Und gerade in dieser Liga und in der Situation, in der wir uns befinden, da muss der Trainer schon genau überlegen, welchen Spieler er aufstellt. Ich war natürlich sehr erleichtert, als ich gegen Astoria Walldorf (10. Oktober 2020, Anm. d. Red.) spielen durfte. Danach habe ich dann vier Spiele über 90 Minuten gemacht und bin einmal verletzungsbedingt ausgewechselt worden. Da wir einen tollen Teamspirit haben und der Trainer uns immer wieder die Chance gibt, uns zu beweisen, weiß man, dass man auch von der Bank aus wichtig für die Mannschaft ist. Mein Ziel ist es, Stammspieler zu werden.

Als Gießener Junge stellt sich natürlich die Frage. Warum Eintracht Stadtallendorf und nicht der FC Gießen, der ja in der gleichen Liga beheimatet ist?

Ja. Im Frühjahr 2019 hatte Deniz Solmaz, Leiter des Jugendförderzentrums, diesen Kontakt hergestellt. Da durfte ich das erste Mal mittrainieren. Das habe ich dann nicht schlecht gemacht, sodass ich dann regelmäßig mittrainieren durfte. Das hat mir sehr gut gefallen, denn auch die Jungs haben mich in den Anfangseinheiten schon gut aufgenommen, zudem kannte ich schon einige Spieler. Als die Frage aufkam, wohin nach der Juniorenzeit, war es für mich relativ schnell klar, dass Stadtallendorf für mich infrage kommt. Einfach deswegen, weil sie sich frühzeitig gemeldet haben, weil ich oft dort mittrainiert habe und schon einen guten Kontakt zum Trainer hatte - und weil ich gemerkt habe, dass es der richtige Schritt ist. Der FC Gießen hatte mich auch einmal zum Training geladen, das war auch im Frühjahr 2019. Danach hat sich bis zum Herbst keiner mehr bei mir gemeldet. Der FC schrieb mich erst im November wieder an, doch da hatte ich Stadtallendorf schon fest zugesagt.

Was wünschen Sie sich für Ihre sportliche Zukunft?

Erst einmal wünsche ich mir, dass wir diese Corona-Pandemie schnellstmöglich gut überstehen. Ich wünsche mir, dass ich verletzungsfrei bleibe, mich bestmöglich weiterentwickeln kann und schaue einfach, wo meine Grenzen sind. Schön wäre es, wenn ich es schaffen könnte, noch ein oder zwei Ligen höher zu spielen. Das ist mein Ziel.



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