23. Oktober 2018, 12:00 Uhr

SV Ober-Mörlen

B-Liga-Trainer: »Der Fußball muss sich neu erfinden«

Andreas Dietel ist Trainer des SV Ober-Mörlen in der Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1. Das Ziel ist der Aufstieg, doch der ist schwierig. Dennoch hat sein Team Bedeutung für den ganzen Ort.
23. Oktober 2018, 12:00 Uhr
Andreas Dietel ist im sechsten Jahr Trainer des B-Ligisten SV Ober-Mörlen. (Foto: Nici Merz)

Der SV Ober-Mörlen ist ein gut funktionierender Verein. Schönes Sportgelände mit gleich zwei Rasenplätzen, zwei Mannschaften im Spielbetrieb, eine gute Jugendarbeit als JSG mit Steinfurth und Schwalheim. Doch mehr als die Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1, ist aktuell nicht drin – obwohl das Team um Trainer Andreas Dietel gerne an deutlich erfolgreichere Zeiten aus früheren Jahren anknüpfen würde.

Herr Dietel, ist der SV Ober-Mörlen Ihrer Meinung nach ein Fahrstuhlverein?

Andreas Dietel: Das ist leider so. Wir haben vor sechs Jahren einen Umbruch vollzogen und sind mit einem Haufen 17-Jähriger in die A-Liga aufgestiegen. Dort haben wir viel Lehrgeld bezahlt, sind wieder abgestiegen, zwei Jahre später als Meister erneut nach oben gegangen – und haben wieder Lehrgeld bezahlt. Wir haben gute Spieler, die das Niveau der A-Klasse haben, es aber nicht immer abrufen können. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die 17-Jährigen von damals heute auch erst 23 Jahre alt sind. Sie haben noch Probleme mit der größeren körperlichen Härte eine Liga weiter oben.

Erschwert die Tatsache, dass der SV Ober-Mörlen ein »Dorfverein« ist, das Projekt Kreisliga A Friedberg?

Dietel: Richtig ist, dass wir kein Geld für unsere Mannschaft ausgeben. Die Truppe ist gewachsen. Wir sind froh, dass wir sie haben, zumal wir keine Auswärtigen in der Mannschaft haben. Dass die Spieler fast ausschließlich aus der eigenen Jugend kommen, ist etwas, auf das wir einigermaßen stolz sind. Andere Vereine probieren es zwar immer wieder bei dem einen oder anderen Spieler, doch die Jungs wollen bleiben, was mir zeigt, dass die Gemeinschaft funktioniert. Sie wollen gemeinsam mit ihren Freunden Fußball spielen.

Für einen Verein wie unseren darf Erfolg außerdem nicht nur im sportlichen Bereich gemessen werden

Andreas Dietel

Andererseits dürften sicher nicht wenige in Ober-Mörlen »die guten alten Zeiten« in der Kreisoberliga mit Chancen nach noch weiter hoch herbeisehnen.

Dietel: Die Zeiten sind vorbei. Wer ein bisschen Geld hat, der kann in der Kreisoberliga mitspielen. Wer nicht, der wird sich nicht lange dort halten. Zudem ist es nicht mehr so, dass heute zu einem Derby 300 oder mehr Zuschauer kommen, wie es früher war. Der Fußball muss sich in dieser Hinsicht neu erfinden, zumindest in den unteren Klassen. Beim Handball in Mörlen sind ja auch 200 oder 300 Zuschauer in der Halle, in der Kreisoberliga muss das Wetter und alles andere schon stimmen, damit 150 kommen.

Wie sieht es in Sachen Jugendarbeit aus? Dort gibt es seit einigen Jahren die JSG Eintracht Oberhessen gemeinsam mit dem SV Steinfurth und dem SV Schwalheim?

Dietel: Wir haben in den vergangenen sechs Jahren ungefähr 20 bis 25 Spieler aus der Jugend bekommen. Irgendwann dazwischen kam die SG, aber auch dort funktioniert es überraschend gut. Bis zur F-Jugend sind wir noch eigenständig, danach spielen die Jungs in der JSG. Leider haben wir dieses Jahr keine B-Jugend. Ansonsten freut es mich aber, dass die JSG funktioniert, denn die Tendenz in diese Richtung ist ja seit Jahren klar. Als Trainer der Seniorenmannschaften muss man sich aber auch um die Jugend bemühen, etwa mal zu den Spielen fahren, damit der Kontakt nicht abreißt. Für einen Verein wie unseren darf Erfolg außerdem nicht nur im sportlichen Bereich gemessen werden. Man braucht auch Spieler für die zweite Mannschaft, zumal diese dem Verein später oft erhalten bleiben. Das versuche ich meinen Spielern auch immer zu sagen: Es geht um Werte und nicht nur um ein paar Euro.

Wie geben Sie diese Werte an die jungen Spieler weiter?

Dietel: Zum Beispiel sage ich ihnen, dass sie bei unseren Heimspielen die Zuschauer, die wir noch haben, mit Handschlag begrüßen sollen. Den älteren Leuten gefällt das und so versuche ich den Jungs, Respekt vor dem Alter und ihren Fans beizubringen. Wir sind ja froh, die Jungs zu haben, andererseits gehört manchmal auch dazu, sich zu überlegen, welche Verantwortung jeder für den Verein hat. Beim letzten Mal in der A-Liga war es aber so, dass der eine studiert, der andere ins Berufsleben startet, der dritte in den Urlaub fährt – und dann absagt. Das war früher anders und muss noch in die Köpfe rein.

Höhere Ziele als die A-Liga gibt es nicht, aber wir wollen aus dieser B-Klasse raus

Andreas Dietel

Welche Rolle spielen dabei die Veranstaltungen, die der Verein ausrichtet?

Dietel: Das fängt mit dem Vereinsheim an, dass wir vergangene Sommer fast ausschließlich in Eigenleistung renoviert haben. Das ist top geworden. Samstags und sonntags sowie unter der Woche abends ist zum Fußballgucken geöffnet. Darüber hinaus sind der 1. Mai, das Oktoberfest oder am Fasching große Veranstaltungen, die vom Dorf sehr gut angenommen werden. Wir müssen uns einfach überlegen, etwas anders als früher zu machen, anstatt nur zu jammern.

Würden Sie sich diesbezüglich mehr Unterstützung seitens der Politik wünschen?

Dietel: Auf jeden Fall. Gesellschaft und Politik unterstützen in meinen Augen das Vereinsleben allgemein zu wenig. Gerade die Ehrenamtlichen werden oft vergessen. Ich würde mir in diesem Bereich viel mehr Initiative wünschen.

Letzte Frage: Was muss sportlich beim SV Ober-Mörlen passieren?

Dietel: Der Aufstieg ist das klare Ziel, aber natürlich schläft die Konkurrenz auch nicht, zudem haben wir jetzt schon sechs Langzeitverletzte bis zum Winter. Ich erwarte letztlich einen Vierkampf zwischen uns, Schwalheim, SVP Fauerbach und Hoch-Weisel II. Ich weiß, dass meine Mannschaft dort mitspielen kann. Höhere Ziele als die A-Liga gibt es nicht, aber wir wollen aus dieser B-Klasse raus. Da ist meist wenig Esprit. Das macht auf lange Sicht keinen Spaß.

Info

Im Portrait: Andreas Dietel

Andreas Dietel ist bereits in jungen Jahren aus Frankfurt in die Wetterau gezogen. Vom SV Praunheim ging es deshalb zum SV Ober-Mörlen und nach einem Abstecher in die Jugend von Eintracht Frankfurt spielte er dort auch bei den Senioren. Mit 30 Jahren suchte er sich neue Herausforderungen: Als Spielertrainer der TuS Eschbach und des SVP Fauerbach blieb er bis zu seinem 47. Lebensjahr am Ball. Erst danach verlegte der heute 52-Jährige sich vollständig auf die Trainertätigkeit. Beim SV Ober-Mörlen geht er in dieser Saison nun in seine sechste Saison und hofft sich mit seiner Mannschaft mittelfristig in der Kreisliga A Friedberg etablieren zu können.

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