20. Dezember 2019, 20:00 Uhr

»Das war fantastisch«

Nico Kurz beeindruckt bei seinem WM-Debüt die Darts-Welt. Fast hätte der 22-jährige Nidderauer dabei ein seltenes Kunststück fertiggebracht. Nun steht er in der zweiten Runde - und mittlerweile ist ihm, dem Amateur, alles zuzutrauen.
20. Dezember 2019, 20:00 Uhr

Mit einem leichten Grinsen fasste sich Nico Kurz an den Hinterkopf. Was wäre das für eine Geschichte gewesen? Wäre dieser eine Dart in der Doppel-12 gelandet, hätte der Nidderauer die Schlagzeilen rund um die Darts-Weltmeisterschaft in London dominiert. Doch dieser eine Dart, der neunte nach zuvor acht perfekten Würfen im ersten Leg des dritten Satzes, landete in der einfachen Zwölf. Und so lautete die Schlagzeile am Mittwochabend nüchtern betrachtet: Nico Kurz aus Nidderau zieht nach einem 3:1-Sieg über den 47-jährigen Engländer James Wilson bei seinem WM-Debüt in die zweite Runde ein.

»Das war fantastisch. Die Fans waren unbeschreiblich. Ich habe mein erstes WM-Spiel genossen. Einfach geil«, sagte Kurz, dessen Antworten selten ausladend sind, beim TV-Sender Sport1, der sich in der Spitze über 670 000 Zuschauer freute. Wie verrückt dieser Neun-Darter des 22-Jährigen gewesen wäre, zeigt ein Blick auf die Historie des ungewöhnlichen Kunststücks. Bei der WM schafften es erst sieben Spieler, mit dem Minimum an möglichen Darts und einem abschließenden Wurf in ein Doppelfeld die 501 Punkte auf Null zu bringen. Zuletzt gelang es dem Schotten Gary Anderson am 2. Januar 2016, damals im Halbfinale gegen Jelle Klassen. Es war ebenfalls der zweifache Weltmeister, der am 26. Juli 2018 beim World Matchplay den bis dato letzten Neun-Darter vor laufenden TV-Kameras auspackte. »Ich war vor dem letzten Wurf relativ locker. Natürlich hätte ich ihn gerne reingeworfen«, sagte Kurz mit einem Lächeln. Immerhin hätte ihm die Doppel-12 ad hoc 20 000 Pfund Preisgeld gebracht. Zusätzlich zu den nun 15 000 Pfund für den Einzug in die Runde der letzten 64.

Dass Kurz im Juli dieses Jahres Anderson bei einem World-Series-Event in Köln sensationell bezwang, war schon ein Fingerzeig darauf, dass mit dem jungen Mann in Zukunft zu rechnen ist. Am vergangenen Mittwoch bestätigte der Amateur, der Vollzeit bei den Stadtwerken seiner Geburtsstadt Hanau arbeitet, diese Annahme bei seinem Erstrundensieg über den deutlich erfahreneren Wilson. Total fokussiert und abgebrüht überrollte der Debütant die Nummer 36 der Weltrangliste.

Selbst als es mit dem Neun-Darter nicht klappte, im Anschluss Wilson plötzlich Sicherheit in seinem Spiel fand und den dritten Satz zum 1:2-Anschluss gewann, ließ sich Kurz nicht aus dem Konzept bringen - eine Qualität, die im Darts wichtig ist, wenn man weit kommen will. Vor allem vor den verrückten Fans im »Ally Pally«. Am Abend vor seinem ersten Auftritt war er mit seiner Freundin und zwei Kumpels erstmals in der heiligen Darts-Halle, sog die Atmosphäre auf und machte sich mit der Umgebung vertraut.

Obwohl sein Gegner im vierten Satz den Vorteil der ersten Aufnahme hatte, nahm Kurz dem Engländer zwei Mal das Leg ab und brachte seinen Anwurf durch. Vor allem bei den abschließenden Würfen auf die Doppelfelder zeigte Kurz kaum Nerven. Starke 47 Prozent (10 von 21) seiner Würfe auf den acht Millimeter schmalen äußeren Ring der Dartscheibe landeten bei Kurz im Ziel, bei Wilson waren es nur vier - bei 23 Versuchen.

Gegen den an Position 15 gesetzten Joe Cullen (England) braucht Kurz, der ganz nebenbei noch beim Fußball-B-Ligisten FC Karben II in der Mannschaftsliste steht, nun in der zweiten Runde am heutigen Abend (21 Uhr/live auf Sport1 und DAZN) eine ähnliche Leistung. Spätestens seit Mittwochabend weiß die Darts-Welt aber: dem 22-jährigen Darts-Amateur aus Nidderau ist alles zuzutrauen.

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