29. Juni 2019, 10:00 Uhr

Top-Klubs der Region

EC Bad Nauheim: Der ewige Kampf um Sponsoren

Jahr für Jahr einen Etat von einer oder mehreren Millionen Euro aufzustellen, ist für die mittelhessischen Topklubs jedes Mal eine große Herausforderung; auch für den EC Bad Nauheim.
29. Juni 2019, 10:00 Uhr
Daniel Stiefenhofer ist Eishockey-Profi beim EC Bad Nauheim. In Mittelhessen konkurrieren die Roten Teufel mit weiteren Profiklub um Werbepartner und Gelder. (Foto: A. Chuc (https://chuc.de))

EC Bad Nauheim


Ob Eishockey, Basketball, Handball oder Fußball: Die Anforderungen an die Klubs steigen von Saison zu Saison. Die Ligen erhöhen ihre Standards, und die Klubs müssen mithalten, um nicht den Anschluss verlieren. Einige mittelhessische Sponsoren, die über Jahrzehnte hinweg geholfen haben, haben ihre Unterstützung sukzessive zurückgefahren. Andere steigen ein. Letztlich kämpfen viele Vereine um ein Stück vom Sponsoren-Kuchen. - Eine Bestandsaufnahme:

EC Bad Nauheim: Die Roten Teufel haben im Bereich Sponsoring im Vorjahr (acht Prozent Wachstum) erstmals die Millionen-Marke geknackt. Im Gesamtetat macht das Sponsoring rund 45 Prozent aus. Das ist im Verhältnis zu den Zuschauereinnahmen bereits eine deutliche Verbesserung gegenüber der Zweitliga-Debüt-Saison, doch wird zumindest eine 60-Prozent-Quote angepeilt, um mit diesen fixen Einnahmen besser planen zu können. Im Vergleich der DEL 2-Klubs bewegt sich der EC Bad Nauheim im Bereich Sponsoreneinnahmen sowie im Gesamtetat um die Positionen neun und zehn herum.

»Sponsoring ist heute die wichtigste Säule in einem Etat, weil es wie Dauerkarten fix planbare Einnahmen sind«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH. In der Region Mittelhessen buhlen viele Sport- und kulturtreibende Vereine um Unterstützer - Richtung Frankfurt wird die Dichte noch größer. Entsprechend findet hier auch ein Verdrängungswettbewerb der hier stattfindet. »Die Region hat nur ein gewisses Potenzial für Sport-Sponsorings, und diese Unternehmen gilt es mit innovativen, kreativen Ideen zu überzeugen. Die Zeiten, in denen einfach nur eine Bande gekauft wurde, sind vorbei. Heute muss ein Partner umfangreich und bestmöglich begleitet und betreut werden - dazu benötigt man Personal«, sagt Ortwein, der seit mehr als zehn Jahren - mit kurzer Unterbrechung - die kaufmännische Verantwortung trägt.

Rund 180 Partner unterstützen Eishockey in der Wetterau und bieten den Roten Teufeln eine breite Basis. »Wachstum ist aufgrund stetig steigender Kosten in allen Bereichen des Spielbetriebes abdingbar. Da in unserem aktuellen Stadion in vielen Bereichen aber Grenzen bestehen, vereinbaren wir mit unseren Partnern seit zwei Jahren jährlich eine moderate Erhöhung«, sagt Ortwein. Man müsse aber auch sehen, dass Partnern auch Grenzen gesetzt sind bei ihren Budgets, dass es Phasen gebe, in denen ein Werbepartner mehr auf sein Unternehmen schauen müsse, als er den EC unterstützen könne. »Dafür bekommen wir dadurch immer auch mal die eine oder andere Fläche frei zur Vermarktung. Mittelfristig benötigen wir aber eine neue Arena, um das Wachstum voran zu treiben. Wir benötigen mehr VIP-Flächen und andere moderner Medien-und Vermarktungs-Techniken um weitere neue Partner zu akquirieren. Sonst wird es schwer, die DEL2 zu halten.«

Gießen 46ers: »Wir sind jedes Jahr dazu verdammt, in einer Größenordnung von 20 bis 30 Prozent Neukunden zu akquirieren«, sagt 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg - und verschafft somit einen Einblick in das Tun im wirtschaftlichen Bereich. Die Basketballer von der Lahn haben drei Einnahmequellen: Sponsoring, Zuschauererlöse und Merchandising. »Die elementar wichtigste Säule ist für uns das Sponsoring«, so Schelberg, der diese Geldquelle mit rund 75 Prozent auf den Gesamtetat beziffert. Aktuell haben die 46ers schon einen Teil des Nachweises erbracht, den von der BBL erstmals vorgeschriebenen Mindestetat von drei Millionen Euro an zwei Stichtagen vertraglich nachzuweisen. Schelberg erklärt, dass sich die Gießen 46ers diesbezüglich schon zur Decke strecken müssen, aber er ist auch zuversichtlich, dass alle Auflagen erfüllt werden.

Insgesamt betrachtet sind die Bundesliga-Basketballer aus Gießen in Bezug auf Partner breit aufgestellt. »Wir haben über 260 Sponsoren auf unserer Seite«, konstatiert Schelberg.

Das sei von enormer Bedeutung und die große Kunst, nicht nur von ein paar wenigen Unterstützern abhängig zu sein. Die Gießen 46ers haben noch ein großes Pfund in der Hinterhand - das Namenssponsoring. »Wir sind mit einigen Unternehmen in sehr intensiven Gesprächen«, bestätigt der 46ers-Chef, der das große Pfund aber nicht unter Wert verkaufen wird.

HSG Wetzlar: Schon vor zwei Jahren verdeutlichten die HSG-Verantwortlichen um Geschäftsführer Björn Seipp ihren Partnern, dass sich der Etat des mittelhessischen Erstligisten von vier Millionen Euro in der stärksten Handball-Liga der Welt erhöhen muss, um langfristig mitspielen zu können. »Mit diesen vier Millionen stehen wir zurzeit in der Etat-Tabelle der Liga auf Platz 14, und es wird in Zukunft sicherlich nicht einfacher werden«, sagt Seipp, der zur kommenden Saison mit 4,2 Millionen plant. Wie fast alle Spitzenklubs leben die HSG-Handballer sponsormäßig vom Mittelstand der Region.

Der größte Teil der Sponsoren liege mit seinem Engagement bei ungefähr 10 000 Euro. Die HSG habe das Glück, dass die Leute in der Region das Produkt HSG Wetzlar mit der Rittal-Arena zum Teil unabhängig von sportlichen Ergebnissen werten und einfach dabei sein möchten. Dennoch müsse man bei den bestehenden Partnern und möglichen neuen viel Überzeugungsarbeit leisten, dass man sich weiterentwickeln muss, damit man weiterhin über erste Handball-Bundesliga in Wetzlar sprechen kann. Klubs, die um die internationalen Plätze mitspielen wollen, haben mindestens einen Etat von sieben bis neun Millionen Euro.

m einen Topspieler zu bekommen, geht es nach Seipps Ansicht um einen fünfstelligen Nettobetrag im Monat, den man investieren muss. »Das verdient bei uns niemand, nicht annähernd.« Für die HSG gehe es darum, wirtschaftlich Anschluss ans Mittelfeld zu halten. Dass »Licher« sich als Hauptsponsor verabschiedet hat, tue natürlich weh. »Aber ich habe dafür vollstes Verständnis. Das ist keine Kritik: Jeder macht, was er kann und darf«, sagt Seipp.

FC Gießen: Obwohl die mittelhessische Region um die Gunst der Sponsoren hart umkämpft ist, sieht Dirk Schäfer »da draußen Potenzial ohne Ende«. Der Leiter Marketing und Vertrieb, der erst seit ein paar Monaten beim Fußball-Regionalligisten tätig ist, aber in den Jahren zuvor in gleicher Position bei den 46ers, dem RSV, den Licher BasketBären und beim EC Bad Nauheim gearbeitet hat, schaut mit viel Optimismus in die Zukunft seines neuen Klubs. Der Etat rein für die Fußball-Regionalliga-Mannschaft wird mit 1,1 Millionen Euro beziffert.

Schäfer hat aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit festgestellt, dass das Sponsorenklientel beim Basketball in großen Teilen ein anderes als im Fußball ist. Es gebe zwar im Sponsorenkreis schon einmal Überschneidungen, aber eine gegenseitiges Wehtun nicht.

berhaupt sei der Andrang an neuen Partnern groß. »Ich komme manchmal gar nicht hinterher«, sagt Schäfer, der sich schon personelle Verstärkung ins Office geholt hat. Der FC Gießen ist dabei, die Sponsorenbasis zu verbreitern, so dass Geschäftsführer Jörg Fischer nicht immer mal wieder aus der privaten Kasse nachschießen muss.

Im Hinblick auf die neue Saison wird der FC die Sponsorenpyramide anders aufbrechen: Unten an der Basis gibt es den Bronze-Partner, der sich bis zum Gold-Partner erhöht, dann folgt der Premium-Partner und ganz oben auf der Spitze sitzt der Exklusiv-Partner. In Zahlen ausgedrückt: 10 000 Euro sind im Silber-Segment angesiedelt, 25 000 im Gold-Bereich und 50 000 im Premium-Sektor. Exklusiv ist man ab einer sechsstelligen Summe unterwegs. Natürlich gibt es beim FC Gießen auch ein Mikro-Sponsoring.

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