09. Oktober 2018, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Mit Effizienz, Disziplin und Körpersprache zum Sechs-Punkte-Wochenende

Der EC Bad Nauheim hat ein Sechs-Punkte-Wochenende gefeiert - ausgerechnet dann, als niemand damit gerechnet hatte. Die Mannschaft wirkt wie verwandelt. Trotzdem bleibt eine Baustelle.
09. Oktober 2018, 07:00 Uhr

Von Michael Nickolaus , 1 Kommentar
Doppeltorschütze beim 7:4-Erfolg des EC Bad Nauheim gegen Ravensburg: Andrej Bires. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim


Andrej Bires kam in wenigen Worten auf den Punkt. »Heute haben wir gute Laune. Ein Sechs-Punkte-Wochenende: Was wollen wir mehr«, fragte der Doppeltorschütze vom Sonntag mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ausgerechnet gegen Frankfurt, ausgerechnet gegen die bis dato ungeschlagene Mannschaft aus Ravensburg, gegen zwei der Topklubs der Deutschen Eishockey-Liga 2, hat sich der EC Bad Nauheim aus den stimmungsdrückenden ersten Saisonwochen befreit. Statt Pfiffen, wie vereinzelt am Dienstag nach der Niederlage gegen Kaufbeuren zu hören, gab’s nun fünf Tage später nach dem bislang lustvollsten Heimauftritt der Saison 2018/19 stehende Ovationen. Als Krisenklubs gelten nun andere. Kassel und Heilbronn etwa nach jeweils drei Niederlagen in Serie und die so hoch gehandelten Dresdner Eislöwen als Schlusslicht sowieso.

Effizienz, Disziplin, Körpersprache - die Mannschaft war am Wochenende nicht wiederzuerkennen. Kleinigkeiten habe man verändert, erklärt Christof Kreutzer, der Trainer, ohne im Detail darauf einzugehen. »Die Jungs haben sehr viel investiert und sind dafür belohnt worden«, sagt der Übungsleiter, der den trainingsfreien Montag zu einem Abstecher in seine Heimat Düsseldorf genutzt hat. Der Derby-Erfolg vom Freitag habe sicherlich für Sonntag einen Schub gegeben. »Wenn wir spielen wie in Frankfurt, dann sind wir in jeder Partie in einer guten Position«, sagte Cody Sylvester. Der Kanadier, im Vorjahr Topscorer, zeigte sich am Wochenende erstmals so, wie man sich das von ihm erwartet hatte. Als Führungsspieler, als einer, der voran geht, der den Unterschied ausmachen kann. Während der vor allem im zweiten Drittel am Freitag kritischen Unterzahl-Situationen schien er überhaupt nicht mehr vom Eis gehen zu wollen, offensiv hat er in den letzten fünf Spielen jeweils getroffen - und trägt inzwischen auch den Goldhelm. »Wenn dich so viele Leute auswärts unterstützen, dann treibt das natürlich enorm an. Dazu kam die frühe Führung.« Es gelte jetzt, das Positive mitzunehmen.

EC Bad Nauheim: Im fünften Heimspiel schon zum dritten Mal wenigert als 2000 Zuschauer

Das ist der Mannschaft gelungen; ein Zwölf-Tore-Spektakel mit Happy End wurde den Zuschauern am Sonntag geboten. Bedenklich allerdings: Im fünften Heimspiel blieb man zum dritten Mal bereits deutlich unter der Marke von 2000 Zuschauern. Das kann man aus den vergangenen DEL 2-Jahren so nicht; trotz der (Herbst-)Ferienzeit. Mit dem Sieg gegen Ravensburg haben »wir uns endlich belohnt«, sagt Bires. Die »Disziplin« sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Mit schnellem Umschaltspiel waren die Roten Teufel immer wieder gefährlich. Seinen richtungsweisenden Doppelschlag, den er mit enormen Antritt eingeleitet hatte, wollte er nicht überbewerten. »Ich habe auch ein bisschen Glück gehabt.«

Die Begeisterung über das Wochenende, das die Roten Teufel - zum zweiten Mal erst in der Saison - unter die Top Ten gespült hatte, darf den Blick auf die Baustelle im Kader, sprich: die Torwart-Position, nicht verstellen. Die derzeit einzige Konstante heißt Jan Guryca. Wie lange Jonathan Boutin aufgrund einer Gehirnerschütterung ausfällt, ist nicht zu prognostizieren. In den kommenden beiden Wochen ist zumindest nicht mit einer Rückkehr in den Trainingsbetrieb zu rechnen. Förderlizenzspieler Florian Proske, der genauso schnell verschwunden ist, wie er wenige Tage zuvor gekommen war, hat sich mit seiner eigeninitiierten Abreise beim EC Bad Nauheim selbst ins Abseits gestellt, und Einsätze von Hendrik Hane sind nicht dauerhaft und kontinuierlich planbar. Der 18-Jährige ist einerseits Stammtorwart der DNL-Mannschaft der Düsseldorfer EG (aktuell Tabellenletzter) und obendrein noch einen Winter lang schulisch an die Landeshauptstadt gebunden, was gerade die Reisen zu Auswärtsspielen erschwert. Immerhin: Am Freitag beginnen in Nordrhein-Westfalen die Ferien. Das gibt den Roten Teufel zumindest 14 Tage Zeit, um Optionen für die Wochen danach zu prüfen.

Info

Derby-Deske Matchwinner

Geschichte wiederholt sich! Am 27. Januar 2013 hatte der EC Bad Nauheim das Derby gegen die Löwen Frankfurt schon einmal mit seinem Nummer-zwei-Torwart bestritten; und ebenfalls gewonnen. Vor 4400 Zuschauern stand der damals gerade 18-Jährige Niklas Deske zwischen den Pfosten und war nach einem 6:6-Zwischenstand nach 65 Minuten im Penaltyschießen nicht zu bezwingen. Spätestens seit seiner Parade gegen Ex-Teufel Lanny Gare, der stets traumhaft sicher verwandeln konnte, ist Niklas Deske in Bad Nauheim als »Derby-Deske« unvergessen. Heute steht Deske beim Oberligisten Selb unter Vertrag.

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