Lokalsport

»Für Marie alles Mögliche tun«

Der 14. April 2014 hat das Leben von Tischtennis-Profi Ruwen Filus und Frau Verena aus Florstadt dramatisch verändert. Tochter Marie kommt auf die Welt, nach Komplikationen bei der Geburt ist sie körperlich und geistig schwerstbehindert. Marie hat sich seither besser entwickelt als von den Ärzten erwartet. Der nächste Schritt: eine Delfintherapie. Doch diese kostet sehr viel Geld.
23. Dezember 2016, 23:06 Uhr
Michael Wiener
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Sie lassen sich die Lebensfreude nicht nehmen: Ruwen, Marie und Verena Filus. (F.: privat)
Ruwen und Verena wollen alle Therapien und Behandlungen ausschöpfen, um ihrer Tochter zu einem so selbstbestimmten Leben wie möglich zu verhelfen. Dazu soll unter anderem eine Delfintherapie in der Karibik beitragen. Dabei hofft die Familie auf Unterstützung (siehe Kasten).
Es folgten Reanimierung, künstliches Koma, keine Hirnaktivität. Es sind qualvolle Stunden für das junge Ehepaar. Wird Marie es schaffen? »Wir waren uns immer sicher, dass sie durchkommt. Deswegen haben wir auch eine Nottaufe abgelehnt«, erzählt Filus. Marie überlebt, doch die Diagnosen und Prognosen sind niederschmetternd. Kein Krabbeln und Sitzen, kein Sprechen, Sehen und Hören, kein selbstständiges Essen und Trinken, keine Wahrnehmung. »Der Tragweite ist man sich erstmal gar nicht bewusst. Am Anfang hat man noch Hoffnung, dass es doch nicht so kommt. Man muss sich natürlich irgendwann der Realität stellen. Seither versuchen wir natürlich, alles Mögliche für sie zu tun«, erzählt Filus. Seit ihrem Geburtstag hat sich Marie jedoch besser entwickelt als vorausgesagt. »Sie lacht viel mit uns, rollt sich durch unsere Wohnung und nimmt ihre Umgebung wahr. Außerdem braucht sie keine künstliche Ernährung«. Marie ist eine Kämpferin. Ihre Eltern hadern nur ganz selten mit dem Schicksal; sie versuchen, stets positiv zu denken und ihrer Tochter Lebensfreude zu vermitteln. »Das ist wichtig für sie.«
»Tischtennis leidet da sicherlich drunter. Man kann mal ein paar Wochen mit weniger Training kompensieren, aber auf Dauer ist das schwierig«, sagt er. Zwar erreichte er im vergangenen Jahr mit Rang 32 seine beste Weltranglistenplatzierung, mittlerweile ist er aber etwas abgerutscht. Dennoch befindet er sich im nationalen Vergleich hinter den Spitzenspielern Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov mit drei, vier Deutschen auf einem Niveau. »Für die WM im nächsten Jahr in Düsseldorf gibt es sechs Startplätze für uns. Da möchte ich auf jeden Fall dabei sein«, sagt der Akteur des TTC Fulda-Maberzell, der mit seinem Team zur Bundesliga-Halbzeit auf Playoff-Kurs liegt und mit seiner Leistung bis dato zufrieden ist. »Nur das Pokalaus im Viertelfinale hat uns geärgert«, in diesem Wettbewerb waren die Osthessen in den vergangenen Jahren ebenso wie in der Liga Dauergast im Halbfinale.
»Das ist für mich selbstverständlich.« Bei der Delfintherapie wird er dabei sein, sie findet extra erst nach dem Saisonende statt. »Hier sollen ihre spastischen Muster gelöst werden, die kognitive Entwicklung sowie Fein- und Grobmotorik verbessert werden«, hofft der Abwehrspezialist an der Platte, der nun ein paar ruhige Tage im Kreise der Familie genießt. Danach geht’s rein in ein aufregendes Jahr 2017 – sportlich mit der Heim-WM, aber in erster Linie natürlich mit wichtigen Therapien für seine Tochter Marie.

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