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Hausbesuch bei EC-Spieler Dustin Sylvester: Der Topscorer privat

Dustin Sylvester ist der Topscorer des EC Bad Nauheim. Beim WZ-Besuch gewährt der 30-jährige Stürmer sehr persönliche Einblicke in sein Leben als Sportler und Familienvater.
08. März 2019, 12:00 Uhr
Michael Nickolaus
Der Topscorer des EC Bad Nauheim mit seiner Familie: Dustin Sylvester, seine Frau Sam und Töchterchen Hayden. (Foto: pv)
Der Topscorer des EC Bad Nauheim mit seiner Familie: Dustin Sylvester, seine Frau Sam und Töchterchen Hayden. (Foto: pv)

Usinger Straße, eine Drei-Zimmer-Wohnung im ersten Stock. Hier, in der Altstadt von Bad Nauheim, wohnt Dustin Sylvester (lesen Sie hier das Interview zum Hausbesuch). Nah zum Zentrum, nah zum Colonel-Knight-Stadion – seinem Arbeitsplatz. Der Eishockey-Profi ist das Topscorer der Roten Teufel. Mit solch großen Erwartungen war seine Verpflichtung verknüpft worden. Die Plus/Minus-Statistik sei ein »bisschen frustrierend«, sagt Sylvester. »Aber ich denke, ich spiele eine ganz gute Saison. Und das geht nur, wenn man gute Nebenleute, wenn das Team Erfolg hat. Ich hoffe, wir können noch ein bisschen auf dieser Welle reiten


EC Bad Nauheim: Dustin Sylvester bekam die Liebe zum Eishockey in die Wiege gelegt

Hockey, Hockey, Hockey - Schlittschuhe, Schläger und Puck haben das Leben von Dustin Sylvester seit jeher bestimmt. »Seit ich denken kann.« Vater und (!) Mutter sind dem Eishockey verbunden, wie das in Kanada eben so ist. Noch blutjung, als 20-Jähriger, kam der Mittelstürmer nach Deutschland, nach Freiburg. Mit 34 Treffern führte er die Torschützenliste der 2. Bundesliga an. Der Weg führte zurück nach Nordamerika, nun nach Abbotsford, einem Klub der American Hockey League. Den Traum von Ruf der NHL, eine Profikarriere hatte er immer im Kopf. Einen Plan B, ein Studium beispielsweise, gab es nicht. Vielleicht war in jungen Jahren die Ungeduld groß. Als 23-Jähriger entschied sich der Linksschütze, seine Karriere in Europa fortzusetzen. »Natürlich fragt man sich, was vielleicht noch gekommen wäre. Aber rückblickend möchte ich auch nicht tauschen. Ich hatte hier bislang eine wundervolle Zeit.«

Zwei Jahre spielte Sylvester in Wien, erreichte einmal das Finale der EBEL, der multinationalen Alpenliga. Chancenlos waren die Hauptstädter gegen Salzburg. »Die Niederlage war enttäuschend, auch wenn uns niemand überhaupt im Finale erwartet hatte.« Über Dornbirn (»eine wunderschöne Gegend, die mich mit ihren Bergen und Seen an zu Hause erinnert«) folgte er im vergangene Jahr seinem jüngeren Bruder Cody nach Bad Nauheim. »Eine Eishockey-Stadt.« Die Leidenschaft, die sich in den Heimspielen auf das Eis übertrage, sei »unglaublich«. Er selbst ist – mit einigen Wochen Anlauf – in der Liga angekommen. »Dustin ist der Motor im Team und einer der Gründe für den Erfolg. Er ist einer, der vorangeht, auch im Training«, sagt Christof Kreutzer, der Coach. Seine Tore und Vorlagen hieven ihn in der DEL 2-Scorerliste bis auf Rang drei. Sechs Treffer - ebenso wie Cody - erzielte er gar in Unterzahl. »Wir ticken gleich, wissen, wann der andere anzieht - und wir sind beide schnell«, sagt Dustin. Dass das Brüderpaar nur in Unterzahl, nicht aber in einer Reihe funktioniere, will er so nicht stehen lassen. »Ja, ich habe gehört, dass die Leute so denken. Darüber muss ich schmunzeln. Alles braucht seine Zeit. Wir haben auch in Dornbirn nicht zusammen gespielt.«


EC Bad Nauheim: Wie die Geburt von Tochter Haydan das Leben von Dustin Sylvester auf den Kopf gestellt hat

Seit sechs Jahren an Dustins Seite: Sam, seine Frau. »Ihr Leben steht quasi fünf Monate still, damit ich Eishockeyspielen kann. Das kann ich gar nicht genug wertschätzen.« Wie Dustin ist Sam in Kelowna groß geworden, am Lake Okanagan, der die Menschen aus der kanadischen Provinz British Columba im Sommer anlockt. Mit dem Boot sei er gerne draußen, verrät Dustin Sylvester, Barbecue mit Freunden, Golfen, campen, seien seine Hobbys. Oder Reisen, nach Hawaii, Las Vegas oder Mexiko. Irgendwann soll es nach Neuseeland gehen, dort ist die Schwiegerfamilie verwurzelt. »Es muss dort traumhaft sein.«

Vor eineinhalb Jahren sind die Sylvesters Eltern geworden - und Töchterchen Hayden bestimmt seitdem Rhythmus und Abläufe. »Sie hat unser Leben verändert. Ihr zuzusehen, wie sie jeden Tag die Welt entdeckt: Es gibt nichts Schöneres.« Onkel Cody schaut gerne mal vorbei (»Sie liebt ihn«), aus den Vermietern Anna und Uwe seien längst Freunde geworden. In der Freizeit gehen die Sylvesters gerne auf Entdeckungsreise; ob das Schloss in Heidelberg oder das Kolosseum in Rom. »Eine solche Historie haben wir zu Hause nicht«, sagt er.


EC Bad Nauheim: Dustin Sylvester glaubt an die Kraft des Colonel-Knight-Stadions in den Playoffs

Für die Zeit »danach« gebe es noch keinen Plan. Feuerwehrmann habe er einst werden wollen, sagt Dustin Sylvester. Irgendetwas werde sich ergeben; und es müsse nicht zwangsläufig mit Sport zu tun haben. Jetzt gelte es erst einmal, die Playoffs zu spielen. »Ich glaube, kein Gegner spielt gerne in Bad Nauheim.« Wegen dem Stadion, aber auch wegen der Fans, »die wie ein sechster Mann hinter uns stehen. Ich hoffe, die können die Saison noch ein bisschen in die Länge ziehen.«

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