15. November 2018, 12:00 Uhr

Frankfurt Löwen

Löwen-Gesellschafter: »Jeder sehnt sich nach der DEL«

Nach fast 15 Jahren wird es zwischen den beiden ersten deutschen Eishockey-Ligen wieder Auf- und Absteiger geben. Einer der ersten Anwärter auf den Sprung aus der DEL 2 in die DEL sind die Löwen Frankfurt.
15. November 2018, 12:00 Uhr
Die beiden Löwen-Gesellschafter Andreas Stracke (l./Marketing) und Stefan Krämer (Geschäftsführender Gesellschafter) wollen in Frankfurt die Zeiten des Erstliga-Eishockey zurückholen. Dabei helfen soll eine neue Multifunktionsarena am Kaiserlei. (Foto: Storch)

Kommende Woche Freitag sind sie zum zweiten Derby in der Deutschen Eishockey-Liga 2 zu Gast beim EC Bad Nauheim: die Löwen aus Frankfurt. Trotz des sensationellen 4:3-Erfolges der Roten Teufel beim ersten Aufeinandertreffen der Saison, sind die Rollen zwischen den beiden Teams seit Jahren verteilt: Bad Nauheim hat die längere Tradition, die Frankfurter den größeren Geldbeutel. Deshalb wird am Main bereits von einer neuen Halle und dem Aufstieg in die DEL geträumt – und damit vom Anknüpfen an ruhmreiche Zeiten der Frankfurt Lions. Die Löwen-Gesellschafter Stefan Krämer und Andreas Stracke erklären im Interview unter anderem, warum die neue Halle und der neuerdings mögliche DEL-Aufstieg so wichtig sind für die Zukunft des Frankfurter Eishockey-Zweitligisten, aber auch was das Fundament von allem ist.

Am Sonntag vor der Länderspielpause wurde im Heimspiel gegen Dresden die Million vollgemacht: So viele Besucher sind seit dem Neustart der Frankfurter Löwen vor acht Jahren in die Eissporthalle gekommen. Sind Sie stolz auf diese Zahl?

Andreas Stracke: Vor allem war das ein schöner Anlass, den Fans »Danke« zu sagen. Man sieht, was wir für eine tolle Sportart haben und wie emotional die Plattform Eishockey ist. Wenn wir weiter zurückgehen, bis zur Gründung der Lions 1991, sind wir insgesamt bei 5,5 Millionen Besuchern. Wir zählen auch jede Saison einzeln und feiern zwischendurch den 100 000. Zuschauer. So viele hat außer der Eintracht kein anderer Frankfurter Club, da muss man unsere Fans wirklich würdigen.

Wie würden Sie die Bedeutung der Fans für die Löwen beschreiben?

Stracke: Die Fans sind das Fundament des Frankfurter Eishockeys. Das war schon 2010 so, als wir nach der Insolvenz der Lions mit den Löwen in der vierten Klasse neu angefangen haben. So viele Fans, die regelmäßig kommen, waren ein Faustpfand. Wir haben seither stabil um die 1800 Dauerkarteninhaber. Die treffen sich jede Woche bei uns, sitzen im Freundeskreis zusammen. Das macht die Löwen aus. Wenn man bis 1991 zurückblickt, sind das schon ganz schön viele Generationen, die das berührt. Das kommunizieren wir auch an die Spieler. Wir leben das so, dass wir familiär sind, dass wir nahbar sind. Der Schulterschluss mit den Fans ist das A und O. Wenn man sieht, wie sich Mike Fischer nach seinem 4:0 in Kassel zuerst zum Fanblock hindreht und dann erst mit seinen Mannschaftskollegen jubelt, ist das ein Zeichen für den engen Kontakt.

Unser Ziel muss sein, ass wir die erste Gelegenheit ergreifen, die sich bietet, in die erste Liga zu gehen

Stefan Krämer

Sind Sie auch zufrieden mit der Resonanz in dieser Saison?

Stracke: Die Stimmung ist überragend. Wobei man auch sagen muss, dass die neue Saison sportlich gut gestartet ist, das gehört mit dazu. Wir haben kreative Fans, die Rituale werden gepflegt. Die Zuschauerzahlen sind sehr stabil. Ich glaube sogar, sie wachsen ein bisschen. Obwohl wir dieses Jahr einen langen Sommer hatten, der gefühlt immer noch nicht vorbei ist, und immer noch mehr Leute in die Eissporthalle kommen, wenn es kalt wird. Trotzdem haben wir 4500 Zuschauer im Schnitt, und es wird noch mehr werden.

Wie wichtig ist die Chance, irgendwann wieder erstklassiges Eishockey sehen zu können, für die Fans?

Krämer: Es sehnt sich schon jeder nach der DEL. Das muss auch unser Ziel sein: Dass wir die erste Gelegenheit ergreifen, die sich bietet, in die erste Liga zu gehen. Aber der Sport, der in der DEL 2 geboten wird, ist auch sehr attraktiv. Wenn du nicht 100 Prozent konzentriert bis, kannst du auch gegen den Tabellenletzten verlieren. Wir fühlen uns sehr wohl in der zweiten Liga, gerade mit den zwei hessischen Derbys. Aber um die Marke Löwen Frankfurt weiterzuentwickeln, brauchen wir den Aufstieg, der ab 2020/2021 ausgespielt wird, und natürlich auch die neue Multifunktionsarena mit zusätzlichen Vermarktungsmöglichkeiten und zusätzlichen Zuschauereinnahmen.

Wann können Sie umziehen?

Stracke: Wir wissen ja nur, was uns die Stadt sagt. Demnach soll bis Ende des Jahres die endgültige Vergabe erfolgen. Normalerweise sagt man: ein Jahr Planung, zwei Jahre Bau. Wichtig für uns ist, dass bis Jahresende ein Betreiber bestimmt und es somit diese Halle geben wird. Ob das dann zweieinhalb Jahre dauert oder drei, ist nicht ganz so relevant. Aber es gibt ein planbares Szenario, für Sponsoren, für Partner, für die eigene Entwicklung. Wenn du dann erfolgreich bist und früher aufsteigst, weißt du, wie lange du in der Eissporthalle überbrücken musst, bis du andere Potenziale zur Vermarktung hast. Die brauchst du in der DEL einfach, um mit den Mitbewerbern mithalten zu können, wenn man sieht, was da dahintersteht: Red Bull, SAP, Anschütz, Thomas Sabo…

Mit wie vielen Zuschauerplätzen können Sie dann rechnen?

Krämer: Die Halle am Kaiserlei soll 13 000 Zuschauer fassen. Wenn man die Eisbären Berlin als Beispiel nimmt: Früher haben die im Wellblechpalast vor 4500 Zuschauern gespielt, in der neuen Arena haben sie sich verdreifacht. Wir haben ein Einzugsgebiet von 5,5 Millionen Menschen in der Region Rhein-Main. Da denken wir schon, dass neben der Perspektive DEL allein die neue Halle etwas ist, das die Leute noch einmal stärker dazu bringt, sich ein Spiel der Löwen anzuschauen. Die Nachfrage ist da, das haben wir 2017 gesehen: Da gab es für das Halbfinale über 12 000 Anfragen, auch ohne Aufstieg, nur weil es erfolgreiches Eishockey war. Und wir werden bestehende Rituale in die neue Halle mitnehmen, da können sich die Fans sicher sein. Wir wollen keine neuen Löwen werden.

Legen Sie schon Rücklagen an, um einen Erstliga-Etat stemmen zu können?

Krämer: Natürlich schauen wir, dass Gewinne in die Rücklagen einfließen, wenn wir welche haben. Aber unser Ziel muss es sein, über aktuelle Einnahmen wie Sponsoring oder Ticketing innerhalb der jeweiligen Saison die Spielzeit wirtschaftlich zu gestalten. Wir haben jetzt das zweite Jahr in Folge schon die Lizensierung der DEL durchlaufen und das Feedback bekommen, dass wir auch mit dem jetzigen Status lizensiert worden wären. Damit wären wir vom monetären Rahmen her aber kein Topteam gewesen. Es gibt DEL-Clubs mit zwölf Millionen Euro, aber auch mit 4,5 bis fünf Millionen. Das ist schon eine größere Spreizung. Der Durchschnitt liegt bei 7,4 Millionen.

Uns ist schon ein Stein vom Herzen gefallen, dass Auf- und Abstieg eingeführt wurden

Andreas Stracke

Ihr Etat lag zuletzt bei 4,1 Millionen Euro. Wo sollten sich die Löwen in der DEL einreihen, wenn es so weit ist?

Stracke: Wir sind in der DEL 2 mit unter den besten Drei, aber so weit ich weiß, liegen andere noch über uns. Natürlich haben wir eine Zielvorstellung für die DEL. Wir wollen da nicht der Lucky Loser sein. Aber das ist noch zu weit in die Zukunft geschaut. Ich glaube schon, dass sich Kräfte freisetzen lassen, um unseren Etat signifikant weiterzuentwickeln, wenn es so weit ist, dass wir sagen können: Nächste Saison können wir aufsteigen. Da setze ich auf den Ausbau unserer Partnerschaften. In den längerfristigen Verträgen stehen Optionen für die zweite und die erste Liga meist auch schon drin.

Wie viele Mitbewerber erwarten Sie im Kampf um den Aufstieg?

Krämer: Aktuell haben fünf, sechs Clubs eine entsprechende Bürgschaft erbracht. Das könnte sich dann in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Man braucht bestimmte Voraussetzungen, muss die Multifunktionsarena dazu haben, der Spielklasse angemessene Kapazitäten bereithalten, VIP-Bereiche und ähnliches. Und das andere ist der Spieleretat. Aber in der Aufstiegssaison kann auch ein Verein Meister werden, der die Rahmenbedingungen nicht erfüllt. Dann steigt halt keiner auf.

Was hätten Sie gemacht, wenn die Aufstiegsregelung geplatzt wäre?

Stracke: Dann hätte man sich weiter Gedanken über Alternativen machen müssen. Seit zwei Jahren bewerben wir uns regelmäßig zum 15. Februar als Nachrücker, wenn oben jemand nicht mehr möchte oder nicht mehr kann. Aber das ist kein planbares Szenario. Wobei sich die Planbarkeit eines sportlichen Aufstiegs auch in Grenzen hält. Aber uns ist schon ein Stein vom Herzen gefallen, dass Auf- und Abstieg eingeführt wurden. Da haben einige hinter den Kulissen sehr viel gearbeitet. Die gesamte DEL 2, alle Klubs haben an einem Strang gezogen, ein Selbstläufer war diese Verzahnung auf keinen Fall. Da zeigt sich, dass man Mammutprojekte erfolgreich umsetzen kann. Das gibt uns Energie und den Glauben daran, dass auch das Thema Multifunktionsarena genauso weitergeht, wie es uns die Stadt versprochen hat.

Das Interview führten Markus Katzenbach und Michael Löffler.

Info

Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL 2

Ab der Saison 2020/21 wird es wieder einen Auf- und Abstieg zwischen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der DEL 2 geben. Letztmalig hatte es das in der Saison 2005/06 gegeben. Wie viele Mannschaften auf- und absteigen werden, ist seit der Bekanntgabe der Vereinbarung Ende Juli noch nicht bekannt. Zur Planungssicherheit der finanziell schwächeren DEL-Mannschaften war der Auf- und Abstieg seinerzeit abgeschafft worden. Damit sollte die Chancengleichheit in der deutschen Eliteliga gewährleistet sein. Jeder DEL-Club erhielt nach Vorbild der nordamerikanischen Profiliga NHL eine Lizenz, die weiterverkauft werden konnte. Zuletzt mussten die Hamburg Freezers im Sommer 2016 ihre Lizenz abgeben, nachdem der Haupteigner ausstiegen war. Die Fishtown Pinguins aus Bremerhaven waren damals der einzige Anwärter und erhielten die Lizenz. (dpa)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Abstieg
  • Deutsche Eishockey-Liga
  • EC Bad Nauheim
  • Eisbären Berlin
  • Eishockey
  • Eissporthallen
  • Emotion und Gefühl
  • Fans
  • Frankfurt Lions
  • Hamburg Freezers
  • Lizenzen und Lizenzrecht
  • Löwen Frankfurt
  • SAP AG
  • Stefan Krämer
  • Ziele
  • Zuschauereinnahmen
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.