01. Mai 2020, 18:42 Uhr

Massenheimer Konsolen-Double?

Mit dem Plan ist der Hessische Fußball-Verband schon seit einer Weile schwanger gegangen. Die Corona-Zwangspause ist nun das ideale Testfeld um zu sehen, wie stark das Interesse am Fußball auf der Konsole unter Wettkampfbedingungen ist. Das Ergebnis hat die Macher überrascht.
01. Mai 2020, 18:42 Uhr
Beim »StayAtHome Cup« des Hessischen Fußball-Verbands kein seltenes Spiel. Die Konsolen-Zocker des FC Hessen Massenheim sind bei dem FIFA20-Turnier mit dem VfL Wolfsburg gut unterwegs. FOTO: ESA

Der VfL Wolfsburg und Werder Bremen sorgen gerade dafür, dass der FC Hessen Massenheim gute Chancen auf die K.-o.-Phase hat. Zwei Spiele und zwei Siege mit einem Torverhältnis von 26:3 sind eine klare Ansage. Für Marvin Döll und Leo Geppert ist es aber noch ein weiter Weg bis zum Finale.

236 Teams aus Hessen kämpfen derzeit auf der Playstation im Videospiel »FIFA 20« um den »StayAtHome-Cup« des Hessischen Fußball-Verbands (HFV). Berechtigt zur Teilnahme sind ausschließlich Vereinsspieler, die nun an der Konsole um die hessische E-Sport-Krone kämpfen. In der Wetterau ist Bad Vilbel der Hotspot, denn neben den beiden Zockern aus dem Stadtteil sind auch der FV Bad Vilbel und der SSV Heilsberg mit einem Team vertreten, auch der KSV Bingenheim hat eine Mannschaft gemeldet.

Hunderte E-Mails am Montag

In der HFV-Zentrale in Frankfurt laufen die Drähte bei Sascha Timmas zusammen. Der Referent Social Media hat montags bis zum Mittag Hunderte E-Mails zu bearbeiten. Allein im Verbandsgebiet Süd, in dem die Wetterauer Vereine angesiedelt sind, gibt es in der Vorrunde zwölf Vierer- und 18 Dreiergruppen. Und um die Ergebnisse zu verifizieren, hat jedes Team eine E-Mail mit dem Ergebnis zu schicken - bis Montagmittag. Die Idee zum Turnier entstand recht spontan, wie Timmas verrät, auch wenn das Thema E-Sport zuletzt immer intensiver beim HFV und auch beim Deutschen Fußball-Bund diskutiert wurde. Schon im vergangenen Jahr wurde an Konzepten gearbeitet, wie man Amateurvereine auch an der Konsole gegeneinander antreten lassen kann. Die fußballfreie Zeit nach der Aussetzung der Saison im Zuge der Coronavirus-Pandemie erschien als ideales Testfeld. »Innerhalb von zwei Wochen haben wir alles zusammengeschustert. Angesichts der kurzen Vorlaufzeit waren wir überwältigt, wie viele Vereine eine Mannschaft ins Rennen geschickt haben«, sagt Timmas.

In den Tagen nach Ende der Anmeldefrist hätte das Feld locker auf rund 500 Vereine erweitert werden können, doch der aufwendig erstellte Spielplan war schon ausgearbeitet. »Die meisten Fußballer sind auch Hobby-Zocker«, sagt Timmas, und das diese These durchaus stimmt, beweist auch die Kaderauswahl in Massenheim: »Wir veranstalten vereinsintern zweimal im Jahr ein Turnier. Die besten Spieler sind jetzt auch im fünfköpfigen Aufgebot«, sagt Döll. Über die WhatsApp-Gruppe der Mannschaft wurde die HFV-Einladung verbreitet und bei der Anmeldung nicht lange gefackelt.

Der Spielbedingungen sind recht simpel. Die Vereine verabreden sich untereinander, der Standardtermin ist um 15.30 Uhr. Gespielt wird auf der Playstation und in einem Spielmodus, bei dem alle virtuellen Kicker eine identische Leistungsstärke haben. So ist es also egal, ob man mit Real Madrid, Eintracht Frankfurt oder dem FK Haugesund antritt. »Die meisten nehmen dann doch die Klassiker, wie Real oder Liverpool. Hin und wieder ist aber auch mal Mainz 05 oder Union Berlin dabei«, erzählt Timmas. Döll hat mit dem VfL Wolfsburg sein Team gefunden, Geppert, eigentlich Bayern-Fan, spielt mit Werder Bremen.

Ein Duell besteht in der Vorrunde aus zwei Spielen, ab der Zwischenrunde, die nach Abschluss der Vorrunde ausgelost wird, kommt ein drittes Match pro Duell hinzu. Das Finale ist für den 13. Juni angesetzt.

Besonders erfreut ist Timmas über die vielen Rückmeldungen der Konsolenzocker. »Wir bekommen viele Anregungen, der Riedberger SV hat uns sogar ein Turnierlogo erstellt. Das zeigt, dass aus den Vereinen heraus durchaus viel Potenzial bei der Mitgestaltung vorhanden ist und nicht immer alles hundertprozentig diktiert werden muss«, sagt Timmas.

Die Kreativität schlägt sich an mancher Stelle auch in den Teamnamen wieder. Zwar bleibt der Großteil dem Namen des Stammvereins treu, wie zum Beispiel der FC Hessen Massenheim und der FV Bad Vilbel, aber es gibt auch den Klassiker unter den Namen für Thekenmannschaften, »Juventus Urin« (SG Eschbach/Wernborn) - oder aber auch die »Bembel Maifa X« (EFC Kronberg) und »Heiliger Berg esports« (SSV Heilsberg).

Auch das Amateurfußball-Portal »FuPa« hat ein E-Sport-Turnier ins Leben gerufen. Im Bezirk Mittelhessen, Gruppe A, führt die Schiedsrichtervereinigung Friedberg die 20 Teams starke Liga an - vor dem FC Massenheim. Das Konsolen-Double für den FCH ist also möglich. Oder wie Döll es aussdrückt: »Ja, läuft ganz gut.«

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