24. Januar 2020, 16:00 Uhr

Position: Rückraum Mitte

Nachwuchs auf der Königsposition: Wie ein Wetterauer Handballtalent seinen Weg geht

Die Spielmacherposition ist ein Manko der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Doch der Nachwuchs steht in den Startlöchern - wie der Ober-Mörler Paul Geffert, der für die HSG Wetzlar spielt.
24. Januar 2020, 16:00 Uhr
Der Ober-Mörler Paul Geffert (am Ball) - hier gegen Aaron Exner vom Bergischen HC - spielt aktuell für den Erstligisten HSG Wetzlar in der A-Jugend-Bundesliga und in der U 23-Mannschaft in der 3. Liga. FOTO: RAS

Während der Handballsport, ebenso wie andere Mannschaftssportarten, in der öffentlichen Wahrnehmung an sich ein Dasein im Schatten des Fußballs fristet, ist er zu Jahresbeginn zumeist in aller Munde. Grund dafür sind die zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Welt- und Europameisterschaften. Und so wird dann auch der neutrale Beobachter zum Experten, beschäftigt sich mit dem deutschen Handball und stellt fest, dass es in unserer aktuellen Mannschaft an Spielern fehlt, die den Unterschied ausmachen können. Genauer gesagt, es fehlt der Spielmacher mit Weltklasse-Format - das kreative Multitalent mit Spielintelligenz, taktischem Geschick und möglichst großer Torgefahr. Weshalb ist das so und was unternimmt Handball-Deutschland, um diese Lücke zu schließen? Wir sind dieser Frage nachgegangen und dabei auf einen Nachwuchsspieler gestoßen, der genau diese Position begleitet und sich derzeit bei der HSG Wetzlar »in Ausbildung« befindet.

Paul Geffert, Jahrgang 2002, waschechter Ober-Mörler, spielt beim Erstligisten sowohl in der A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft auf dieser heiß diskutierten Position, sowie in den vergangenen Wochen verstärkt auch im U 23-Team in der 3. Liga.

Mittelmann von Kindesbeinen an

Als Sohn einer Mörler Handball-Ikone begann Paul Geffert bereits im Alter von vier Jahren bei den »Purzeln« der HSG Mörlen mit dem Handballspielen. Nach den ersten Jahren, in denen alle Spieler bunt durcheinander wirbelten, fand er mit Beginn der strukturierteren Spielweise im D-Jugend-Alter schnell seine Position im mittleren Rückraum - dort wo Spielmacher agieren.

Mit seinem Heimatverein schaffte er es, sich zweimal für die Oberliga Hessen zu qualifizieren. Mit Beginn der Saison 2017/2018 wechselte er dann als B-Jugendlicher zur HSG Wetzlar. »Im neuzeitlichen Handball gibt es nicht mehr die großen Unterschiede zwischen den Halbspielern und dem Mittelmann. Es wird viel gekreuzt, wodurch sich die Positionen untereinander ständig verschieben. Man wird nicht als linker, rechter oder mittlerer Rückraumspieler ausgebildet, sondern dazu, im Rückraum zu spielen«, lautet Gefferts Beschreibung seiner Position. Auch zu weiteren Eckpunkten vertritt er eine klare Auffassung

Aufgaben des Spielmachers: Die sind vielfältig: Für die »Halben« spielen, sie einsetzen und ihnen in ihren Aktionen Sicherheit vermitteln, aber auch auf ein gutes Zusammenspiel mit dem Kreisläufer komme es an. Im heutigen, immer schnellen werdenden Handball müsse ein Mittelmann zudem eine gute Abwehr zu spielen, um Spezialistenwechsel zu reduzieren, gleichzeitig in der Offensive aber größere Torgefahr auszustrahlen als früher.

Spielzüge: »Ich würde eher sagen, meist sind es Auftakthandlungen, sie werden vom Trainer vorgegeben. In der Aktion selbst liegt dann schon die Verantwortung bei dem einzelnen Spieler, der eine hohe eigene Individualität einbringt«, erklärt Geffert. »Je nachdem, wie die gegnerische Abwehr positioniert ist, müssen wir letztlich selbst entscheiden, was wir machen. Eine gute Kommunikation mit den Halben, um abzustimmen was und wie es gespielt wird, ist dabei wichtig.«

Entscheidungsverhalten und Mentalität: Ein klassisches Mentaltraining gibt es beim Nachwuchs der HSG nicht. Geübt werde sehr viel in Kleingruppen - zwei gegen zwei, zwei gegen vier usw. Das beinhalte Fragen wie »Wo ist die Überzahl?«, »Wo ist der freie Mann?« Es gehe um Wahrnehmung und Entscheidung. Das Spiel gegen eine Unterzahl in der Abwehr werde gezielter und effektiver geschult. »Zu Beginn des Spiels, bei den Würfen nehme ich mir sichere, um gut reinzukommen. Wenn dann später im Spiel mal Fehler passieren trauere ich dem nicht nach«, erklärt Geffert. Denn jeder mache nun einmal Fehler, die die Mannschaft aber auffange. »Bei den Aktiven galt es zunächst anzukommen. Je länger wir gemeinsam trainiert haben, umso mehr haben sich Angst und Respekt verloren«, erklärt Geffert die Umstellung zwischen A-Jugend- und Drittliga-Team. »Am Anfang ist man bemüht seine Bälle sauber zu spielen und keine Fehler zu machen. Dann wächst das Vertrauen - auch das der anderen Spieler - in mein Spiel. Damit traut man sich dann automatisch mehr zu.«

Von Erfahrung der Kollegen lernen

Ausbildungsphilosophie: »Mit Thomas Weber und Kai Nober haben wir Trainer mit großem Fachwissen, auch was die einzelnen Positionen betrifft. Die jetzige B-Jugend begleitet Stefan Kneer als Co-Trainer, auch von ihm kann man sich viel abschauen. Da Thomas Weber neben der A-Jugend auch die U 23 trainiert, haben wir gemeinsame Einheiten und werden dadurch mit den Anforderungen im Aktiven Bereich konfrontiert, wobei ich bei Spielen der U23 auf verschiedenen Positionen eingesetzt werde«, erklärt Geffert seine aktuelle Situation. »Ich profitiere von der Erfahrung meiner älteren Mitspieler, die teilweise sogar schon mit der Bundesliga-Mannschaft trainiert und gespielt haben.«

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