29. September 2020, 12:00 Uhr

»Radikalisierung stinkt mir«

29. September 2020, 12:00 Uhr

Coronavirus-Pandemie, Digitalisierung, veränderte Gesellschaft. Der organisierte Sport ist im Wandel - und der Sportkreis Wetterau mittendrin, wie der Vorsitzende Jörg K. Wulf im Interview erklärt.

Herr Wulf, wie sehen Sie den Sportkreis Wetterau in Zeiten von Corona aufgestellt?

Wir sind personell und auch thematisch gut positioniert. Die Problematik wird sein, wie die Vereine mit der Situation fertig werden - mit ihrem sportlichen Angebot, aber auch mit ihren Finanzen. Das Thema wird uns im Jahr 2021 sicher wesentlich mehr beschäftigen, als es dieses Jahr der Fall ist.

Inwiefern kann der Sportkreis, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund, die Vereine hier unterstützen?

Der Beirat der Sportkreise im Landessportbund, dem auch ich angehöre, ist mit dem Präsidium im Gespräch, um im Innenministerium Verständnis für diese Probleme zu wecken und Mittel freizumachen, um Vereinen zu helfen, die in finanzieller Not sind, etwa aufgrund von Mitgliederschwund oder verringertem Kursangebot. Inwiefern die Politik da mitspielt, kann ich momentan noch nicht einschätzen.

Sie haben das Thema Digitalisierung angesprochen. Ist das ein Mittel für Vereine, um durch die Krise zu kommen?

Ich denke, der Anstoß durch Corona, sich mit dem Thema Digitalisierung zu beschäftigen, kann nur von Vorteil sein. Natürlich ist es aber nicht die endgültige Lösung. Letztlich wird es immer Angebote geben müssen, bei denen Menschen präsent sind. Aber dennoch gibt es in Vereinen Prozesse, die man digitalisieren kann. Hier wird es eine Initiative geben, mit der wir Ende des Jahres an die Öffentlichkeit gehen werden.

Ist das angesichts von nicht einmal zehn Prozent Teilnehmerquote an einem Sportkreistag auch ein Thema für den Sportkreis selbst?

Es ist eines der Probleme, die wir haben - keine Frage. Zehn Prozent Beteiligung tun mir ehrlich gesagt richtig weh. Ich würde schon gerne 150 Leute hier sehen. Wir kommunizieren aktuell vor allem über die Homepage, über Facebook und über E-Mail, wegen Corona momentan aber nicht vor Ort. Das machen wir alles schon, aber am Ende des Tages kommen wir auch bei anderen Vor-Ort-Veranstaltungen nicht über diese Teilnehmerquote.

Am Ende Ihrer Ansprache haben Sie sehr persönliche Worte zum Thema Rechts in der Gesellschaft angebracht. Was hat Sie zu einer solch klaren Positionierung veranlasst?

Ich selbst bin Jahrgang 1945 und bin somit quasi mit der deutschen Demokratie groß geworden. Die Schatten des Dritten Reiches, auch in der eigenen Familie, haben mich dabei begleitet. Ich bin auch aus diesem Grund ein großer Verfechter der Demokratie und bekennender Europäer. Was mir momentan nicht gefällt, ist, dass wir allem, was sich außerhalb der Demokratie bewegt - und zwar links wie rechts - zu viel Raum geben. Wir brauchen keine Verhältnisse mit Splitterparteien, die nichts anderes im Kopf haben, als ihr Gemüt zu kühlen. Die aktuelle Radikalisierung stinkt mir, und dieser Entwicklung möchte ich einen Riegel vorschieben. Ich habe das gen Rechts formuliert, weil das momentan einfach sehr aktuell ist.

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