16. Oktober 2019, 07:00 Uhr

Fussball

Sophie Trepohl: Aus Massenheim in den DFB-Kader

Sophie Trepohl aus Massenheim spielt in der 2. Frauenfußball-Bundesliga und für die U-Nationalmannschaft. Sie lebt für den Sport - doch das kann sich schnell ändern.
16. Oktober 2019, 07:00 Uhr
Sophie Trepohl aus Massenheim (rotes Trikot) kämpft mit dem FFC Frankfurt II um den Klassenerhalt in der 2. Frauenfußball-Bundesliga. Links: Maria Cristina Lange vom VfL Wolfsburg. (Foto: Imago)

Sophie Trepohl arbeitet bei der Eintracht und spielt für den FFC Frankfurt II in der 2. Bundesliga. Im August hat die 18-Jährige aus dem Bad Vilbeler Stadtteil Massenheim in der U19 des Deutschen Fußball-Bundes debütiert. Ein Leben für den Sport - doch: Wie lange noch?

Treffpunkt Neue Mitte in Bad Vilbel: Von »Gänsehaut«-Momenten bei Länderspielen ist im Gespräch mit Sophie Trepohl im Cafe Wewe schnell die Rede, von Zielen mit dem FFC Frankfurt II in der Saison 2019/20, von Traum einer Nominierung zur U 19-Europameisterschaft im Juli 2020 in Georgien - aber auch von der Realität. Und hier findet sich sicher der größte Unterschied zwischen professionellem Männer- und Frauenfußball. Nur wenige Kickerinnen können von ihrem Sport leben, noch kleiner ist die Zahl derer, die sich über den Fußball eine Zukunft aufbauen können. Trepohl will im kommenden Sommer ein Studium beginnen. Was und wo - da ist die Massenheimerin noch unentschlossen. »Wenn man ordentlich Fußballspielen möchte, leidet das Studium. Man wird sehen, wie sich das vereinbaren lässt.«

Derzeit trainiert die 18-Jährige fünfmal wöchentlich. Dazu kommen am Wochenende die Spiele. Teils reist die junge Zweitliga-Mannschaft des FFC Frankfurt sogar schon am Vortag an. Nach dem Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel (Leistungsfächer: Sport und Englisch) lässt sich der Fußball und der immense zeitliche Aufwand mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr bei Eintracht Frankfurt noch arrangieren. Tagsüber betreut Trepohl unter anderem Schulprojekte, abends wird dann auf den Sportanlagen am Brentanobad und dem Rebstockgelände in Frankfurt trainiert.

Mit dem FFC II - quasi einer U 21-Mannschaft unter den Direktiven von Ex-Nationalspielerin Kim Kulig - steckt Trepohl im Abstiegskampf. Die Klasse soll gehalten werden - unbedingt. Als Sprungbrett für den Bundesliga-Kader. Zu groß sei sonst der Schritt aus dem U 17-Nachwuchs heraus. Trepohl ist in der Innenverteidigung der Zweitliga-Mannschaft gesetzt. Stellungsspiel und Zweikampfhärte nennt sie als ihre Stärken; auch das Kopfballspiel - trotz ihrer Größe von nur 1,68 Meter. Defensivspiel sei schon immer ihr Ding. »Man hat Verantwortung. Wenn ich einen Fehler mache, gibt’s nicht mehr viele Möglichkeiten, diesen zu korrigieren.«.

Führungsqualitäten hatten Sophie Trepohl auf ihrem Weg stets begleitet, meint Rüdiger Köhler. »Sie besitzt neben ihrem Talent auch die richtige Einstellung. Sie ist immer vorangegangen und bringt alles mit, um auch in der Bundesliga einen Fuß in die Tür bekommen zu können.« Über Jahre hinweg hatte Köhler den Teenager bei der MSG Bad Vilbel betreut, gefördert und ebenso wie Heiko Straub (Nachwuchstrainer beim FC Hessen Massenheim) in der sportlichen Entwicklung geprägt. Trepohl ist zugleich die erste U-Nationalspielerin, die aus den Reihen der im erst Jahr 2011 gegründeten MSG hervorgegangen ist.

Angefangen hatte die fußballerische Laufbahn von Trepohl auf der Straße. Mit ihren Brüdern Jan (heute SV Gronau) und Nils (Nachwuchs, FV Bad Vilbel) und den Jungs aus der Nachbarschaft wurde vorm Haus gekickt. Auch wenn es längt schon dunkel war- Beim SC Dortelweil und später beim FC Massenheim spielte Trepohl in den Jugendmannschaften (bis zu den C-Junioren) und nach der Gründung der MSG Bad Vilbel parallel auch unter Mädchen. »Das war damals in der Hessenliga spielerisch anspruchsvoller. Bei den Jungs wurde es irgendwann zunehmend athletischer«, sagt sie. Trepohl biss sich durch.

Die MSG wurde zum Sprungbrett. Bei einem Turnier in Bad Neuenahr erspielte sie sich die Aufmerksamkeit großer Klubs. Bundesligist USV Jena beispielsweise hatte angefragt, beim FFC Frankfurt ließ sich ambitionierter Nachwuchsfußball aber mit dem gewohnten familiären Umfeld verbinden.

Inmitten der Saison 2016/17 wechselte Trepohl zum siebenfachen deutschen Meister und vierfachen Europapokalsieger in den Nachwuchs, etablierte sich dort sehr schnell als Stammspielerin und wurde zum Development-Tournament in Portugal für die U 16-Auswahl des DFB nominiert. »Da hat man schon Gänsehaut. Erst recht, wenn man dann noch in der Startelf auflaufen darf«, sagt Trepohl. Insgesamt neun Einsätze für die U 16, U 17 und U 19-Mannschaften des DFB hat sie bestritten. Zur ersten U 19-EM-Qualifikationsrunde, die in Turnierform während der Herbstferien im portugiesischen Braga ausgespielt wurde (Deutschland wurde Gruppensieger), war Trepohl »auf Abruf« nominiert. EM-Teilnahme und Klassenerhalt mit dem FFC definiert sie daher ihre Ziele bis zum kommenden Sommer. Weiter will Sophie Trepohl derzeit nicht planen.

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