06. Februar 2020, 07:00 Uhr

DER WERBEBLOCK

Sport und Artistik genial kombiniert

Sie fahren Einrad und halten dabei einen Eishockeyschläger in der Hand. Damit schießen sie einen Tennisball durch die Halle. Eine Frage muss erlaubt sein: Was macht ihr da?
06. Februar 2020, 07:00 Uhr
Spannende Kombination: Ein Einrad, ein Eishockeyschläger und ein Tennisball - das ist Einradhockey. FOTO: ESA

Einrad fahren verlangt schon einiges an Körpergefühl. Dabei aber noch ein Spiel zu spielen, ist eine koordinative Höchstleistung. »Das kannte kein Mensch bei uns«, sagte Marcus Gärtner, Vorsitzender des RC Edelweiß Nieder-Wöllstadt über den Sport, der ihn für die nächste Stunde beschäftigt. Während er erzählt, geht er in den Geräteraum der Ober-Wöllstädter Römerhalle, holt sich einen Eishockeyschläger und steigt dann aufs Einrad. Den ersten Tennisball, der ihm vor den Schläger kommt, wuchtet er ins Tor.

Einradhockey ist hierzulande noch recht unbekannt, obwohl die Wetterau eine Hochburg im Kunstradfahren ist. Denn das ist der übliche Weg, um zum Einradhockey zu kommen. Der zweithäufigste, deutlich schwerere Weg, ist es, quer einzusteigen.

So wie Gärtner. Insgesamt drei Jahre benötigte er, um überhaupt Einrad fahren zu können. Eigentlich ist er auf dem Mountainbike zu Hause, ebenso wie Herbert Schmidt. Den 58-Jährigen packte aber auch der Ehrgeiz. Sie heben den Altersschnitt in der Trainingsgruppe deutlich an, helfen den Jugendlichen dafür mit ihrer Erfahrung. Schließlich haben beide Eis- und Rollhockey gespielt und gleichen die fehlende Technik auf dem Rad mit Spielverständnis und klugem Stockeinsatz aus. Der Beweis folgt wenige Augenblicke später. Während die Jüngeren nur selten das Gleichgewicht verlieren und ihre Sitzposition aufgeben müssen, kracht das Rad bei den Senioren häufig auf den Boden. Weil sie Spielsituationen aber schneller erkennen, sind sie trotzdem mittendrin statt nur dabei.

Den Sport nach Wöllstadt brachte Katja Butterweck. Sie ist quasi mit dem Einrad verwachsen, fährt seit über 20 Jahren. Zum Einradhockey kam aber auch sie eher durch einen Zufall: »Ich war in einer Jonglage-Gruppe, und unser Trainer hat zu einer Einheit die Hockeyschläger mitgebracht. Da haben wir uns überlegt, was wir daraus machen können und haben angefangen, Einradhockey zu spielen«, erzählt Butterweck. Das war 2006, nur ein Jahr später wird die Bad Homburgerin mit den Rhein-Main Tornados Zweite beim B-Turnier der Europameisterschaften. 2009 wird Butterweck zudem deutsche Meisterin im Einradfahren.

Reiz des Neuen

Einradhockey ist für die 31-Jährige »eine geniale Möglichkeit, Sport und Artistik zu kombinieren«. Butterweck kam des Jobs wegen nach Wöllstadt. Dem örtlichen Radverein machte sie das Angebot, eine Einradhockeygruppe aufzubauen. Der Reiz des Neuen war letztlich zu groß, um das Angebot von Butterweck nicht anzunehmen. Über soziale Medien und die Homepage wurde nach Spielern gefahndet. Die Idee fand Anklang, und wenig später kannten auch in Ober-Wöllstadt ein paar Menschen Einradhockey.

In Deutschland gibt es derzeit rund 70 Mannschaften, die sogar alle in einer Liga spielen. Allerdings wird in Blöcken von A bis F nach Leistungsstärke unterschieden. Während Butterweck mit den Bad Homburger Einradblitzen in der AB-Gruppe spielt, sind die Wöllstädter in der F-Gruppe unterwegs. »Wir waren am Anfang natürlich die Schießbude der Nation, mittlerweile haben wir uns aber gut entwickelt«, sagt Gärtner mit einem Lachen. Das hängt auch damit zusammen, dass es immer mehr Nachwuchs in der Gruppe gibt, der die Sportart quasi von der Pike auf lernt. Auch das ist das Schöne am Einradhockey. Die Neunjährige kann sich gegen den 30-Jährigen behaupten, denn die Physis spielt keine übergeordnete Rolle. »Man muss nicht kräftig sein, das Fahren ist das A und O beim Einradhockey«, sagt Gärtner.

Als Randsportart rekrutiert sich die Gruppe derzeit hauptsächlich aus Kunst- oder Einradfahrern, die sich, ähnlich wie Butterweck, vom Spiel mit dem Schläger begeistern ließen. Auch über das Hörensagen hat schon der ein oder andere den Weg in die Römerhalle gefunden. Einsteiger sind gerne gesehen, die Einräder stellt der Verein zur Verfügung. Auch mit Eishockeyschlägern kann zu Beginn ausgeholfen werden.

Einziges Manko ist die Trainingszeit in der Römerhalle. Gerade für die Berufstätigen ist es nicht immer machbar, schon um 17 Uhr in der Halle zu stehen. Und trotzdem fahren an diesem Montag zwölf Spieler aller Altersklassen durch die Halle und kombinieren Sport und Artistik auf beeindruckende Art und Weise.

Die Spielregeln

Vier Feldspieler und ein Torwart bilden ein Team. Der Torwart hat gegenüber den Feldspielern keine besonderen Rechte. Das Spielfeld ist 35 bis 45 Meter lang und 20 bis 25 Meter breit. Eine Bande umschließt die Spielfläche. Der Ball darf auf dem Rad sitzend mit dem Schläger, dem Körper und dem Rad gespielt werden. Bewusster Körperkontakt im Zweikampf ist verboten - Einradhockey ist ein körperloses Spiel. Die Spielzeit: je nach Spielmodus wechselnd zwischen einmal 9 und zweimal 15 Minuten.

Einradhockey ist der geilste Sport, weil »Spieler jeden Alters und egal, ob männlich oder weiblich, gegeneinander spielen können«, sagt Katja Butterweck.

Trainingszeiten sind montags von 17 bis 18.30 Uhr in der Römerhalle in Ober-Wöllstadt.

Die Fix-Kosten pro Jahr liegen bei 20 Euro Mitgliedsbeitrag, 14 Euro für Kinder. (esa)

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