13. Dezember 2019, 16:00 Uhr

Nach der Tischtennis-Hinrunde

Tischtennis-Kreiswart Henrik Jasper im Interview: »Wir brauchen mehr lizenzierte Trainer«

Eine aus sportlicher Sicht gemischte Hinrunde der Tischtennis-Saison im Sportkreis Wetterau ist vorbei. Im Interview blickt Kreiswart Henrik Jasper zurück - und nimmt die Probleme ins Visier.
13. Dezember 2019, 16:00 Uhr
Henrik Jasper

Henrik Jasper vom TTC Bad Nauheim/Steinfurth, der am vergangenen Kreistag neu gewählte Tischtennis-Kreiswart des Sportkreises Wetterau, blickt im Interview auf ein gemischtes erstes Halbjahr seiner Amtszeit zurück. Er hatte seinen Vereinskameraden Diethelm Göbeler beerbt, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr angetreten war.

Herr Jasper, sportlich war die abgelaufene Vorrunde die schlechteste seit Jahrzehnten. Fast alle Herren-Mannschaften kämpfen in der Bezirksoberliga gegen den Abstieg. Wie erklären Sie sich das?

Bis auf Butzbach haben alle Mannschaften in der Bezirksoberliga Probleme. Immerhin ist Rodheim auf Platz zwei in der Hessenliga der Damen.

Mannschaften wie Dorheim oder Okarben treten oft nicht komplett an. Bei den Teams aus dem Main-Kinzig-Kreis fehlt kaum einmal ein Spieler. Warum ist das so?

Der Main-Kinzig-Kreis ist in jeglicher Hinsicht etwas besonderes in unserem Bezirk. Sie haben Damen-Klassen bis in die 1. Kreisklasse und auch bei den Bezirkseinzelmeisterschaften haben sie zuletzt immer mehr Teilnehmer als die anderen vier Kreise zusammen gestellt. Im Wetteraukreis haben wir ein massives Problem: Viele Vereine beklagen, dass immer mehr Spieler aus beruflichen Gründen beziehungsweise wegen Verletzungen oder Krankheiten ausfallen. Daran merkt man, dass der Altersdurchschnitt und somit die Verletzungsanfälligkeit steigt.

Damit sind wir beim wohl entscheidenden Thema: Nachwuchsarbeit.

Das Thema Nachwuchsarbeit steht im Mittelpunkt meiner Tätigkeit als Kreiswart. Das Hauptproblem der Vereine ist es, dass es oft nur wenige Kümmerer gibt. Wenn diese wegfallen, können sie oft nicht ersetzt werden. Es gibt aber auch positive Beispiele: Vereine wie Butzbach oder Selters ernten jetzt Erfolge aus ihrer Jugendarbeit in der Vergangenheit. Auch durch das Kreisleistungszenrum wurden viele Spieler gefördert.

Auf Verbandsebene feiert Hessen seit Jahren Erfolge mit fest angestellten Trainern. Ist so etwas nicht auch auf Kreisebene möglich?

Der Hessische Tischtennis-Verband fördert nur Projekte bis zum vierten Schuljahr und auch nicht allzu lange, sodass die Vereine dann schnell wieder die Probleme haben, Trainer zu finden, die auch tagsüber zur Verfügung stehen. Aber letztlich werden wir um eine Professionalisierung im Nachwuchsbereich und Breitensport wahrscheinlich nicht herumkommen. Am Ende werden es die Vereine bezahlen müssen, wozu diese in der Breite nicht in der Lage sind.

Ist Geld das einzige Problem?

Nein, die fehlenden Trainer sind das Hauptproblem. Wir brauchen mehr lizenzierte Trainer, die den Vereinen zur Verfügung stehen. Wir müssen als Kreis vermehrt Trainerausbildungen vom neuen Assistenz-Trainer bis hin zur C-Lizenz-Ausbildung anbieten. B-Trainer werden sehr gut beim Landessportbund in Frankfurt ausgebildet. C- und B-Trainer brauchen wir in der Regel sowieso nicht. Wir haben mit Heiko Wöllner einen neuen Kreislehrwart, der beispielsweise einen C-Trainer-Lehrgang in den Sommerferien organisiert hat, für den die Teilnehmer sogar Bildungsurlaub nehmen können. Auch haben wir die Anzahl der Trainerlehrgänge bei uns im Kreis deutlich erhöht. Er kommt eben von außen und bringt neue Ideen. In Kassel gab es einen Zusammenschluss von fünf Vereinen mit fünf Trainingsabenden, die sich zusammen einen professionellen Trainer angestellt hatten. So etwas könnte ich mir für unseren Kreis auch gut vorstellen.

Gibt es noch andere Maßnahmen?

Der Kreis bietet dieses Jahr auch erstmals sogenannte Youngster-Cups für Kinder unter zwölf Jahren an, die noch nicht am Mannschaftsspielbetrieb teilnehmen, um schon früh die Leidenschaft für den Sport über den spielerischen Wettkampf zu wecken. Aber wir brauchen dann die Trainer dazu.

Wird der Kreisvorstand über das Thema Jugendarbeit hinaus weitere Entscheidungen in der Zukunft fällen?

Die Arbeit im Kreisvorstand läuft generell sehr gut. Hier ist mit weiterer Unterstützung zu rechnen. Ich bin aber zunächst einmal auch darüber froh, dass der Spielbetrieb durch die erfahrenen Klassenleiter Bernd Wenzel und Rolf Seifert problemlos läuft. Bisher gab es mit dem TTC Florstadt II in der Bezirksklasse, Gruppe 8, nur eine Zurückziehung. Auch Jens Becker ist mit der Klasseneinteilung hier zu nennen sowie das Schiedsrichterwesen. Wir werden Teile professionalisieren müssen, doch ohne ehrenamtlich tätige Personen wird es auch weiterhin nicht gehen. Beispielsweise muss bei jedem Jugendspiel eine Person dabei sein, die auch coachen kann. Eltern sollten ihre Kinder nur in absoluten Ausnahmefällen alleine zu den Spielen fahren.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Der Kreis GmbH & Co KG
  • Hauptprobleme
  • Interviews
  • Jugendsozialarbeit
  • Sportkreis Wetterau
  • Vereine
  • Wetterau
  • Michael Stahnke
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.