13. Oktober 2019, 20:56 Uhr

Fußball-Hessenliga

Türk Gücü Friedberg: Erschüttert über Rassismus nach Schweigeminute

Einer Schweigeminute für die Opfer von Halle sind rassistische Äußerungen gefolgt. Türk Gücü Friedberg ist über die Geschehnisse während der Hessenliga-Partie in Stadtallendorf erschüttert.
13. Oktober 2019, 20:56 Uhr
ACE
Jonatan Tesfaldet attackiert Kristian Gaudermann. Türk Gücü Friedberg kann in Stadtallendorf den favorisierten Gastgeber ägern, unterliegt aber knapp mit 0:1. (Foto: Raab)

Carsten Weber ist normalerweise die Ruhe in Person und nimmt sich nach den Spielen auch die nötige Zeit, um mit den Pressevertretern zu sprechen. Nach der knappen 0:1-Niederlage bei Eintracht Stadtallendorf war der engagierte Trainer von Türk Gücü Friedberg aber sehr kurz angebunden. Sein Statement dauerte lediglich 36 Sekunden, zum Spiel sagte der Coach nur einen Satz. Der Coach beschränkte sich ansonsten darauf, die unerfreulichen Begleitumstände während der Hessenliga-Begegnung im Herrenwaldstadion zu kommentieren: »Es ärgert mich maßlos, dass wir hier über 90 Minuten lang auf der Bank vom Stadtallendorfer Publikum mit rassistischen Äußerungen belagert wurden. Ich weiß nicht, warum hier eine Schweigeminute vor dem Spiel eingelegt wurde und dann werden wir mit Rassismus bis zum geht nicht mehr konfrontiert. Das ist für mich das Enttäuschendste von allem und das kann man auch durchaus schreiben.« Eigentlich wollte der erboste Trainer das Thema auf der Pressekonferenz ansprechen, erfuhr aber im Kabinengang, dass der ehemalige Regionalligist seit dem Abstieg keine mehr durchführt.

Vor dem Anpfiff war besagte Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des Mordanschlages in Halle an der Saale eingelegt worden. Der Stadionsprecher der Eintracht hatte den über 600 Zuschauern vorgelesen, dass man »Gewalt, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit strikt ablehnt.« Diese Botschaft schien bei Teilen des Heimpublikums auf taube Ohren zu stoßen. Denn nach dem Anpfiff zeigten einige Zuschauer gegenüber den ausländischen beziehungsweise mit Migrationshintergrund ausgestatteten Fußballern von Türk Gücü Friedberg offen ihre Gesinnung.

Vorfälle, die auch Friedbergs Pressesprecher Selim Karanfil nicht verharmlost wissen wollte: »Das war unterste Schublade. Von der ersten Sekunde an gab es nicht nur Pöbeleien, sondern auch von einer größeren Zuschauergruppe ausländerfeindliche Aussagen. Auch Familienmitglieder unserer Spieler wurden auf den Rängen angepöbelt.« Angesprochen auf die Entgleisungen ihrer Zuschauer hätte ein Funktionär der Gastgeber laut Karanfil lediglich geantwortet, es handele sich nur um vereinzelte Idioten, die dafür bekannt wären.

Unsere Redaktion hat sich am Sonntag bislang vergeblich um eine Stellungnahme seitens der Gastgeber bemüht.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Antisemitismus
  • Ausländerfeindlichkeit
  • Familienmitglieder
  • Friedberg
  • Migrationshintergrund
  • Rassismus
  • Saale
  • Türk Gücü Friedberg
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 43 - 10: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.