21. Juni 2019, 21:52 Uhr

Unaufgeregt und sachlich

21. Juni 2019, 21:52 Uhr
Die Tischtennisbälle sind im Kreis derzeit gut verstaut. Traditionell trifft sich die Szene in der Sommerpause aber auf dem Kreistag. (Fotos: dpa/msw)

Vor dem in Stockheim ausgetragenen Tischtennis-Kreistag des Sportkreises Wetterau schien es noch unklar, wer Nachfolger des erkrankten Kreiswartes Diethelm Göbeler (Bad Nauheim/Steinfurth) werden könnte, doch dann lief es wie selbstverständlich ab, dass Göbelers Vereinskollege und Klassenleiter Henrik Jasper diesen Posten übernahm. Bei seiner Wahl legte er keine große Rede vor, sondern er übernahm die Amtsgeschäfte, als hätte er sie bereits seit Jahren inne. Durch seine Tätigkeit als Klassenleiter der kreisgebundenen Klassen auf Bezirksebene sammelte er bereits Erfahrung.

Die Eröffnungsrede hielt Jens Becker (Dorheim). Er sprach davon, dass mit Göbeler »ein Leitwolf weggefallen ist, der nicht zu ersetzen ist«. Kreissportwart Boris Dombrow (Wölfersheim) hätte aber Verantwortung übernommen und den Kreistag gut vorbereitet. Dann übernahm Göbeler selbst das Wort, der überraschend anwesend war. »Ich habe mir meinen Auftritt hier anders vorgestellt«, sagte er und ergänzte: »Seit März 2018 war ich 102 Tage im Krankenhaus, davon 35 Tage auf der Intensivstation. Das Schicksal hat echt hart zugeschlagen.« Er wirkte recht souverän, die Krankheit war ihm kaum anzumerken.

Michael Haller übernahm dann die Begrüßung von Seiten des Gastgebers TSV Stockheim. Der vom Hessischen Tischtennis-Bund anwesende Peter Metzger, der auch Kassenwart im Kreis ist, überbrachte die Grüße des Präsidiums des HTTV. Metzger nahm dann noch Ehrungen für Göbeler und den ebenfalls scheidenden Kreislehrewart Bodo Fahrenbruch (Geiß-Nidda) vor.

Karl-Heinrich Albus (Florstadt) war anschließend vor den Neuwahlen Wahlleiter für den kurz nicht mehr im Amt befindlichen Kreisvorstand. Fast schon routinemäßig nahm Jasper die Wahl zum neuen Kreiswart an. Ein Grund für diese Souveränität ist sicherlich auch, dass Jasper im ständigen Austausch mit Göbeler stand, wie er anmerkte.

Antrag mit großer Brisanz

Anschließend wurden die Anträge besprochen und abgestimmt. Zunächst legte Reiner Neeser den Antrag des SV Fun-Ball Dortelweil vor, nachdem auch zwei Mannschaften des gleichen Vereins in einer Gruppe spielen sollten, um die Fahrtzeiten zu reduzieren. Jens Becker (Dorheim) sagte zwar, dass es auch in der Vergangenheit auf Bezirksebene, wo diese Regelung bei nur einer Gruppe nicht immer eingehalten werden kann, bereits Manipulationen gegeben hätte. Dennoch wurde der Antrag knapp angenommen.

Noch deutlich größere Brisanz mit vielen Diskussionsbeiträgen hatte der erste von drei Anträgen der TTG Büdingen-Lorbach. Dessen Vorsitzender Rolf Kleinschmidt stellte den Antrag, dass kreisgebundene Mannschaften von der ersten bis zur dritten Kreisklasse generell nur noch mit 4er- statt wie bisher mit 6er-Mannschaften spielen sollten. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann dies generell eingeführt werde. Somit könne mit einem Auto zum Spiel gefahren werden und die Spiele würden werktags nicht bis nach Mitternacht dauern.

Anders als im schriftlichen Antrag sagte er jetzt aber auch, dass es mit dem Sport immer nur rückwärts gehe und dass man dem auf diese Weise etwas entgegenwirken könne. Nach zwei unterstützenden Äußerungen mit ähnlichem Inhalt entgegnete Jasper, dass es bei der Länge des Spiels auf das Spielsystem ankomme. Zudem bemerkte er, dass er es schon länger nicht mehr erlebt habe, dass man sich an einem Punkt getroffen hätte und gemeinsam zum Spiel gefahren wäre. Außerdem müssten neue Mannschaften, die aus den 6er-Teams etwa in der ersten Kreisklasse herausfielen, neu in der dritten Kreisklasse gemeldet werden.

Zum Thema Hallenprobleme meldeten sich in der Folge weitere Vereine. Christoph Dingeldein (Dorheim) brachte dann noch ein weiteres Argument für die 6er-Mannschaften vor, da es für das soziale Zusammensein deutlich besser wäre. Auch Mannschaftsführer und Klassenleiter seien immer schwerer zu finden. Der Antrag wurde schließlich mit 237:105 Stimmen abgelehnt.

Beim nächsten Antrag von Kleinschmidt ging es um die generelle Einführung von 4er-Mannschaften. Der Antrag, der an den Verbandstag geben werden sollte, wurde aber deutlich mit 278 Stimmen abgelehnt. Kleinschmidt zeigte sich aber zufrieden, dass er überhaupt so viel Zustimmung gefunden habe. Sein letzter Antrag wurde dann mit 263 Stimmen angenommen. Es ging darum, dass die Aufstiegspflicht eines Meisters nicht mehr gelten solle, wenn sich das Spielsystem in der höheren Klasse ändere, etwa wenn bei den Damen in der Kreisliga eine 3er-Mannschaft erlaubt sei, in der Bezirksliga aber zwingend mit vier Spielerinnen gespielt werden müsse. Dieser Antrag geht nun an den Verbandstag.

Der letzte Antrag des Tages kam vom TV Gedern. Deren Kreisjugendwart Holger Thösen wollte festschreiben, dass ein Verein ab drei Spielerinnen zwingend eine Damenmannschaft melden müsse. Nach kurzer Aussprache gab es nur 92 Stimmen für diesen Antrag, da die meisten Anwesenden den Damen ihre Freiheit lassen wollten. Außerdem sei unklar, was passiere, wenn sich eine Spielerin verletze.

Danach wurden noch folgende Veranstaltungen vergeben: Bezirkseinzelmeisterschaften Damen und Herren (12./13. Oktober 2019): TTC Bad Nauheim/Steinfurth. Kreispokalendrunde (Mitte Februar): TV Gedern; Kreisrelegation (zweiter Samstag im Mai 2020): Bad Nauheim/Steinfurth; Kreiseinzelmeisterschaften Damen und Herren (erstes September-Wochenende für drei Jahre): TTC Höchst/Nidder; Kreistag (Freitag, 19. Juni 2020): TV Gelnhaar (zur 60-Jahr-Feier).

Zum Abschluss der Veranstaltung meldete sich noch einmal Kreiswart Henrik Jasper zu Wort: Als Ersatz für die Kreisranglisten soll es Vergleichskämpfe mit den anderen vier Kreisen des Bezirks Mitte geben. Dabei soll es Auswahlmannschaften des Kreisvorstandes, der Kreisliga der Damen sowie der Kreisliga, der ersten, zweiten und dritten Kreisklasse der Herren geben. Dabei sollen jeweils die fünf Spieler mit den höchsten TTR-Werten nach dem Pokalspielsystem (zweimal drei Einzel und ein Doppel) antreten. Gespielt werden solle eine Woche nach der Relegation, also Mitte Mai. Aus den anderen Kreisen hätte es schon positive Signale für diese Idee gegeben. Um 21.58 Uhr wurde ein von großer Sachlichkeit geprägter Kreistag geschlossen.

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