08. Mai 2020, 20:27 Uhr

Ende der Corona-Zwangspause

Verband gibt Empfehlungen raus, gemischte Gefühle bei Wetterauer Fußballern vor Trainingsrückkehr

Ab Samstag soll der Vereinssport in Hessen wieder möglich sein, wenn auch zunächst nur für den Trainingsbetrieb. Auch die Fußballer dürfen wieder auf den Platz - allerdings unter strengen Auflagen.
08. Mai 2020, 20:27 Uhr
Training auf Abstand: So könnte es bald auch auf den Sportplätzen in den Fußballkreisen Gießen und Alsfeld aussehen. FOTO: PV (Foto: Unbekannt (SV MATTERSBURG))

Zwei dicht beschriebene Seiten, die noch am Donnerstagabend verschickt worden sind, sind die neue Maßgabe im (Amateur-)Fußball: Der Hessische Fußballverband (HFV) hat mit den »Tipps zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes in Vereinen« seinen Mitgliedern eine klare Leitlinie gegeben, wie ein Zurück in den Trainingsalltag nach der Corona-Zwangspause gelingen kann. Doch die dürfte einige Klubs im Amateurbereich vor große Herausforderungen stellen.

Allgemeine Kontaktbeschränkungen gelten auch für Sportler weiterhin

Vorausgegangen waren die Beschlüsse des Corona-Kabinetts der Bundes- und Landesregierung sowie der Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten. Im Ergebnis gab es für den Sport zwar prinzipiell gute Nachrichten, allerdings auch neue Herausforderungen. Denn nach wie vor gilt: Es muss ein Abstand von 1,5 bis 2 Meter eingehalten werden, es darf keine Übungen mit direktem Kontakt geben, außerdem müssen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen besonders bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten wie etwa bei Bällen eingehalten werden. Darüber hinaus dürfen weder Umkleiden und Duschen noch Vereinsheime oder -gaststätten geöffnet sein, umgezogen werden muss sich zu Hause, draußen oder im eigenen Auto, das auch idealerweise nur einzeln zur An- und Abfahrt zum Training genutzt werden soll. Dazukommt die Forderung nach der Abwesenheit von Unbeteiligten, wie etwa Zuschauern, sowie der Schutz besonders gefährdeter Personen.

Der HFV hat mit seinen Leitlinien nun praktische Hinweise gegeben (siehe Kasten), die die Vereine nun umsetzen sollen. Voraussetzung dafür ist allerdings zunächst deren Öffnung durch die entsprechenden Kommunen bzw. Landkreise. Wer jetzt denkt, bereits am Samstag wird es nur so von Fußballern und Co. auf den Plätzen wimmeln, der dürfte sich allerdings täuschen. Zwar haben auch den Friedberger Kreisfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg) schon Anfragen erreicht, der mahnt jedoch: »Es kann niemand erwarten, dass es gleich wieder richtig losgeht. Es liegt ein Stück weit an uns allen, uns an die Vorgaben zu halten. Nur so können wir irgendwann wieder zu einer Normalität zurückkehren. Ich setze auf die notwendige Verantwortung und Ernsthaftigkeit.«

Alles wartet auf die Entscheidung am 16. Mai

Carsten Weber, Trainer des Wetterauer Hessenligisten Türk Gücü Friedberg sagt: »Natürlich haben wir nun wieder etwas mehr Möglichkeiten als vorher, was ich auch ausdrücklich begrüße, aber die Umsetzung ist nicht einfach. Sportlich wird man auf diesem Weg keinen großen Gewinn ziehen können, aber ich denke auch, dass bei den Lockerungen vor allem die soziale Komponente im Vordergrund stand.«

Sein Team, das seit der Sperrung der Plätze Mitte März individuelle Trainingspläne abzuarbeiten hat und sich gelegentlich über Video-Trainingseinheiten auch persönlich zu Gesicht bekommt, wird auf keinen Fall bereits am Wochenende auf dem Platz zusammenkommen. Auch für die Zeit danach ist Weber skeptisch. »Für mich geht die Tendenz dahin, bis zum 16. Mai erst einmal so wie bisher weiterzumachen«, sagt er.

Rückkehr zum Trainingsbetrieb noch ohne konkrete Perspektive

Der Grund: An besagtem 16. Mai will das Präsidium des HFV nach Rücksprache mit den Kreiswarten und Regionalbeauftragten einen Vorschlag für das weitere Vorgehen bekannt gegeben, der im Idealfall bei einem virtuellen Verbandstag Ende des Monats zur Abstimmung gebracht werden soll (wir berichteten). Die große Frage lautet nach wie vor: Endet die Saison vorzeitig - und wenn ja, zu welchen Konditionen - oder geht es noch einmal wieder los - und wenn ja, wann? »Bevor das nicht geklärt ist, ist es Training ins nichts«, sagt Weber. »Dabei brauchen die Jungs ein Ziel.«

Entsprechend sei auch die Stimmung innerhalb des Teams: »Aufgrund der fehlenden Perspektive steht aktuell der Aufwand noch in keinem Verhältnis zum Ertrag«, sagt der B-Lizenz-Inhaber. Außerdem sei nach wie vor ein Risiko vorhanden, das vor allem Spieler mit Vorerkrankungen oder mit Angehörigen aus Risikogruppen beträfe. Dies, gepaart mit dem durch die Maßnahmen deutlich größeren Aufwand für Trainer und Spieler bei weiteren neuen Unwägbarkeiten, etwa der Erkältungsgefahr durch das Abfahren nach dem Training ohne Dusche überwiegen aktuell bei dem ehemaligen Coach im Nachwuchsleistungszentrum von Bundesligist Eintracht Frankfurt. Aus diesen Gründen zieht er, solange der normale Spielbetrieb nicht wieder in greifbarer Nähe ist, - wenn überhaupt - maximal eine Einheit pro Gruppe und Woche in Betracht.

Jugendmannschaften dürfen nicht alle sofort wieder trainieren

Um all diese Schwierigkeiten weiß auch Bastian. »Das ist aktuell das Bestmögliche, aber mir ist auch klar, dass es an den Ressourcen der Vereine und der individuellen Bereitschaft der Beteiligten hängt«, sagt er. Wichtig sei, dass die Sportplätze nun grundsätzlich wieder geöffnet würden.

Der HFV hat zudem verfügt, dass das Training zunächst nur für alle Mannschaften der U 12 und älter wieder aufgenommen wird, die Jüngeren sollen erst wieder dazu kommen, wenn sie Erfahrungen im Umgang mit den Hygiene- und Abstandsregeln in der Schule oder der Kita gemacht hätten. Zudem empfiehlt der Verband für Mannschaften der U 9 und jünger noch bessere Betreuungsschlüssel (fünf Spieler pro Trainer), was über die Einbindung von Elternteilen erreicht werden soll - gerade für kleinere Vereine eine weitere, zusätzliche organisatorische Herausforderung.

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