08. Juli 2019, 21:56 Uhr

Weg und trotzdem da

Insgesamt zehn Spielzeiten stand Gordon Herbert an der Seitenlinie der Frankfurt Skyliners. Nun macht der Kanadier mindestens eine Saison lang Pause - um sich einen Traum zu erfüllen und das Nationalteam seines Heimatlandes zu unterstützen. Dass er dabei nicht die erste Geige spielt, scheint für ihn kein Problem zu sein.
08. Juli 2019, 21:56 Uhr
Mit 60 Jahren wagt der langjährige Coach der Frankfurt Skyliners, Gordon Herbert, noch einmal einen Neuanfang - als Assistenztrainer der kanadischen Nationalmannschaft. In dieser Position will er in den nächsten zwei Jahre arbeiten. (Foto: dpa)

Gordon Herbert hat die vergangenen Wochen genossen. Nach dem Saisonende mit den Frankfurt Skyliners und einem enttäuschenden Platz elf in der Basketball-Bundesliga ist der Kanadier in sein Sommerdomizil zu seiner Frau nach Finnland geflogen. In Uusikaupunki, im Südwesten des Landes, hat er »einfach nur relaxt«. Kein Stress und Druck, wie sonst so oft, ein Team für die kommende Saison zusammenstellen zu müssen. Der 60-Jährige hat in erster Linie darauf gewartet, dass der kanadische Basketballverband das bekannt gibt, was Herbert seit zwei Monaten weiß und weshalb er eine Auszeit bei den Skyliners nimmt.

Schließlich wurde es dann auch offiziell: Der Kanadier wird sogenannter Associated Headcoach seines Heimatlandes. Heißt: Er wird bei der WM in China dem NBA-Meistercoach der Toronto Raptors, Nick Nurse, assistieren. Anschließend wird Herbert die Ahornblätter eigenverantwortlich durch die Qualifikation für den Fiba Americas Cup 2021 führen und soll das Team auch bei der darauffolgenden Amerikameisterschaft anleiten. Bei einer möglichen Olympiaqualifikation wird wiederum Nurse das Team bei den Sommerspielen in Tokio als Cheftrainer betreuten. Offen ist noch, wer bei einem möglichen Olympia-Qualifikationsturnier an der Seitenlinie stehen würde.

Obwohl Gordon Herbert einen Zweijahresvertrag beim kanadischen Verband unterschrieben hat, gilt ab der kommenden Saison auch wieder sein Vertrag als Trainer der Skyliners. »Wenn meine Gesundheit es zulässt, werde ich zurückkommen«, sagt Herbert. Sein malader Rücken macht ihm immer wieder zu schaffen. Allerdings müsste er im November 2020 die Hessen für zwei Wochen verlassen, um die beiden letzten Qualifikationsspiele für die Kontinentalmeisterschaft mit Kanada zu bestreiten. »Die Skyliners wissen das alles«, sagt Herbert. Ob sie es akzeptieren würden, ließ Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter, aber offen.

Dass Herbert bei der Weltmeisterschaft nur die zweite Geige spielen soll, findet er nachvollziehbar. »Es macht absolut Sinn, dass der Verband NBA-Erfahrung bei der WM haben will«, sagt Herbert, der sich ursprünglich als Cheftrainer beworben hatte. Im Februar 2018 hatte Herbert die Kanadier bereits aushilfsweise für zwei WM-Qualifikationsspiele gecoacht. »Ich habe ein paar Mal drüber geschlafen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es immer noch eine große Chance für mich ist«, sagt der 60-Jährige. Der Mann aus Pentincton im Bundesstaat British Columbia vertrat sein Land 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles und zwei Jahre später bei der WM in Spanien selbst als Spieler. Für ihn schließt sich also nun ein Kreis.

Die Kanadier können aus einem großen Fundus an starken Spielern schöpfen. Die Nordamerikaner haben 15 NBA-Spieler und sechs weitere, die vor kurzem gedraftet wurden. Dazu noch einige starke europäische Spieler, wie den ehemaligen Frankfurter Phil Scrubb. »Wir werden uns die Spieler anschauen, die verfügbar sind«, sagt Herbert, der seit Tagen die Stärken und Schwächen der potenziellen Kandidaten analysiert. Richtig los geht seine Arbeit in dieser Woche, Mitte des Monats ist ein erstes Treffen mit Nurse geplant. Das erste Trainingslager steht am 4. August in Kanada an, bevor es für zweieinhalb Wochen nach Australien geht, um sich an die Zeitzone zu akklimatisieren.

Für die Skyliners wird Gordon Herbert unterdessen weiter als Berater zur Verfügung stehen. »Aber nur wenn ich angerufen werde«, sagt er. Mit Interimstrainer Sebastian Gleim hat er sich schon mehrfach »über verschiedene Dinge« ausgetauscht. Er hält den 34-Jährigen für eine gute Lösung, der die »Kultur, die wir etabliert haben«, bestens kennt. Und er hat Klaus Perwas an seiner Seite, »den vielleicht besten Assistenztrainer der Liga«, so Herbert. Sorgen um die Zukunft des Klubs, den er 2004 zur Meisterschaft geführt und wie kein anderer als Trainer geprägt hat, macht er sich nicht.

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