19. Juli 2019, 12:00 Uhr

Mitgliederzahlen

Welche Sportarten liegen im Trend, welche nicht?

Die Herausforderungen für die Wetterauer Sportvereine werden immer größer. Um jedes Mitglied muss gekämpft werden. Der Landessportbund Hessen hat nun interessante Zahlen veröffentlicht.
19. Juli 2019, 12:00 Uhr

Noch nie waren so viele Menschen in den 7614 hessischen Sportvereinen organisiert. Zum Stichtag am 1. Januar 2019 zählten die Vereine insgesamt rund 2,1 Millionen Mitgliedschaften. »Vereinssport ist weiterhin attraktiv und gefragt. In Zeiten, in denen viele Organisationen Mitglieder verlieren, ist das eine grandiose Nachricht«, sagt Landessportbund-Präsident Rolf Müller. In der Wetterau zeigt der Pfeil allerdings nach unten.

Die nackten Fakten: Gegenüber dem Vorjahr ist die Mitgliederzahl in den hessischen Sportvereinen um 17 059 Personen gestiegen, das bedeutet einen Zuwachs von 0,8 Prozent. Im Vergleich zu 2009 ist es sogar eine Steigerung um 2,1 Prozent. Bezogen auf das Bevölkerungswachstum von 2,8 Prozent in den vergangenen zehn Jahren ist der Organisationsgrad - also Anteil an Sportvereinsmitgliedern in der Bevölkerung - jedoch zurückgegangen. In der Wetterau ist die Zahl der Mitglieder 652 Sportler gesunken. Durch den demografischen Wandel wird auch für die kommenden Jahre ein Rückgang erwartet. Ein Jahrgang im Kindesalter besteht heute aus rund 57 000 Mitgliedern, bei den inzwischen 40- bis 50 Jährigen waren es noch 84 000 Personen.

Der Sportkreis Wetterau im Vergleich: Mit 109 252 Mitgliedern liegen die Wetterauer Sportvereine hessenweit auf Rang fünf. Spitzenreiter ist Frankfurt mit 237 106 organisierten Sportlern. Nach Anzahl der Vereine gemessen liegt die Wetterau mit 450 Vereinen auf Platz drei, hinter dem Sportkreis Mainz-Kinzig (568) und Kassel (465). Beim Organisationsgrad liegt die Wetterau mit rund 33 Prozent im hessischen Mittelfeld. Das heißt: Jeder dritte Wetterauer ist einem Sportverein Mitglied. Spitzenreiter ist hier mit 44,4 Prozent der Vogelsbergkreis.

Kreis des Lebens: Vereine kommen, Vereine gehen. Die fehlende Bereitschaft, sich im Verein zu engagieren, zwingt immer mehr Vereine in die Knie. Allerdings: In der Wetterau wurden zum 1. Januar 2019 zwei Vereine mehr gezählt als ein Jahr zuvor. Neu hinzugekommen sind 2018 der Petanque Club Petterweil, der Tanzclub Schwarz-Gold Butzbach, der Reha- und Gesundheitssportverein Fit Karben, sowie in diesem Jahr die Kickers Horlofftal, die Sport- und Kulturgemeinde Albanischer Verein Wetterau Friedberg und die Reitsportgemeinschaft Bindsachsen »Zum Herzberg«. Gerade in der Aufnahmephase befindet sich zudem die Karate-Schule Dokan Büdingen. Am Stichtag nicht mehr Mitglied im Landessportbund waren der TSC Karben und der SV Emekspor Friedberg, auch der KSV Weckesheim (WZ berichtete) wird in diesem Jahr aus dem Register gestrichen.

Kampfsportler müssen kämpfen

Auffällig: Die Kampfsportabteilungen in der Wetterau müssen um ihre Mitglieder kämpfen: Mit Boxen, Kickboxen, Judo, Karate, Taekwondo und Ju-Jutsu haben alle in der Wetterau angebotenen Kampfsportarten an Mitgliedern verloren. Am härtesten traf es die Kickboxer mit einem Rückgang um 69 Mitglieder auf 551. Insgesamt traten 190 Kampfsportler aus den Wetterauer Vereinen aus. Dabei fahren die Abteilungen regelmäßig Erfolge auf nationaler und internationaler Bühne ein.

Die Schwergewichte: Im Sportkreis Wetterau sind es Turnen (35 600 Mitglieder), Fußball (26 543) und Tennis (5 995). Knapp dahinter liegen Handball (5 925) und Leichtathletik (5646). So sieht es auch hessenweit aus, wo die meisten Mitglieder in den 2122 Turnvereinen organisiert sind. Der Hessische Fußballverband (insgesamt 527 494 Mitglieder) stellt mit 2133 die meisten Vereine. Nach Mitgliedern kommt Tennis auf Platz drei (119 988/-425), auch die Leichtathletik ist mit 100 712 Aktiven noch knapp sechsstellig. Hessenweit ist nur der Schießverband (1068 Vereine) bei der Anzahl der Vereine neben Turnen und Fußball noch dreistellig.

Die kleinen Fische: Im Sportkreis Wetterau stecken Darts (14 Mitglieder), der frisch aufgenommene Frisbeeverband (15), Gehörlosensport (22) und Aikido (25) noch in den Kinderschuhen. Die nach Mitgliederzahlen kleinsten Verbände hessenweit sind die Landesverbände für Modernen Fünfkampf (114 Mitglieder), Bob- und Schlittensport (156), Billard (317) und Cricket (337).

Stark gewachsen: Tanzen liegt in der Wetterau im Trend, mit 347 Mitgliedern mehr als im Vorjahr sind die Tanzvereine im Wetterauer Vergleich am stärksten gewachsen. Derzeit sind 1933 Mitglieder gemeldet. Mit dem Tanzclub Schwarz-Gold Butzbach wurde sogar ein neuer Verein gegründet. Große Zuwächse verzeichneten auch die Leichtathletikvereine mit einem Plus von 228 Mitgliedern. Erwähnenswert ist der Zuspruch beim American Football: Hier sind es nun 220 Mitglieder, ein Zuwachs von 29 Sportlern im Vergleich zum Vorjahr. Hauptsächlich verantwortlich dafür sind die Wetterau Bulls.

In der Krise: In der Wetterau sind im Schießsport im vergangenen Jahr 93 Sportler aus der Mitgliederliste verschwunden, zum Stichtag zählte der Sportkreis 4797 Mitglieder - ein Rückgang von neun Prozent. Die Zahl der organisierten Tennisspieler ist um 79 auf 5995 gefallen. Im Zehn-Jahres-Vergleich sind hessenweit die Mitgliederzahlen beim Tennis- und Schießverband um 12,2 Prozent gesunken. Aber auch die Turnvereine verlieren an Mitgliedern. Aktuell steht zum Vorjahr ein Minus von 441 Mitgliedern zu Buche.

Männerdomänen: Klar, König Fußball. Der Anteil an männlichen Kickern liegt in der Wetterau bei 89 Prozent. Noch deutlicher ist es bei dem als Kneipensport verschrienen Pool-Billard (94 Prozent) und Darts (93 Prozent). Ebenso hoch ist der Wert beim Schach.

Frauendomänen: Im heimischen Sportkreis sind 80 Prozent der 4705 Reiter weiblich, gefolgt von Tanzen (76 Prozent) und Sportakrobatik (73 Prozent). Hessenweit ist es der Turnverband eine Frauendomäne. Die Frauenquote liegt unter den etwas mehr als 600 000 Mitgliedern bei 69 Prozent. Der Spitzenreiter in Hessen ist in der Wetterau aber (noch) nicht vertreten - beim Cheerleading liegt der Frauenanteil bei 90 Prozent.

Blick in die Zukunft: Dass der demografische Wandel voranschreitet, zeigt sich daran, dass inzwischen mehr als die Hälfte der 6,2 Millionen Hessen älter als 41 Jahre sind. Die Zahl der über 60-Jährigen Mitglieder in hessischen Sportvereinen stieg um rund 50 000. Weil die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren ebenfalls in diese Altersklasse rutschen werden, ist hier ein weiterer Anstieg zu erwarten. Darauf müssen sich die Sportvereine mit ihrem Angebot einstellen.

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