08. Oktober 2019, 12:00 Uhr

Lieber eigenständig

Wie der FC Gambach dem zu mehr Spielgemeinschaften Trend entgegentritt

Der FC Gambach ist bei den Männern zurück im Fußballkreis Friedberg - und wie. Der kleine Verein aus dem Norden der Wetterau tritt dem Trend zu mehr Spielgemeinschaften erfolgreich entgegen.
08. Oktober 2019, 12:00 Uhr
Ein Mann für alle Fälle: Michael Weiser trainiert beim FC Gambach nicht nur die Seniorenmannschaft, sondern auch noch zwei Mädchenmannschaften. Er ist darüber hinaus Jugendleiter und bei den Alten Herren selbst noch aktiv. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim


Im Mittelfeld der Fußball-Kreisliga C Friedberg, Gruppe 1, rangiert die Seniorenmannschaft des FC Gambach: Zehn Spiele, 16 Punkte, zuletzt ein 3:3 am Sonntag gegen den VfR Butzbach II. Für den Verein aus dem Norden der Wetterau ist die Saison 2019/20 ein Neustart nach dem Aus der Spielgemeinschaft mit dem FC Grüningen und der Rückkehr in den Fußballkreis Friedberg. Auch die Damenmannschaft ist nicht mehr mit dem SVP Fauerbach zusammen - tritt ebenso wie die Mädchenteams wieder eigenständig an. Die Hintergründe für diesen Schritt, die Folgen seit Saisonbeginn und mögliche Schlüsse für andere Vereine erklärt Michael Weiser, Jugendleiter, Trainer und Altherrenspieler des FCG.

Herr Weiser, wie ist es dazu gekommen, dass der FC Gambach zurück in den Fußballkreis Friedberg gekommen ist?

Michael Weiser: In der Saison 2016/17 lief es schlecht, wir hatten kaum noch Spieler und auch die Motivation war am Boden. Über den Sohn des damaligen Grüninger Trainers, der bei uns in der Jugend gekickt hat, haben wir damals kurzfristig die Spielgemeinschaft gegründet. Da Grüningen der federführende Verein war, sind wir in den Fußballkreis Gießen gerutscht. Diese Zusammenarbeit haben wir nun beendet - und sind daher auch wieder zurück im Fußballkreis Friedberg.

Wo lagen die Probleme in der SG?

Weiser: Letztlich waren es dieselben Probleme, die viele Spielgemeinschaften haben. Man trainiert immer woanders, die Leute müssen fahren, man hat nur noch alle vier Wochen ein Heimspiel, die Zuschauer kennen viele Spieler nicht. So nimmt irgendwann die Identifikation und damit auch die Motivation ab. Zeitgleich hatten wir eine ähnliche Situation bei den Mädchen und Frauen mit dem SVP Fauerbach, sodass auch diese Spielgemeinschaft gelöst wurde, um den Verein komplett eigenständig noch einmal voranzutreiben. Das war im Rückblick eine sehr gute Entscheidung.

Wie fühlen Sie sich derzeit aufgestellt?

Weiser: Zu gut, wenn ich ehrlich bin. Anfangs haben wir gedacht, wir bekommen keine Seniorenmannschaft zusammen, daher hatten schon die Alten Herren signalisiert, zur Not auszuhelfen. Mittlerweile haben wir über viele junge Spieler, die teilweise erst wieder mit dem Fußballspielen angefangen haben, sowie deren Freunde und ein paar ehemalige Grüninger so viele Spieler, dass ich fast schon eine zweite Mannschaft melden könnte. Wir versuchen nun über Freundschaftsspiele jedem die Möglichkeit zu geben, ausreichend zu spielen. Es läuft also.

Wie lautet die Zielvorgabe für die laufende Saison?

Weiser: Wir haben keine, da wir vor der Saison überhaupt nicht wussten, wo wir stehen. Also geht es darum, mit Spaß beim Training und bei den Spielen dabei zu sein und möglichst gut mitzuspielen. Das gelingt uns bislang sehr gut, was mich besonders freut, da wir sehr viele sehr junge Spieler haben.

Der Weg des FC Gambach steht damit klar gegen den Trend zur Gründung von Spielgemeinschaften. Wie stehen Sie dazu?

Weiser: Wir hatten bei beinahe allen Mannschaften die vergangenen beiden Jahre Spielgemeinschaften und letztlich hat man mehr in Sitzungen gesessen, als auf dem Platz gestanden. Jetzt sind wir wieder eigenständig, können unsere Dinge selbst entscheiden und die Identifikation aller ist größer - bei gleichem oder sogar geringerem Aufwand. Zudem wird so der Verein und das Vereinsleben reaktiviert. Alleine in diesem Jahr haben wir knapp 40 Neueintritte. Mein Gefühl ist, dass die Spielklasse hier auch keine Rolle spielt, sondern dass die Leute einfach Spaß dabei haben und so dem Verein helfen.

Wie sieht es in der Jugend aus?

Weiser: Dort sind wir bei den Jungen weiterhin in Spielgemeinschaften, da es einfach nicht anders geht - und als kleiner Verein schon gar nicht. Die Interessen der Jugendlichen sind heute einfach stark gestreut.

Ist das bei Mädchen und Frauen anders, immerhin sind die Teams eigenständig?

Weiser: Hier ist das Einzugsgebiet einfach größer, da rundherum die Konkurrenz fehlt. Wir haben aktuell vier Mädchen- und eine Frauenmannschaft im Spielbetrieb, das ist für als kleiner Verein schon enorm.

Wie sehen Sie vor all diesen Hintergründen die Perspektive des Vereins?

Weiser: Im Augenblick sehe ich das sehr positiv. Die Eigenständigkeit soll bewirken, wieder jüngere Leute an den Verein und die Vereinsarbeit heranzubringen. Wir versuchen zudem unsere Jugendarbeit im Ort zu machen - mit lizenzierten Trainern, mit einem großen Fußball-Camp, bei dem wir in diesem Jahr mit fast 140 Kindern einen Rekord hatten. Und wir haben außerdem ein diesem Jahr auch in Turnier für die Vereine der Stadt Münzenberg wiederbelebt, was sehr gut ankam. Es geht uns insgesamt darum, den Namen FC Gambach wieder positiver zu besetzen und so Mitglieder zu gewinnen, die sich ehrenamtlich engagieren.

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