28. Juni 2019, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

Wie sich der EC Bad Nauheim für die Zukunft im Profisport aufstellt

Zwei Anteilseigner gehen, zwei kommen: Der EC Bad Nauheim vollzieht einen strukturellen Umbruch.
28. Juni 2019, 07:00 Uhr
Der EC Bad Nauheim stellt die strukturellen Weichen für die Zukunft im Profi-Eishockey. Ein Thema beim »Meet and Greet« im Kreis der neuen Kommanditisten waren am Mittwochabend auch die jüngsten Entwicklungen in der Stadiondiskussion. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim


Struktureller Umbruch beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim: Den Spielbetrieb verantwortet zur Saison 2019/20 eine GmbH & Co. KG. 20 Anteilseigner, sogenannte Kommanditisten, haben ihre Einmalzahlung von 1946 Euro bereits geleistet und waren wie weitere rund 20 Interessenten am Mittwochabend zum ersten »Meet&Greet«, unter anderem mit Trainer Christof Kreutzer, in den VIP-Raum des Colonel-Knight-Stadions geladen worden. Der Coach, Geschäftsführer Andreas Ortwein und Martin Schröer als Sprecher der Anteilseigner erläuterten rund zwei Stunden lang die sportlichen und strukturellen Planungen und die Hintergründe der Entscheidungen.

Inwiefern hat sich der Kreis der Anteilseigner verändert? Lothar Frank (wurde im Sommer 2017 Gesellschaftern) und Jürgen Geretschläger (Ende 2016) haben ihre GmbH-Anteile abgetreten. Neu hinzugekommen sind Michael Schnaubelt und Thomas Roßteutscher.

Michael Schnaubelt ist 58 Jahre alt, lebt in Bad Nauheim und ist beruflich als Key Account Manager/Teamleiter tätig. Die Roten Teufel begleitet er schon seit 45 Jahren. »Die positive Entwicklung in den letzten Jahren und das solide Wirtschaften«, nennt Schnaubelt als Motivation, sich beim EC Bad Nauheim zu engagieren.«

Thomas Roßteutscher ist 53 Jahre alt und lebt in Stuttgart (!). »Meine Affinität zum Sport war bisher eher überschaubar, aber interessante Storys und dynamische Entwicklungen haben meine Begeisterung geweckt«, sagt der staatlich geprüfte Bautechniker, der als Projektleiter tätig ist. »Die Situation in Bad Nauheim ist eine Besondere. Ausgestattet mit einer der treuesten Fanbase und Unterstützern hat der EC über Jahrzehnte jede sportliche und wirtschaftliche Herausforderung gemeistert. In mehrfacher Hinsicht stehen die Roten Teufel jetzt am Scheideweg. Der Abschluss der gesellschaftsrechtlichen Veränderungen dokumentiert den Anspruch, organisatorisch und hinsichtlich Innovationskraft ganz vorne im Eishockey-Sport aufgestellt zu sein. Und mit der Ausrichtung des Eventgames wird keine Herausforderung gescheut. Hier will ich dabei sein, mittendrin und nicht daneben. Deshalb engagiere ich mich.«

Warum wurde aus der GmbH eine GmbH und Co. KG? Mehr und mehr Profisport-Klubs wählen diesen Weg. Hintergrund: Kommandisten sind nicht alleine Anteilseigner, sondern auch »emotionale Botschafter für uns in der Region«, sagt Ortwein über den Einstieg über eine Einmalzahlung von 1946 Euro. Aus dem Kreis der Kommanditisten sollen zwei Mitglieder den Aufsichtsrat ergänzen.

Welche Gremien stehen hinter der KG? Zum einen der Aufsichtsrat, quasi die Gesellschafter. Das sind Martin Schröer als Sprecher, dessen Stellvertreter Michael Caspari, Thorsten Herbert sowie nun Schnaubelt und Roßteutscher. Dazu kommen der Nachwuchs- und der Förderverein. Neben dem Aufsichtsrat gibt es einen Beirat als beratendes Gremium: Diesem gehören aus dem Kreis der Werbepartner Michael Richly als Sprecher, Jörg Stangl und Alexander Zippel an. Als juristischer Berater ist Christian Fencl eingebunden. Der Aufsichtsrat wird sich sechsmal jährlich treffen, um Budget, Investitionen und Zahlen zu besprechen.

Warum gibt’s gleich mehrere GmbH’s? Die GmbH & Co. KG verantwortet den Spielbetrieb. Dazu gibt es eine Komplementär-GmbH, die die Haftung für die KG übernimmt, aber keine operative Funktion hat. Der gastronomische Bereich wurde zu Beginn der letzten Saison in die Stadion&Event-Catering GmbH ausgelagert. Zudem wurde eine DEL2-Eventgame-GmbH gegründet, um das Open-Air-Derby mit den Löwen Frankfurt in Offenbach zu organisieren. Die Gewinne aller GmbH’s fließen in vollem Umfang in die Spielbetriebs KG.

Was tut sich in der Stadion-Frage? Der Klub und die Stadt Bad Nauheim werden in den kommenden Tagen eine Machbarkeitsstudie für einen Arena-Komplex in Auftrag geben. Vorgespräche mit dem Unternehmen wurden bereits geführt. Bis spätestens zum Jahresende hofft man seitens des Klubs auf Ergebnisse, die dann zu Gesprächen mit Land, Bund und möglichen Investoren sowie Entscheidungen führen sollen. »Der alte Standort ist eine Sackgasse. Wir brauche so schnell es geht eine neue Arena mit Trainingshalle, mit einer inhaltlich und wirtschaftlich sinnhaften multifunktionalen Nutzung«, sagt Ortwein, dessen Vorlage von Schröer aufgenommen wird. »Der EC muss sich als stabiler, zukunftsfähiger Partner zeigen und möglicherweise in einer neuen Arena noch mehr Verantwortung übernehmen.« Längst habe man sich deshalb weitere Meilensteile gesetzt, wolle 75 bis 100 Kommanditisten gewinnen.

Was gibt’s Neues in Sachen Eventgame? Mitte Juli wollen die Organisatoren an die Öffentlichkeit gehen. Gespräche mit Ticketanbieter und Eisanlagenbetreiber sind abgeschlossen. Die Vermarktung sei angelaufen. Eine Extra-Homepage soll zeitnah online gehen. Dauerkarten-Inhaber erhalten Vorrechte bei der Ticketvergabe und können ihre Karte für ein Ticket am Bieberer Berg wandeln und upgraden.

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