27. April 2018, 12:00 Uhr

Down-Sportlerfestival

Zwei Friedberginnen machen es vor: Aktiv sein – trotz Handicap

Alexandra und Jenny Olef aus Fauerbach sind echte Sportskanonen – trotz ihrer Behinderung. Und am Samstag steht für die beiden Friedbergerinnen ein echter Höhepunkt auf dem Plan:
27. April 2018, 12:00 Uhr
Lieben es zu tanzen: die Friedbergerinnen Jenny (l.) und Alexandra Olef. Gemeinsam nehmen sie zum zehnten Mal am Down-Sportlerfestival in Frankfurt teil. (Foto: Nici Merz)

Mir macht das richtig Spaß«, sagt Jenny Olef und strahlt über das ganze Gesicht. Die 30-Jährige sitzt neben ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester Alexandra am Küchentisch ihrer Familie in Fauerbach und erzählt vom Down-Sportlerfestival in Frankfurt, das am Samstag stattfinden wird. Bereits zum zehnten Mal werden sie gemeinsam an dem Tag rund um den Sport von Menschen mit Downsyndrom teilnehmen – jedes Mal ein echter Höhepunkt für die beiden. Das man schon alleine daran, wie stolz die beiden Schwestern ihre bislang neun Medaillen für die Teilnahmen präsentieren.

Die Schwestern Jenny (l.) und Alexandra Olef sind stolz auf das, was sie sportlich jedes Jahr vollbringen. (Foto: Nici Merz)
Die Schwestern Jenny (l.) und Alexandra Olef sind stolz auf das, was sie sportlich jedes J...

Die beiden Schwester aus dem Friedberger Stadtteil sind echte Sportskanonen und so aktiv, wie sonst wohl kaum einer – neben ihrem Beruf. Während Jenny als Helferin im Betreuungsdienstes des Erasmus-Alberus-Pflegeheim in Friedberg arbeite, ist ihre Schwester Alexandra in Ockstadt in der Behindertenwerkstatt beschäftigt. Doch nach Feierabend heißt es: Egal ob Reiten, Schwimmen, Tanzen, Laufen, Werfen oder Springen – die Olef-Schwestern sind immer vorne mit dabei und lassen sich dabei von ihrer Behinderung nicht unterkriegen. Genau das wollen sie sich selbst und allen anderen rund 640 angemeldeten Sportlern bei dem alljährlichen Festival im Sport- und Freizeitzentrum Kalbach zeigen. Rund 3000 Besucher, Angehörige und Freunde werden als Zuschauer beim deutschlandweit größten Sportfest für Menschen mit Trisomie-21 erwartet.

 

Gänsehautmoment: Der Einlauf á la Olympia

Auch bei der inzwischen 16. Auflage haben sich die Veranstalter gemeinsam mit Sponsoren aus Wirtschaft und Gesellschaft ein umfangreiches Programm einfallen lassen. Neben verschiedenen Wettkämpfen in den Bereichen Leichtathletik und Tischtennis gibt es Workshops für Basketball, Fußball, Golf, Standardtanz und Yoga, aber auch für Gesang und Musik sowie eine Modenschau mit dem aus Funk und Fernsehen bekannten Modelagenten Peyman Amin. »Ich mag das Fest sehr gerne«, sagt Alexandra Olef. Sie macht bereits Bauchtanz, geht gerne in die Disko der Lebenshilfe und hat wie ihre Schwester auch ein großes Faible für Musik, sodass sie sich besonders auf den Workshop zum Standardtanz freut.: »Ich tanze einfach sehr gerne so richtig ab.«

Doch nicht nur der Sport steht im Fokus, sondern auch das Leben mit dem Down-Syndrom. Denn neben den Angeboten für die Sportler gibt es auch Vorträge für Angehörige und Angebote zum Spielen für Geschwister. »Das ist einfach toll, wenn die ganze Halle voll ist. Die Organisation war bislang immer top – ein ganz tolles Fest«, sagt die Mutter der beiden, Gerlinde Langstrof-Olef. »Wenn man den Einmarsch der Sportler am Anfang sieht, mit Luftballons und zur Nationalhymne, dann kommen nicht wenigen Eltern auf den Rängen die Tränen. Das ist ein echter Gänsehautmoment, weil man richtig spürt: Unser Kind ist heute etwas wert.« Ihre Töchter hätten ihr einmal gesagt, dass Fest gefalle ihnen auch deshalb so gut, weil sie dort endlich einmal unter Ihresgleichen seien – ohne Menschen ohne Behinderung oder Menschen, die ein anderes Handicap hätten. Hier könnten sie so sein, wie sie wollen.

 

Die farbigen T-Shirts sind bei den Olefs ein Renner

Und der olympiareife Einzug hat auch für die Sportler selbst große Bedeutung. Stolz zeigen die beiden Olef-Schwestern ein reich bebildertes Buch, das über eines der vergangenen Sportfeste gemacht wurde – und in dem sie natürlich auch verewigt sind. Die bunten T-Shirts – jede Altersgruppe bekommt eine andere Farbe – sind bei den Olef-Schwestern übrigens der Renner im Kleiderschrank, auch wenn Vater Johannes zugibt, dass er ein schon ein paar aussortieren musste. Das Fest sei auch für ihn jedes Mal ein tolles Ereignis, auch wenn der lange Tage durchaus anstrengend sei und man bei solchen Teilnehmern und Angeboten leicht die Übersicht verliere – doch dafür gebe es ja die verschiedenen T-Shirt-Farben. Auch die beiden Schwestern geben zu, dass sie abends meist todmüde sind – doch wenn danach noch etwas auf dem Terminplan steht, dann wird das Adrenalin einfach mitgenommen, zum Beispiel auf die nächste Tanzfläche.

Info

Stichwort: Trisomie 21

Trisomie 21 ist eine angeborene Kombination verschiedener geistiger Behinderungen und körperlicher Fehlbildungen, die durch eine Genommutation verursacht ist, bei der das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden sind. Der Begriff des heute umgangssprachlich verwendeteten Down-Syndroms geht auf den britischen Arzt und Apotheker John Langdon-Down zurück, der das Syndrom im Jahr 1866 erstmals beschrieben hatte. In Deutschland leben heute etwa 30 000 bis 50 000 Menschen mit Trisomie 21.

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