03. Mai 2021, 07:00 Uhr

In der Corona-Falle

Amateursportler wieder ausgebremst

Die Vielfalt der Regeln hat die nächste Stufe erreicht. Dieser Tage trat in der Wetterau die Bundesnotbremse in Kraft, die die leichten Sport-Lockerungen vom März kippte. Wir haben die Klubs gefragt.
03. Mai 2021, 07:00 Uhr
Kontaktlos ist das dominierende Wort in den sportlich bedeutenden Passagen der Bundesnotbremse. Im Freien, z. B. beim Fußball, dürfen sich Kinder unter 14 immerhin in Kleingruppen bewegen, wenngleich nur mit Abstand. (Foto: Matthias Koch (www.imago-images.de))

Seit einer Woche gilt nun die neu im Infektionsschutzgesetz (IfSG) installierte Bundesnotbremse. Dieses Instrument beeinflusst das Training im Jugendbereich erneut enorm. Liegt in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 - so wie aktuell im Wetteraukreis - tritt folgende Regelung in Kraft:

Personen ab Vollendung des 14. Lebensjahres: Es ist lediglich kontaktloser Individualsport alleine, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands möglich.

Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres (also vor dem 14. Geburtstag): Über die oben genannte Regelung hinaus dürfen Kinder kontaktlosen Sport im Freien in Gruppen von höchstens fünf Kindern ausüben.

Zu beachten ist hierbei: Sogenannte Anleitungspersonen der Kinder - nach Landessportbund-Auffassung sind dies nur Trainer und Übungsleiter - müssen auf Aufforderung des Gesundheitsamts ein negatives Testergebnis vorlegen, das nicht älter ist als 24 Stunden. Wie der Wetteraukreis auf Nachfrage mitteilte, hat man bisher keine dementsprechende allgemeine Anordnung erlassen. Insoweit müssen Anleitungspersonen (noch) keine negativen Tests vorlegen.

Was diese Regelungen für den aktuellen Sportbetrieb an der Basis bedeuten, erklären im Folgenden drei Wetterauer von den Vereinen TG Friedberg, SC Dortelweil und Ober-Mörler TC.

Wie beeinflusst die »Corona-Notbremse« das aktuelle Training?

Ulrich Götz, Beauftragter für Jugendprojekte (TG Friedberg): Wir hatten für unsere Jugendlichen sowohl das Training in der Halle als auch im Freien anhand der erlaubten Richtlinien angeboten. Dieses haben wir nun - auch aus Solidarität zu anderen Vereinen - nach einem Vorstandsbeschluss komplett eingestellt. Dabei hätten wir in der Seebachhalle weiterhin unsere Trainingsformen anbieten können. Hier wären wir von der Notbremse nicht betroffen gewesen. Es gibt im IfSG keinen expliziten Ausschluss von Hallensport, sodass auch kontaktloser Individualsport alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands in Innenräumen möglich ist.

Dirk Münkel, Sportlicher Leiter Junioren/innen (SC Dortelweil, Fußball): Wir haben unser Jugendtraining den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Unsere Coaches trainieren in Stationsformen mit den entsprechenden Gruppenstärken. Da dies nur auf dem Kunstrasen möglich ist, haben wir mit insgesamt 26 Mannschaften derzeit nur begrenzte Trainingszeiten pro Team zur Verfügung. Hinzu kommt noch unsere Bundesliga-Mannschaft der B-Juniorinnen. Zur Zeit arbeiten wir mit der Stadt Bad Vilbel an einer adäquaten Trainingslösung.

Michael Schaub, Sportwart (Ober-Mörler TC, Tennis): Die Notbremse ist fast zeitgleich mit unserer Platzeröffnung in Kraft getreten. Zwar können zur Zeit Einzel gespielt werden, doch für das Training bedeutet dies einige Hindernisse. Nur ein Trainer und ein Spieler dürfen gleichzeitig auf den Platz, der Trainer soll einen aktuellen negativen Test vorweisen. Das alles macht Mannschaftstraining unmöglich. Und man darf nicht vergessen, dass der Coach im Tennis stundenweise bezahlt wird, meistens sogar im Voraus. Nach den neuen Regeln wäre ja ein Vielfaches der Stunden zu leisten - und zu bezahlen. Eine Problematik ist auch der Beginn der Medenrunde, die am 12. Juni starten soll. Ich sehe den Start massiv gefährdet, auch wenn der HTV bisher noch keine Aussage über eine weitere Verschiebung getroffen hat.

Was denken Sie, wann wieder ein geregelter Trainingsbetrieb möglich sein wird?

Götz: Ich denke, dass wir in drei Wochen wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen können und werden. Ich hoffe, dass dann die Inzidenzen so weit gefallen sind, dass wir zu den Trainingsformen vor der Notbremse zurückkehren können.

Münkel: Wir gehen von einem Rundenstart im Spätsommer aus. Hier ist der September wohl realistisch. ,Den Trainingsbetrieb werden wir entsprechend vordatieren in der Hoffnung, dass wir ein Fußball-gerechtes Mannschaftstraining für alle anbieten können. Wünschenswert wäre ebenfalls, wenn zu Rundenbeginn Zuschauer zugelassen werden.

Schaub: Da wir im Freien trainieren, sehe ich die Gefahr nicht so groß. Meiner Meinung nach könnte auch zu viert gespielt und trainiert werden, folglich wären auch Doppel möglich. Ich hoffe, dass das bald umsetzbar ist und wieder ein geregelter Trainingsbetrieb stattfinden kann.

Was erwarten Sie von der Politik im Hinblick auf den Sport?

Götz: Ich wünsche mir seitens der Politik rationale Entscheidungen. Die vielen Ausnahmen verwirren. Wir brauchen Planungssicherheit. Es wäre schön, wenn einfach mal Dinge ohne Einschränkungen ausprobiert werden würden.

Münkel: Von unseren Politikern wünsche ich mir klare und verständliche Regeln, nicht immer nur Verbote. Es müssen endlich Lösungen her. Es müssen mehr Möglichkeiten geschaffen werden, um wieder unter normalen Bedingungen seinem Hobby nachgehen zu können.

Schaub: Mein Wunsch an die Politik wäre mehr Mut zum Risiko. Es sollten endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, die einem mehr Möglichkeiten bieten, gerade was die Öffnungen und Lockerungen im Freien angeht.

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