10. März 2021, 19:31 Uhr

Lokalsport

Auf der Jagd nach dem richtigen Augenblick

Ein Foto von Andreas Chuc hat bei der Wahl zum DEL2-Foto des Jahres den zweiten Platz belegt. Der freie Fotograf unserer Redaktion spricht über seine Arbeit, seine Ausrüstung und die Auszeichnung.
10. März 2021, 19:31 Uhr
»Flying Bick«! Dieses Foto mit Felix Bick vom EC Bad Nauheim bei den Jubel-Szenarien nach einem Sieg des EC Bad Nauheim hatte bei der Wahl zum DEL2-Foto der Saison 2019/20 den zweiten Platz belegt. FOTO: CHUC

»Flying Felix Bick«, der vor die Fankurve springende Torwart des EC Bad Nauheim, hatte Andreas Chuc Platz zwei bei der Wahl zum DEL2-Foto der Saison 2019/20 gebracht. Inzwischen hat das Motiv von »Chuc Fotografie« die Abstimmung zum Foto des DEL2-Foto des Monats Dezember gewonnen. Es trägt den Titel »Schierleader« und zeigt zwei Schiedsrichter. »Das Bild ist einfach eine lustige Momentaufnahme. Erst im Nachgang am PC hab ich die Wirkung des Motives wahrgenommen und es zur Abstimmung an die DEL 2 gesandt«, sagt Chuc. Neben dem Fan-Voting aus der DEL2-Homepage fließen auch Meinungen der DEL2, von SpradeTV und der Fachzeitung Eishockey News in das Ergebnis ein. Andreas Chuc ist seit 2008 freiberuflich für die Wetterauer Zeitung in Eisstadien, Sporthallen und auf Fußballplätzen mit der Kamera unterwegs ist. Mit unserer Redaktion spricht der 43-jährige Polizeibeamte über. . . .

seine Begeisterung an der Sportfotografie: Das kommt von meiner persönlichen Affinität; zum Sport ebenso wie zur Fotografie. Von Kleinauf war ich immer aktiv, habe selbst Eishockey gespielt und später in der Schule Spaß am fotografieren gefunden. Dass ich beides verbinde ist der logische Schritt gewesen. Als Hobby-Sportler hätte ich es nicht in professionelle Sphären geschafft. Das war auch nicht mein Anspruch. Jetzt bin ich fasziniert davon, den einzigartigen Augenblick festzuhalten, einen Moment voller Emotionen, wie er so nie wieder kommt.

ein gutes Bild: Einerseits muss die technische Umsetzung stimmen, das heißt: ordentliche Schärfe und Bildaufbau, keine Störfaktoren. Andererseits ist der Inhalt entscheidend: Ich mag Emotionen, Gesichter, die Kampf oder pure Freude ausdrücken.

seine Vorahnung, wo sich eine Szene entwickelt: Gerade bei Ballsportarten ist ein bisschen Erfahrung sicher hilfreich. Wo wird der Pass hingespielt? Wann kommt eine Flanke? Beim Eishockey spielt dies auch eine Rolle, allerdings ist durch die technische Entwicklung vieles einfacher geworden. Man kann Ausschuss knipsen. Mit einer Serienbild-Funktion beim Fotografieren ist hier das Vorausahnen einer Szene ein bisschen in den Hintergrund gerückt.

seinen Lieblingssport: Eishockey. Ganz klar. Das ist einfach unheimlich faszinierend und begleitet mich schon mein Leben lang.

die Zahl der Fotos pro Spiel: Beim Eishockey waren’s anfangs 500 bis 600. Heute, mit besserer Technik, komme ich auch schon mal auf 1200 Fotos pro Spiel.

seine Ausrüstung: Anfangs habe ich mit einer Canon-Kamera die Spielgelreflex-Fotografie erkundet. Ende 2018 habe ich meine Ausrüstung komplett auf Sony umgestellt. Sony hat den Spiegelmechanismus, das typisch e Klickgeräusch, abgeschafft. Fast alles läuft rein digital. Ich nutzte die Sony alpha 9 mit ihrem sehr schnellen Bildsensor und lichtstarke Objektive. Dadurch können auch schnelle Bewegungen im Sport problemlos festgehalten werden.

ein Wochenende als freier Mitarbeiter: Freitags bekomme ich meine Termine und erstelle dann - sofern möglich - bereits die Schriftsätze, die später in den Metadaten der Dateien hinterlegt werden. In Spitzenzeiten fotografiere ich sonntags drei Fußballspiele, die zeitgleich angestoßen werden. Ich starte beim Spiel mit der längsten Anfahrtsstrecke, damit ich später schnell zu Hause mit der Bearbeitung beginnen kann. Ich versuche, 20, 30 Minuten vor Beginn vor Ort zu sein und besorge mir die Mannschaftsaufstellungen mit den Rückennummern, was seit der Änderungen in der Datenschutzgrundverordnung gelegentlich zu Diskussionen führt. Auf dem Platz richte ich mich meist nach den Lichtverhältnissen aus, um nicht gegen die Sonne zu fotografieren und Blendenflecken sowie Störungen zu vermeiden. Wichtig ist zu spekulieren, wo etwas passieren könnte, oder welches Team favorisiert ist und entsprechend für Torszenen sorgt. Spätestens zur Pause geht’s zum nächsten Spiel. Die eigentliche Arbeit beginnt zu Hause. Fotos auswählen, beschriften, in punkto Farbgebung, Helligkeit und Bildausschnitt bearbeiten. Bei zeitlicher Notwendigkeit abends mache ich das auch mal direkt im Stadion oder auf dem Sportplatz und lade dann die Dateien in Galerien auf meiner Webseite hoch, damit die Redaktion zeitnah Zugriff hat.

das zeitintensive Hobby: Es ist die Faszination Sport. Als Kind habe ich schon beim EC Bad Nauheim in der Kurve gestanden. Und auch ohne die Fotografie wäre ich bei den Spielen im Stadion. Zusätzlich muss ich mich da natürlich bei meiner Familie bedanken, die mir diesen Freiraum einräumt und mich unterstützt.

den Unterschied zwischen Amateur und Profisport: Richtig intensiv wird der Sport in meinen Augen erst, wenn du eine entsprechende Nähe zum Team sowie den Akteuren aufgebaut hast und richtig mitfiebern kannst. Diese Möglichkeit steht im Amateursport fast jedem ambitionierten Fotobegeisterten offen. Der zeitliche Aufwand, um sich als Fotograf in professioneller Umgebung zu etablieren ist sehr hoch und in sporadischer Anwesenheit kaum durchzuführen. Wer es gelernt hat, auf Amateursportplätzen oder in dunklen Hallen ansprechende Fotos zu schießen, kann es unter guten Lichtverhältnissen im professionellen Umfeld erst recht.

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