09. September 2021, 19:53 Uhr

Der kleinste DEL-Standort

09. September 2021, 19:53 Uhr
Brendon Ranford zählt zu den wenigen Neuzugängen der Bietigheim Steelers, die heute ihr erstes DEL-Spiel bestreiten werden. FOTO: IMAGO

Das Kribbeln beginnt bei den Bietigheim Steelers schon Tage vor dem ersten Erstligaspiel der Vereinshistorie. Dass der kleine Club heute erstmals in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) antritt, ist aber nicht nur für das Team aus der rund 40 000-Einwohner-Stadt nördlich von Stuttgart etwas Spezielles, sondern für die gesamte Liga. Zum ersten Mal seit 15 Jahren hat die DEL wieder einen richtigen Aufsteiger. Nach langer Kontroverse ist die Gefahr des Abstiegs für etablierte Clubs und die - allerdings eingeschränkte Chance - des Aufstiegs wieder zurück.

»Wir sind einen ganz, ganz entscheidenden Schritt weitergekommen, um da zu sein, wo wir hinwollen«, sagte Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch. »Wir wollen uns mittelfristig in der Liga etablieren.« Man kenne seine Rolle, vom ersten Tag an um den Klassenerhalt zu spielen. »Die Klasse zu halten, ist eine größere Herausforderung, als aufgestiegen zu sein.«

Bei den Steelers durften etliche Spieler aus dem vergangenen Zweitliga-Jahr bleiben. »Es ist etwas Besonderes als kleinster Standort der Liga. Wir haben auch den kleinsten Etat. Den Kader zu planen, mit unserem Etat, war eine Herausforderung«, räumte Schoch ein. Reicht das für die DEL? »Wir müssen überall besser werden«, forderte der kanadische Trainer Daniel Naud und warnte: »Wir sollten uns nicht von den Gegnern erschrecken lassen.«

Weil aufgrund der Risiken in der Corona-Krise der Abstieg noch verschoben wurde, starten in der erneut ungewöhnlichen Saison ausnahmsweise 15 statt wie gewohnt 14 Teams. Als Aufsteiger 2022 kommt jedoch wegen der erforderlichen wirtschaftlichen Nachweise nur Frankfurt im Falle des Titelgewinns infrage.

Zuvor letzter regulärer Aufsteiger war Straubing. Auch die Niederbayern, die Bietigheim nun mit einer vergleichbaren Einwohnerzahl als kleinster Standort ablöst, haben sich gut etabliert. 2020 war Straubing aussichtsreich dran, um den Titel mitzuspielen, wäre die Saison nicht abgebrochen worden.

Für Bietigheim erfüllte sich mit dem Aufstieg ein Traum am Ende einer verrückten und von Corona-Quarantänen beeinträchtigten Saison. 2020 war den Steelers zunächst die DEL2-Lizenz verweigert worden. Nur nach dem Gang vors Schiedsgericht und unter »harten Auflagen« durften sie antreten. »Es ging darum, dass Bürgschaften nicht rechtzeitig beantragt oder ausgestellt worden sind. Die haben wir im Nachgang geliefert«, erklärte Schoch im Podcast »Shorthanded News«. »Wir waren auch die ganze Saison zahlungsfähig.« Im Finale gegen Kassel verloren die Steelers zwei Spiele, drehten die Serie mit drei Siegen am Stück.

»Jetzt geht das Kribbeln los«, sagte Schoch vor dem Auftakt gegen Ingolstadt. Ein Hype hat sich in der Corona-Krise nicht entwickelt. Dass 1125 Dauerkarten für die rund 4500 Zuschauer fassende Halle, die voll gefüllt werden darf, verkauft seien, sei weniger als erwartet, sagte Schoch: »Lasst uns daran glauben, dass es viel, viel besser wird als die meisten uns zutrauen.«

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