04. November 2021, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Der verrückte Weg von Robin van Calster

Robin van Calster hat am Dienstag seinen ersten Treffer für den EC Bad Nauheim erzielt. Der 18-Jährige ist in Belgien geboren und hat einen verrückten Weg eingeschlagen, um Eishockey-Profi zu werden.
04. November 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Robin van Calster

Den Puck hat er mitgenommen. Natürlich. Das gehört im Profi-Eishockey dazu. Robin van Calster hat am Dienstagabend in seinem fünten Spiel für den Zweitligisten EC Bad Nauheim seinen ersten Treffer erzielt. »Der Puck kommt auf den Schrank. Da stehen noch andere Erinnerungen«, sagt der 18-Jährige, der bei DEL-Kooperationspartner Köln unter Vertrag steht und bei den Roten Teufeln die ersten Erfahrungen im Erwachsenen-Spielbetrieb sammeln soll.

Robin van Calster ist bis zum Profi-Eishockey einen sehr langen Weg gegangen; und dies kann man fast wörtliche nehmen. In Bonheiden, quasi auf halber Strecke zwischen Antwerpen und Brüssel, ist van Calster aufgewachsen, in Belgien, das mit seiner Nationalmannschaft in der Weltrangliste auf Rang 36 geführt wird; hinter der Volksrepublik China, Australien und Israel im übrigen.

Von Bonheiden nach Köln, wo van Calster von der Altersklasse U 11 an gespielt hat, sind’s rund zwei Autostunden - einfache Strecke wohlgemerkt. Und die war mehrfach wöchentlich zu fahren. »Ja, das ist schon ein bisschen crazy gewesen, ich weiß. Und ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir dies ermöglicht haben.« Mit dem Wechsel in die U 16 zog van Calster ins Internat in der Domstadt und beendete die schulische Ausbildung mit dem Fach-Abitur. »Die Schule war anfangs schwer, ich musste die Sprache lesen und schreiben lernen. Jetzt aber ist alles gut«, sagt van Calster.

In Bad Nauheim hatte man den 1,85 Meter großen und 91 Kilogramm schweren Teenager bereits in der Vor-Saison auf dem Zettel. Die Einbürgerung - van Calster besitzt nun neben dem belgischen auch einen deutschen Pass - hatte sich aber in die Länge gezogen; für den Flügelstürmer war’s - auch auf Grund der Corona-Pandemie - ein fast verlorenes Jahr. Sechs Spiele bestritt er noch für die U20 der Junghaie, wurde vom Deutschen Eishockey-Bund für die U18-Weltmeisterschaft nominiert, brach sich dann beim Turnier im vierten Spiel eine Rippe. »Ich bin froh, dass ich nach den vergangenen eineinhalb Jahren jetzt endlich wieder ganz normal spielen kann«, sagt der Linksschütze, der während der vielversprechenden Saison-Vorbereitung im DEL-Kader der Haie den nächsten Rückschlag zu verdauen hatte - einen Muskelbündelriss und die damit verbundene sechswöchige Pause.

Vor rund zwei Wochen ist Robin van Calster nun nach Bad Nauheim gekommen. Abgeschoben fühle er sich deshalb nicht. »Natürlich, Köln ist toll, die Mannschaft spielt in der riesigen Arena. Aber hier in Bad Nauheim macht’s Spaß. Die Fans sind unglaublich laut, die Teamkollegen unterstützen mich.« Nach zwei Spielen mit nur ganz sporadischen Einsätzen hatte die Rückkehr von Marc El-Sayed dann Signalwirkung; für van Calster ebenso wie Leon Köhler. Mit dem Ex-DEL-Profi in ihrer Mitte schenkt Trainer Harry Lange dem Trio als vierter Reihe das Vertrauen. »Von Marc kann man unheimlich viel lernen. Und man weiß, dass er da ist und mit all seiner Erfahrung auch noch korrigieren kann, wenn man einen Fehler macht«, sagt van Calster, dessen Eltern während der vergangenen beiden Heimspielen ebenso wie in Frankfurt vor Ort mitgefiebert haben.

Sein Ziel - und zwar noch in dieser Saison: die Deutsche Eishockey-Liga. Das spricht für den Ehrgeiz des jungen Mannes, der im vergangenen Jahr bereits von Klubs der National Hockey League kontaktiert worden war. Ein loser Kontakt, mehr nicht, wie er bescheiden sagt. »Dass ich mich in der vergangenen Saison und bei der WM kaum zeigen konnte, hat genervt. Aber, ich kann’s nicht ändern.« Er sei noch jung, Druck verspüre er deshalb nicht. Und in Bad Nauheim scheint van Calster den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen zu können. FOTO: CHUC



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