15. Januar 2021, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim im Corona-Quarantäne-Modus

Positiv getestete Spieler, zwei Wochen Quarantäne für einen Großteil der Mannschaft, sechs Spiele ausgefallen - die wichtigsten Fragen und Antworten zum Quarantäne-Modus des EC Bad Nauheim.
15. Januar 2021, 07:00 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler
»Geschlossen« - Angesichts der Quarantäne der Profis des EC Bad Nauheim ist der Betrieb im Colonel-Knight-Stadion beinahe vollständig zum Erliegen gekommen. (Foto: Chuc)

Der 3:2-Sieg gegen die Dresdner Eislöwen am 3. Januar war das erste und einzige Spiel des EC Bad Nauheim im neuen Jahr. In der Woche danach dann der Corona-Schock. Die Folge: Symptome und ein Reihentest, das Ergebnis ist bekannt: Die »Roten Teufel« sind nach einer nicht näher bezifferten, niedrigen einstelligen Zahl von Corona-Fällen die zweite Woche in Quarantäne, sechs Punktspiele fallen dieser zum Opfer. In der kommenden Woche soll es weitergehen, doch bis dahin sind noch Fragen zu klären.

Wie ist der allgemeine Zustand der Mannschaft?

Matthias Baldys, der Sportliche Leiter des ECN, gibt Entwarnung: Einige wenige Spieler zeigten zwar Erkältungssymptome, im Großen und Ganzen gehe es dem Team aber gut. Täglich würde er Symptome und Veränderungen des Gesundheitszustands abfragen und protokollieren. »Ich stehe jeden Tag mit jedem Spieler in Kontakt - telefonisch oder per WhatsApp«, erklärt Baldys.

Was machen die Spieler in der Quarantäne?

Während Verteidiger Daniel Ketter die Zeit vor allem seiner fast einjährigen Tochter widmet, fällt Stürmer Andreas Pauli etwas die Decke auf den Kopf. »Ich glaube, ich habe inzwischen zum achten Mal die Wohnung geputzt. Ansonsten schaue ich Eishockeyspiele an oder mache Yoga, um meine Routinen und meinen Tagesablauf beizubehalten«, erzählt Pauli. »Aber es ist schon abartig langweilig.« Dennoch betont er: »Wir jammern auf hohem Niveau. Wir müssen auch die restlichen Tage Verantwortung zeigen und unsere Mitmenschen schützen.« Das sieht auch Ketter so, dem angesichts des Nachwuchses aber immerhin nicht langweilig wird. »Nach so einem engen Spielplan ist man auch mal froh, eine Pause und etwas Abstand zu haben«, sagt er - weiß aber auch: »Das Restprogramm wird natürlich jetzt noch straffer und damit auf keinen Fall einfacher.«

Wie halten sich die Spieler in der Zwischenzeit fit?

Alle Spieler, die negativ getestet sind und auch keinerlei Symptomatik zeigten, trainieren im »Homeoffice«. Dafür verschickt EC-Athletiktrainer Marc Lubetzki jeden Tag ein 30- bis 45-minütiges Trainingsprogramm mit Videoanleitungen für Kraft und Ausdauer. Zudem hat der Verein in dieser Woche bei Sponsor und Partner, der Fitnessstudiokette »Sanfit«, Spinning-Bikes ausgeliehen, die den Spielern vom Verein bis an die Haustür geliefert wurden. »Die Jungs wissen genau, was sie zu machen haben. So können sie ihre Form halten«, erklärt Lubetzki, auch wenn das Eistraining damit natürlich nicht vollständig ersetzt werden könne. »Aber wir versuchen in der Situation eben das Beste herauszuholen.« Die beiden zuletzt Verletzten Huba Sekesi und Freddy Cabana bekämen zudem individuell angepasste Trainingspläne, um nach Ende der Quarantäne wieder ins Mannschaftstraining einsteigen zu können.

Was machen die Trainer in der Zwischenzeit?

Cheftrainer Hannu Järvenpää nutzt die freie Zeit zum Fernsehschauen - viele Stunden aus DEL, DEL 2 und der finnischen Profiliga habe er gesehen. »Es ist mein persönliches Ziel, in dieser Zeit etwas Neues zu lernen. Es ist wirklich interessant und aufregend, etwas über die Strategien und Match-Pläne der einzelnen Teams herauszufinden«, erklärt der Finne. Auch wenn angesichts des engen Spielplans bis zum Ende der Hauptrunde - u. a. mit drei Spielen in mindestens sieben von zehn verbleibenden Wochen - keine gravierenden Änderungen im Training möglich seien, könne man in der Detailarbeit auf diese Weise noch etwas verbessern. Zudem steht auch Järvenpää in Kontakt mit seinen Spielern, versucht Geduld zu vermitteln und die Motivation aufrechtzuerhalten. »Es wird sehr interessant zu sehen sein, wenn die Jungs voller Aufregung und Energie wieder aufs Eis zurückkommen«, sagt Järvenpää. Er ist sich sicher: »Meine Spieler gehen alle sehr professionell mit der Situation um. Sie werden bereit sein, wenn sie wieder spielen können und müssen.«

Was muss vor dem Restart noch getan werden?

Bis mindestens einschließlich Sonntag müssen alle EC-Spieler in Quarantäne bleiben, dann dürfen die Negativgetesteten wieder raus, die Positivgetesteten müssen bis einschließlich Montag in Isolation bleiben und dürfen erst nach einem weiteren negativen Schnelltest wieder in die Freiheit. Vorsorglich werden sich alle Spieler in der kommenden Woche umfangreichen medizinischen Tests unterziehen, dazu gehören Untersuchungen an Herz, Lunge und Blut sowie ein Corona-Antikörpertest, wie Baldys erklärt. Die Fäden hierfür laufen - ebenso wie der Kontakt zum Gesundheitsamt - bei ihm zusammen. Die Botschaft des Klubs hinter dem Aufwand: »Jeder soll mit dem Wissen in den Bus steigen, dass er sporttauglich ist und auch keine Folgen fürchten muss. Und natürlich geht es auch ein Stück weit darum, die Thematik wieder aus den Köpfen zu bekommen.« Für die Positivgetesteten ist das Prozedere im Zuge des »Return to play«-Protokolls des Deutschen Olympischen Sportbundes (siehe Kasten) vorgeschrieben. Das hat der um Weihnachten herum positiv auf das Coronavirus getestete Verteidiger Tomas Schmidt schon hinter sich - er wird also in den Kader zurückkehren. »Ich hoffe, dass wir zum Spiel gegen Weißwasser nächste Woche Freitag eine volle Kapelle haben - auch mit den Jungs aus Köln.« Die Förderlizenzspieler, die zuletzt bei der U 20-WM weilten oder aufgrund von fehlendem Kontakt zur Mannschaft nicht in Quarantäne sind, befinden sich aktuell im DEL-Training beim Kooperationspartner. Baldys Hoffnung: »Wenn alle fit sind, können wir wieder angreifen und auch jeden schlagen - körperlich und geistig sind wir in jedem Fall ausgeruht.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos