17. Februar 2021, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Mit Reset-Knopf und Emotionen

Am Dienstag s
17. Februar 2021, 07:00 Uhr
Trainerwechsel: Patrick Strauch (links) unterstützt seinen langjährigen Wegbegleiter Harry Lange, der nach der Freistellung von Ha nnu Järvenpää den EC Bad Nauheim in die Playoffs führen soll. (Foto: Nici Merz)

Am Dienstagvormittag standen Harry Lange und Patrick Strauch zusammen auf dem Eis. Aus dem langjährigen Teamkollegen ist ein Trainer-Duo geworden; mit Lange als Chef. Der 37-jährige Österreicher rückt beim EC Bad Nauheim vom Assistenz- zum Headcoach und Nachfolger von Hannu Järvenpää auf und soll die Roten Teufel in die Playoffs der Deutschen Eishickey-Liga 2 führen.

Am Dienstagmorgen wurde die Mannschaft in Kenntnis gesetzt. Der Finne verabschiedete sich in der Kabine von den Spielern. Anschließend absolvierte der Kader - im übrigen mit den zuletzt fehlenden Christoph Körner und Freddy Cabana - das erste 60-minütige Training unter Lange/Strauch, die die Übungseinheit gemeinsam leiteten.

Konstanz fehlte

»Wir haben eine Inkonstanz in unseren Leistungen gesehen und damit auch die Gefahr, dass sich dies bis Saisonende durchzieht. Jetzt haben wir einen neuen Impuls gesetzt und hoffen, in der Kabine einen Reset-Knopf in den Köpfen drücken und auch emotional pushen zu können«, erklärt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer den Wechsel.

Järvenpää nahm’s professionell: »Wenn man als Trainer einen Vertrag unterschreibt, weiß man, dass solche Dinge passieren können«, sagte er gegenüber unserer Redaktion. Der Finne wirkte am »Tag danach« gefasst und enttäuscht zugleich. Die Entscheidung müsse er nun erstmal sacken lassen, sagt er.

Järvenpää war im Sommer als Nachfolger von Christof Kreutzer in die DEL 2 (hier war er Trainer des Jahres 2017) zurückgekehrt. Sein Spielstil hatte zum verspäteten Hauptrunden-Start im November in den Heimspielen begeistert und zum Träumen verleitet. Es folgte der Dezember mit zahlreichen personellen Ausfällen. Teils 16-/17-jährige Nachwuchsspieler aus Köln wurden ins kalte Wasser geworfen, weil personelle Alternativen fehlten, was Järvenpää stets loyal akzeptiert hatte, ohne auf externe Verstärkung zu drängen, zu klagen oder Ausreden zu suchen. »Die Mannschaft, die auf dem Eis steht, ist die beste, die wir haben«, betonte er immer und verteidigte seine Philosophie, an die er fest glaubt.

Im Januar ist der Kader dann durch positive Corona-Tests und Quarantäne nochmals ausgebremst worden. Licht und Schatten wechselten. Tiefpunkt: ein blutleerer Auftritt in der vergangenen Woche beim 1:5 in Frankfurt. Zuletzt hatte ein Vier-Punkte-Wochenende den tabellarischen Fall aufgehalten. Die Roten Teufel belegen aktuell Rang neun, haben 28 von 52 Hauptrundenspielen bestritten.

»Ich wollte einen anderen Stil nach Bad Nauheim bringen, der auf Qualitäten der Verteidiger aufgebaut ist. Wir waren anfangs auf einem guten Weg«, sagt Järvenpää, dem das lange Festhalten an seiner Strategie und fehlende taktische Flexibilität vorgeworfen wurde, ehe er doch noch reagierte - zu spät. »Das braucht eben seine Zeit. Wie bei einem Tanker auf hoher See. Nun wird das Schiff eben von einem anderen Kapitän gesteuert.« Järvenpää zieht es in seine Heimat nach Finnland. Dort - so seine Überlegungen - will er den Trainern über die Schulter schauen und sich so weiterbilden.

Bei den Roten Teufeln überrascht nicht die Reaktion selbst, sondern der Zeitpunkt - quasi mit einer Woche Anlauf nach dem Derby. Man habe die Entscheidung aus tiefer Überzeugung heraus getroffen und nicht, weil man sich von Gefühlen und Kritik leiten lassen wollte, sagte Geschäftsleiter Dag Heydecker. Gespräche mit dem Aufsichtsrat hätten das Bild in den vergangenen Tagen abgerundet; ergebnisunabhängig und mit Blick auf die Zukunft ausgerichtet.

In der nun 13-jährigen Amtszeit von Geschäftsführer Andreas Ortwein ist Hannu Järvenpää nach Frank Carnevale erst der zweite Trainer, der vorzeitig von seinen Aufgaben entbunden wurde.

Harry Lange nach zweieinhalb Jahren als Assistent nun die Cheftrainerrolle zu übertragen, lag auf der Hand. Schon im Sommer wurde der Österreicher, der vor neun Jahren als Spieler nach Bad Nauheim gekommen war, als Headcoach gehandelt. Jetzt erhält der 37-Jährige seine DEL 2-Chance. In Verbindung mit Strauch, einem langjährigen Teamkollegen und Freund, setzt der EC Bad Nauheim zweifellos auf emotionalen Faktor. Zusammen hatte das Duo mit den Roten Teufel 2013 die Oberliga-Meisterschaft gewonnen und den DEL 2-Aufstieg gefeiert. 2018 hatte Lange seine aktive Laufbahn im Colonel-Knight-Stadion beendet.

Mit Felix Bick, Daniel Ketter, Marvin Ratmann, Andreas Pauli und Nouri Bettahar finden sich gleich fünf Spieler im aktuellen Kader, mit denen Lange noch zu seiner aktiven Zeit selbst auf dem Eis gestanden hatte.

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