08. Juli 2021, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Sportverbot - Marc El-Sayed wird zum Saisonstart fehlen

Herzmuskelentzündung! Marc El-Sayed darf seinen Körper auch fünfeinhalb Monate nach der Diagnose nicht belasten. Der Kapitän des EC Bad Nauheim wird zum Saisonstart fehlen.
08. Juli 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Wann geht’s zurück auf das Eis? Marc El-Sayed darf aufgrund einer Herzmuskelentzündung seit Mitte Januar keinen Sport treiben. FOTO: CHUC

Marc El-Sayed braucht in diesen Tagen viel Geduld. Sehr viel Geduld. Im Januar war beim 30-jährigen Kapitän des EC Bad Nauheim eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert worden; mutmaßlich als Folge einer Covid-19-Erkrankung. Heute, fast sechs Monate später, darf der Profisportler seinen Körper noch immer nicht belasten. Zum Hauptrundenstart der DEL 2 Anfang Oktober - so viel steht bereits fest - wird El-Sayed den Roten Teufeln fehlen. Und das wiederum zwingt den Eishockey-Zweitligisten zum Handeln.

»Ich bin auf dem richtigen Weg, aber die Genesung lässt sich eben nicht beschleunigen. Ich muss die Sache sprichwörtlich aussitzen«, sagt El-Sayed, der unserer Redaktion beim Frühstück im »Cafe Müller« am Aliceplatz einen Einblick in sein Seelenleben gewährt. Er spricht dabei von »guten und von schlechten Tagen«, vom Versuch, über Ablenkung, »den Kopf frei zu bekommen«, von der großartigen Unterstützung durch seine Lebensgefährtin Nici, durch Freunde und durch den Klub. Er spricht auch von Ängsten, seine Karriere nicht mehr fortsetzen zu können. »Irgendwo im Hinterkopf sitzt das natürlich, auch wenn alle anderen Untersuchungen unauffällig sind und die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr im oberen 90-prozentigen Bereich liegt«, sagt El-Sayed, der 2019 - nach zehn Jahren und 450 Spielen in der DEL - in die Wetterau, zurückgekehrt war.

Drei Wochen hatte El-Sayed in der Vergangenheit auf Sport verzichtet - »längstens«. Im vergangenen Sommer um diese Zeit hatte sich er mit seinem Teamkollegen Andreas Pauli fast täglich im Off-Ice-Training gepusht, an Athletik, Kondition und Koordination gearbeitet. Jetzt darf der Puls allenfalls steigen, wenn er übers Treppenhaus in die Wohnung im zweiten Obergeschoss läuft.

»Die Gesundheit von Marc hat absolute Priorität. Er bekommt so viel Zeit, wie er braucht, und dann wird er mit 100 Prozent seiner Leistung wieder zurückkommen. Davon bin ich überzeugt«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH.

Mit Neuzugang die Zeit überbrücken

In der sportlichen Führung mit Trainer Harry Lange an der Spitze weiß man aber auch um die Bedeutung der El-Sayed-Position und -Rolle - spätestens als gegen Ende der vergangenen Saison so richtig deutlich wird, wie sehr dieser Stürmer-Typ, der gewiss nicht über Scorerpunkte definiert werden kann, dem Kader fehlt. »Wir werden die Zeit bis zu seiner Rückkehr mit einer weiteren Verpflichtung überbrücken«, sagt Ortwein. Ob - entgegen der eigentlichen Überlegung - doch gleich noch ein vierter Importspieler verpflichtet wird oder ein deutscher Stürmer Bad Nauheim (wohl zeitlich befristet) das Colonel-Knight-Stadion als Bühne für eine DEL-Empfehlung nutzten könnte, ist aktuell noch offen.

»Wir sprechen vom Profi-Sport. Der Verein würde fahrlässig handeln, wenn er nicht reagieren würde«, sagt El-Sayed bestimmend. Er steht als letztes echtes Eigengewächs, als DEL-Rückkehrer und Kapitän in ganz engem Austausch mit dem Klub.

In der Eishockey-Szene ist El-Sayed kein Einzelfall. Janik Möser (Wolfsburg), Jere Laaksonen (Landshut), die Löwen-Frankfurt-Profis David Suvanto und Martin Buchwieser, ein Freund aus gemeinsamen Zeiten, waren ebenfalls betroffen.

Von rund drei, vielleicht bis zu sechs Monaten sportlicher Pause für El-Sayed war anfangs die Rede; eine grobe Orientierung. Die Saison 2020/21 war damit gelaufen, okay. Aber zum Eis-Trainingsauftakt für 2021/22, Mitte August, da wollte der bullystarke Angreifer wieder dabei sein; natürlich mit einer gewissen körperlichen Grundlage aus dem individuellen Sommereinheiten.

Die Blutwerte entwickelten sich positiv, anfangs schneller als gedacht. Jetzt ist hingegen ein langer Atem gefragt. Dass die Entwicklung auch mal stagnieren könne, dass die Schritte kleiner werden, war ihm vorausgesagt worden. »Die Diagnose im Januar war schon ein Brett. Wenn man - gerade als Profisportler - mit einer Herzmuskelentzündung konfrontiert wird, fällt es nicht schwer, erstmal die Füße still zu halten. Inzwischen aber fühlen sich der Körper und das Leben wieder normal an, aber man sieht und spürt, wie der Körper sich verändert. Da ist es schwer, auf Sport zu verzichten«, sagt El-Sayed.

Das Gewicht halte er zwar, die Muskelmasse aber verschwinde, der Fettanteil steige. Mit der sogenannten Blackroll und mit Dehnungsübungen versuche er, die Muskeln zu stimulieren. »Ich weiß, dass mich eine sehr zähe Zeit erwartet, um wieder das Level zu erreichen, das ich einmal hatte und das man als Profi braucht. Aber ich habe nach der langen Pause auch so richtig Bock drauf.«

Eine Prognose, wann er denn ins Training einsteigen könne, wolle er nicht wagen. »Sonst setzt man sich unter Druck und am Ende dauert’s doch länger.« Im 14-Tage-Rhythmus wird El-Sayed von Dr. Pascal Bauer in der Uni-Klinik Gießen/Marburg durchgecheckt: Blut-Werte, Herz-Ultraschall, EKG. Frühestens in vier Wochen so der aktuelle Stand sei überhaupt wieder an eine Form der Belastung zu denken, im Optimalfall könne er mit sechs, acht Wochen Rückstand das Eistraining aufnehmen. Doch bis dahin ist noch viel Geduld erforderlich.



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