27. Oktober 2021, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Wie zwei Kanadier der Roten Teufel die DEL 2 aufmischen

Er eine ist Top-Torjäger, der andere Top-Vorbereiter: Tristan Keck ud Taylor Vause vom EC Bad Nauheim mischen die Deutsche Eishockey-Liga 2 ordentlich auf.
27. Oktober 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Der Torjäger und sein Vorlagengeber: Die beiden Kanadier Tristan Keck (links) und Taylor Vause sorgen beim EC Bad Nauheim für Furore. FOTO: CHUC

Torschütze Tristan Keck. Vorlagengeber Taylor Vause. Die beiden kanadischen Angreifer des EC Bad Nauheim mischen die Deutsche Eishockey-Liga 2 im ersten Viertel der Saison 2021/22 so richtig auf. Keck ist mit zehn Treffern der Top-Torschütze nach acht Spieltagen, Vause führt die Liste der Scorer und der Tor-Vorbereiter an (15 Vorlagen). Zwei Teufel an der Spitze der meistbeachteten individuellen DEL2-Statistiken - da muss man in der Chronik viele , viele Jahre zurückblättern, um auf eine vergleichbare Konstellation zu stoßen.

Sieben der zehn Keck-Tore hat Vause unmittelbar aufgelegt. Da haben sich zwei wohl gesucht und gefunden. Sehr zufrieden sei er aktuell mit Keck, sagt Trainer Harry Lange, man dürfte aber nicht vergessen, dass er zwei Mitspieler habe, die ihn gut ausschauen lassen. »Was ein Taylor Vause tagtäglich im Training und im Spiel auf das Eis bringt, ist unfassbar wichtig für Tristan und die Mannschaft. Und an deren Seite macht Christoph Körner einen sehr, sehr guten Job.«

Die Verpflichtung von Tristan Keck hatte sich von der eigentlichen Transferpolitik 2021/22 unterschieden. Die Roten Teufel waren hier bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Die nordamerikanischen Neuzugänge Jordan Hickmott, Jerry Pollastrone und Taylor Vause hatten sich in Europa, vorwiegend im Alpenraum, längst einen Namen gemacht, und auch auf dem deutschen Markt (Tobias Wörle, Kevin Schmidt, Patrick Seifert) hatten Lange und sein Assistent Hugo Boisvert überwiegend auf den Faktor Erfahrung gesetzt.

Keck, 26 Jahre alt, in der kanadischen Provinz Manitoba geboren und später an der Universität von Nebraska studierend, konnte hingegen auf lediglich 14 Spiele als Profi verweisen. Mit 15 Treffern in der Vor-Saison für Coventry in Großbritannien hatte der nur 1,73 Meter große Flügelstürmer aber durchaus Eindruck hinterlassen.

Der »Chancen-Tod« der Testspiel-Wochen entpuppt sich inzwischen als Torjäger. Der 25-Jährige ist so etwas wie der Speedy Gonzales der DEL2, er ist der wohl schnellste Spieler der Liga, fühlt sich sportlich in Bad Nauheim und privat mit seiner Frau Sydney in Butzbach-Ostheim angekommen.

Tristan Keck, Sie galten bereits als »Chancen-Tod«, sind jetzt Top-Torjäger. Was ist in den vergangenen drei Wochen passiert?

KECK: Ich habe Vertrauen gespürt. Die Coaches sagten mir: ›Die Chancen hast du ja, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis du sie nutzen wirst.‹ Das gibt natürlich Sicherheit. Zudem habe ich nach dem Training noch am Torschuss gearbeitet.

Sieben der zehn Treffer hat Ihnen Taylor Vause aufgelegt. Was macht Ihre Reihe, mit Christoph Körner auf dem anderen Flügel, augenblicklich so stark?

Taylor ist ein wirklich außergewöhnlicher Spieler. Ganz grundsätzlich haben wir Drei die gleiche Denkweise, sind schnell auf den Schlittschuhen unterwegs und bereit, hart zu arbeiten, was man beispielsweise im Forechecking sieht. ›Körns‹ holt uns den Puck, Taylor ist ein unglaublicher Spielmacher und Passgeber. Ich bin sehr glücklich, solche Vorlagen zu bekommen.

Sie sind außergewöhnlich schnell. Spielt es eine Rolle, dass Sie noch neu in der Liga sind und sich Ihre Geschwindigkeit offenbar noch nicht herumgesprochen hat?

Ja, vielleicht. Vielleicht gelingt es mir, den einen oder anderen Gegenspieler zu überraschen. Das hohe Tempo war immer ein Teil meines Spiels, und ich versuche, mir diesen Vorteil zu Nutze zu machen.

Wurde Ihnen dies in die Wiege gelegt, oder haben Sie sich das im Laufe der Jahre erarbeitet?

Ich bin schon mit Tempo gesegnet, habe aber auch mit meinem Trainer an der Universität in Omaha sehr viel an meiner Explosivität gearbeitet und verbringe sehr viel Zeit im Fitnessstudio.

Sie kamen in eine unbekanntes Land, eine unbekannte Liga und in ein unbekanntes Team. Inwiefern haben Sie sich in den vergangenen zweieinhalb Monaten eingelebt?

Meine Frau und ich fühlen uns sehr, sehr wohl. Die Coaches ermuntern uns, die freie Zeit zu nutzen, etwas zu unternehmen. Ich denke, es ist auch wichtig, den Kopf freizubekommen. Wir haben die Region erkundet und haben uns einen Besuch des Schlosses in Heidelberg zum nächsten Ziel gesetzt. Das Aufregendste in Deutschland sind sicher die Fans und die Stimmung, die Lautstärke bei all unseren Heimspielen. Und wenn man schaut, woher die Spieler kommen, die in der DEL2 spielen, kann man von einer wirklich sehr soliden Liga sprechen.

Sie haben sich ein Bild von der Mehrheit der Zweitligisten machen können. Wo kann der Weg der Roten Teufel hinführen, sollte die Mannschaft von weiteren Ausfällen verschont bleiben?

Ich denke, wir haben einen wirklich guten Kader. Mit unserem Speed und unserer Einstellung haben wir an jedem Spieltag gegen jeden Gegner eine Chance.



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