25. März 2008, 14:40 Uhr

Der Marathon in Köln

(sid) Das längste Spiel in der deutschen Eishockey-Geschichte sprengte jeden Rahmen: 168 Minuten und 16 Sekunden Spielzeit, sechs Stunden und 40 Minuten vom ersten Bully bis zum 5:4-Siegtor der Kölner Haie gegen Meister Adler Mannheim durch Philip Gogulla, körperlich und logistisch ging es an die Grenzen.
25. März 2008, 14:40 Uhr

»Wahnsinn, was alle Akteure leisten. Hut ab!«, sagte Haie-Manager Thomas Eichin. In der nordamerikanischen Profiliga NHL gab es in den Play-offs nur ein Spiel, das länger als das in Köln war: Am 24. März 1936 siegten die Detroit Red Wings nach 176:30 Minuten mit 1:0 gegen die Montreal Maroons.

Konzentration und Motivation aufrecht zu erhalten, war die Aufgabe von Trainer Doug Mason an diesem Abend. »Ich bin nur der Cheerleader in der Kabine, der Gute-Laune-Onkel gewesen. Als ich vor der letzten Verlängerung gesagt habe, dass jetzt die Energie wieder da sein müsste, haben sie mich schon komisch angeschaut«, sagte der Coach.

Ernährung und Logistik rückten hinter der Bande an diesem Abend in den Mittelpunkt. »Wir haben immer reichlich Ersatzschläger, Essen oder Getränke dabei. Wir könnten normalerweise drei Wochen wegfahren. Aber mit so etwas rechnet man dann doch nicht«, sagte Matthias Fries, Pressesprecher des deutschen Eishockey-Meisters Adler Mannheim.

In einer solchen Situation rücken dann auch alte Rivalen eng zusammen. »Amtshilfe« gab es selbstverständlich von den Haien. Einer der Kölner Physiotherapeuten pendelte mit dem Fahrrad zwischen dem nahegelegenen Trainingszentrum und der Kölnarena, um die letzten Reserven wie Müsliriegel, Cola und Elektolytgetränke ranzukarren.
Die Caterer in der Kölnarena wurden geplündert, Haie-Manager Eichin setzte sich dann ins Auto und kaufte die umliegenden Tankstellen quasi leer. »Mann kann eine solche Situation mit der eines Marathons bei Kilometer 30 vergleichen. Da geht es darum, dass der Blutzuckerspiegel nicht absackt«, erklärte Carsten Fiedler, einer der Kölner Physiotherapeuten.
Auch wenn die Trainer Mason und Dave King (Mannheim) während des Spiels die Wechsel so kurz wie möglich hielten, hatte jeder Spieler am Ende zwischen 45 und 60 Minuten reiner Spielzeit in den Knochen - ein enormer Wert bei den extremen Belastungen in dieser Sportart.

So war vor allem die Nach- beziehungsweise Vorbereitung für das Spiel am Montag wichtig. In Köln begann sie unmittelbar nach Spielende. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit ging der Kölner Mannschaftsarzt den beiden Physiotherapeuten beim Kneten der Athleten-Muskulatur kräftig zur Hand. DEL-Rekordspieler Andreas Renz und Moritz Müller liefen sogar nach dem Spiel zur Regeneration noch weiter, andere stiegen auf den Fahrradtrainer. Das Training am Sonntag wurde den Haie-Spielern freigestellt, trotzdem ging einige zu einer lockeren Einheit aufs Eis. Für Spiel vier in Mannheim wurde für den Elektrolythaushalt extra alkoholfreies Weizenbier geladen.

Die Mannheimer waren bereits 50 Minuten nach dem »sudden death« auf dem Weg nach Hause und setzten bei der Erholung den Akzent auf den Ostersonntag. Schlafen, Wellness mit Saunagängen und Dampfbädern, Massagen und ein wenig Schlittschuhlaufen. Aber vor allem wurde viel getrunken und gegessen. Nährstoffe wurden auch über den Tropf verabreicht.
Zudem musste auch die Haut behandelt werden. Denn nach siebeneinhalb Stunden in harten Eishockey-Stiefeln, Schulterschutz, Ellenbogenschonern und Handschuhen nahm der ein oder andere Spieler Reizungen oder einen Ausschlag als Andenken aus einem außergewöhnlichen Eishockeyabend mit.

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