07. September 2016, 19:53 Uhr

Fauerbach und Ruhnau beim Summer Game an der Linie

(mn) Ein Zuschauerrekord in der Deutschen Eishockey-Liga 2 zeichnet sich ab. Mehr als 35 000 Fans werden am Samstag erwartet, wenn sich die Löwen Frankfurt und die Kassel Huskies zum sogenannten Summer Game in der Commerzbank-Arena gegenüberstehen. Im wahrsten Sinne hautnah dabei sind Florian Fauerbach und Robert Ruhnau. Die beiden Bad Nauheimer wurden als Linienrichter eingeteilt.
07. September 2016, 19:53 Uhr
Florian Fauerbach (links) und Robert Ruhnau aus Bad Nauheim sind am Samstag als Linienrichter zum Summer Game der Deutschen Eishockey-Liga zwischen den Löwen Frankfurt und den Kassel Huskies eingeteilt. (Foto: pv)

Das wird ein unvergesslicher Tag und eine tolle sportliche Herausforderung. Ich freue mich, das alles sehen und erleben zu können«, sagt Robert Ruhnau, während Florian Fauerbach vom »absoluten Höhepunkt der bisherigen Unparteiischen-Laufbahn« spricht. Vor sechs Jahren hatte sich das Duo von der Teilnahme an einem Referee-Lehrgang überzeugen lassen. Nach zwei Spielzeiten im Landesverband haben sich die beiden bereits für Aufgaben auf nationaler Ebene empfohlen, und in der Vorsaison wurden die Linesmen erstmals zu zwei Zweitliga-Halbfinalpartien eingeteilt.

Fauerbach/Ruhnau profitierten – so abwegig dies zunächst einmal klingen mag – vom wirtschaftlichen Crash der beiden Klubs, die am Samstag nach ihrer Pfeife tanzen werden. Just als Fauerbach/Ruhnau die ersten Erfahrungen im Nachwuchs gesammelt und sich für Oberliga-Einsätze empfohlen hatten, tummelten sich mit Kassel, Frankfurt und Bad Nauheim drei namhafte Klubs und dem entsprechenden Zuschauerpotenzial in der dritten Liga. Die beiden jungen Unparteiischen, damals wie heute für die Ice Devils Bad Nauheim (Fauerbach) beziehungsweise den ESC Darmstadt (Ruhnau) pfeifend, wurde ins kalte Wasser geworfen. »Mein erstes Derby: Bad Nauheim gegen Kassel. Fast 5000 Zuschauer. Das war schon ein komisches Gefühl. Schließlich hat man gefühlt jeden zweiten auf der Tribüne gekannt. Solche Erfahrungen helfen natürlich«, erinnert sich Ruhnau. Heute sind Derbys Routine, lösen allenfalls noch ein besonderes Kribbeln aus. »Ob Derby oder nicht: Man weiß vor einem Spiel nie, was am Ende auf einen zukommt«, sagt Fauerbach.

Dem 30-Jährigen, der als Projektanalyst in Butzbach tätig ist, wurde die Begeisterung für den Eissport in die Wiege gelegt. Vater Thomas spielte zwölf Jahre lang für den VfL Bad Nauheim in der Eishockey-Bundesliga und begleitete den Neuaufbau in der Regionalliga, Mutter Annerose gewann mit der Mannschaft Europa- und Weltmeistertitel im Eisstockschießen. »Mir macht es einfach riesigen Spaß. Ich bin ein Teil des Profi-Business. Das hätte ich als Spieler niemals geschafft.« Fauerbach bezeichnet seine Leidenschaft als »Hobby und Arbeit zugleich«.

Ruhnau kam erst spät mit dem Eishockey in Verbindung. Der 27-Jährige, im DB-Vertrieb in Frankfurt beschäftigt ist, hatte als Jugendlicher sehr viel Zeit auf dem Golfplatz verbracht. Mit einem Handicap von 5,6 (einst 4,3) ist Ruhnau heute Mitglied der Herrenmannschaft des Golfclub Bad Nauheim, im übrigen mit Florian Patzak, dem Physiotherapeuten der Löwen Frankfurt. Schlittschuhläuferische Defizite gegenüber Teamkollegen, die schon von Kindesbeinen an dem Puck hinterhergejagt waren, konnte er im Juniorenalter nicht mehr aufholen, spielte wie Fauerbach in den Hobby-Mannschaften.

Playoff-Finalserie im Visier

Christoffer Hurtik, der seit dieser Saison ebenso wie sein Bad Nauheimer Referee-Kollege Benjamin Hoppe Spiele in der DEL als Hauptschiedsrichter leiten darf, hatte die beiden von der Teilnahme am Unparteiischen-Lehrgang überzeugt; und schnell hatten Fauerbach/Ruhnau Feuer gefangen. »Nach dem zweiten Spiel wusste ich: Das ist genau mein Ding«, sagt Ruhnau.

Ihre Motivation: »Ein fehlerfreies Spiel abzuliefern. Jede Spielsituation aus der besten Position zu beurteilen«, sagt Ruhnau, der auch gleich mit Vorurteilen aufräumen möchte. »Wie oft hört man, dass uns Schiedsrichtern Fehlentscheidungen egal seien, dass wir am Ende unser Geld bekommen und nach Hause fahren. Das stimmt nicht. Fehler können auch uns runterziehen und lange beschäftigen.« Aber: »Ich tue, was mir Spaß macht, und habe dabei immer einen Freund an meiner Seite. Was gibt’s denn Schöneres?« Das Duo ist längst aufeinander abgestimmt. »Jeder weiß, was der andere tut, wo er steht, wie er reagiert und was er den Spielern vermittelt. Das macht’s leichter.«

Trotz ihres Alters: Im Profi-Business, zwischen ehemaligen DEL-Spielern, haben sich die beiden Badestädter längst etabliert. »Natürlich versucht jeder Spieler erst mal, Grenzen auszutesten; beispielsweise bei der Anspielposition beim Bully. Aber man lernt sich schnell kennen. Man zeigt Respekt und erwartet auch Respekt. Jeder weiß, dass der andere auch nur seinen Job macht«, schildert Fauerbach das Verhältnis auf dem Eis. Auf vier bis sechs DEL2-Spiele im Monat kommen Fauerbach/Ruhnau, dazukommen noch einige Einsätze im Nachwuchs. Ohne tolerante Arbeitgeber wäre ein solches Pensum nicht möglich.

Das Summer Game wollen beide »einfach nur genießen«. Früh dort sein, die Atmosphäre aufsaugen. Als »positive Anspannung« beschreibt Ruhnau seine Vorfreude. »Wenn der Puck fällt, kann ich das Drumherum komplett ausblenden«, ist er überzeugt.

Wohin der Weg führt, lassen beide offen. Der Sprung als Linienrichter in die DEL sei eine Option, auch eine Laufbahn als Hauptschiedsrichter, sagt Fauerbach. Immerhin ein Nahziel haben sich beide gesetzt. »Ich möchte einmal die Nationalhymne hören«, sagt Ruhnau. Mit anderen Worten: Mit guten Leistungen wollen sich die beiden Unparteiischen für eine Nominierung für die Playoff-Finalserie qualifizieren.

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