31. August 2015, 10:13 Uhr

Lehrstunde für die Löwen

(mn) 6990 Zuschauer - ausverkauft. Ein Eishockey-Freundschaftsspiel. An einem Samstagabend im August, bei 29 Grad Außentemperatur (!). Die Strahlkraft des Derbys zwischen Frankfurt und Mannheim hat hierzulande kaum eine andere Partie.
31. August 2015, 10:13 Uhr
Jamie Tardiff, der hier vor Anti Ore auftaucht, erzielt im Nebel von Frankfurt drei Treffer beim 7:0-Erfolg der Adler Mannheim bei den Löwen. (Foto: Michael Nickolaus)

Entsprechend heiß war auch die Stimmung in der Eissporthalle am Ratsweg; zumindest vor dem Spiel sowie in der Anfangsphase. Denn: Mit vier Treffern binnen zwölf Minuten (8. bis 20.) hatte der Deutsche Meister aus Mannheim die Gastgeber bei deren ersten Heimspiel nämlich schnell desillusioniert. Am Ende unterlagen die Löwen Frankfurt mit 0:7 (0:4, 0:2, 0:1) gegen die Adler, die von mehr als 1500 Fans in die 88 Kilometer nördlich gelegene Mainmetropole begleitet und gefeiert worden waren. »So hatten wir uns das nicht vorgestellt«, räumte Löwen-Verteidiger Henry Martens ein. »Uns wurden die Grenzen aufgezeigt, und wir haben gesehen, woran wir arbeiten müssen. Ich denke, wir hatten zu viel Respekt, waren zu zögerlich. Das ist nicht unser Spiel. Wir leben vom forschen Draufgehen und haben gesehen, dass noch eine Menge Arbeit auf uns wartet.«

Die Löwen, DEL 2-Halbfinalist im Vorjahr, treffen gleich in vier von sieben Testspielen auf Klubs der Deutschen Eishockey-Liga. In Krefeld war die Mannschaft von Tim Kehler in der Vorwoche mit 1:8 unterlegen, nun geht’s am Freitag nach Augsburg, bevor am Sonntag (18.30 Uhr) Kooperationspartner Nürnberg mit Marc El-Sayed, einem Stürmer aus dem Nachwuchs der Roten Teufel, zu Gast ist. Das Programm sei bewusst so gewählt worden (obendrein bescherte das Derby eine Brutto-Einnahme von über 100 000 Euro). »Ein klarer Sieg gegen einen Oberligisten bringt uns auch nicht weiter. Die Jungs haben doch selbst ein feines Gespür dafür, ob sie gut oder schlecht gespielt haben. Und heute hat mir unser Spiel überhaupt nicht gefallen«, sagt Kehler. Den Ausfall von fünf Spielern, darunter Brett Breitkreuz und Kris Sparre, die aus der DEL verpflichtet worden waren, sowie den Einsatz von vier Förderlizenzspielern vom Oberligisten Duisburg wollte der Kanadier, der mit finsterem Blick durch die Katakomben schritt, nicht gelten lassen. »Von den Spielern, die da sind, erwarte ich einfach mehr.«

Der neutrale Zuschauer hingegen konnte beim Auftritt des Meisters des öfteren mit der Zunge schnalzen. Wie selbstverständlich ließen die körperlich deutlich robusteren Adler, angeführt von Jochen Hecht (853 NHL-Spiele), die Scheibe in den eigenen Reihen zirkulieren, überzeugten mit einer enormen Passsicherheit, wussten immer genau, wo der eigene Mitspieler steht und ließen defensiv im Grunde genommen überhaupt nichts zu. Ab dem zweiten Drittel nahm der Gast, der 48 Stunden zuvor noch in der Champions Hockey League gespielt hatte, den Fuß vom Gaspedal, behielt aber die Kontrolle. Mit dem Resultat waren die Löwen gut bedient. Natürlich, das durfte im Derby nicht fehlen, flogen auch die Fäuste. Clarke Breitkreuz, der diesbezüglich bei den Löwen stets voran geht, durfte wie Dave Richmond auf Mannheimer Seite bereits im ersten Abschnitt duschen gehen.

»Es gibt einen richtigen Weg und einen falschen Weg, Spiele zu verlieren. Einige haben heute den falschen Weg gewählt, waren viel zu passiv«, bemängelte Rich Chernomaz, sieht in der Lehrstunde aber auch das Positive. »Aufgrund der Ausfälle mussten andere Spieler in gewissen Situationen Verantwortung übernehmen. Solche Erfahrungen werden sich auf lange Sicht auszahlen.« Der Löwen-Sportdirektor sucht - nach den Fehlgriffen Geoff Walker (hat aus persönlichen Gründen abgesagt) und Mike Hammond (konnte die Erwartungen nicht erfüllen) - noch immer einen Kontingentspieler; einen Mittelstürmer für die erste Reihe. Elf Tage bleiben ihm bis zum ersten Meisterschaftsspiel am 11. September in Kassel.

Dennis Reimer, der Ex-Teufel, dürfte in dieser Woche wieder ins das Training einsteigen, bei Felix Thomas, Patrick Vogl und Brett Breitkreuz hoffen die Löwen auf deren Comeback zum DEL 2-Start, den Kris Sparre wohl verpassen wird. Der Deutsch-Kanadier, im Januar als DEL 2-Topscorer von Dresden nach Düsseldorf gewechselt, muss aufgrund einer Thrombose im Arm pausieren - Ausfalldauer ungewiss. DEL-Partner Nürnberg stellt mit Andreas Schwarz und Christoph Kabitzky derzeit zwei Spieler ab, vom Oberligisten Duisburg haben Yannis Walch, Daniel Kunce, Lars Grözinger und Kanadier Chris Niddery zuletzt ausgeholfen. Einsätze der Wedaustädter in der regulären Saison sind nur in den ersten beiden Wochen naheliegend. Die Oberliga-Saison beginnt erst am 25. September.

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