27. Dezember 2012, 15:28 Uhr

»Jemanden wie Sie, den gibt es eigentlich nicht«

Wer im Internet bei »Youtube« keinen Popstar sucht, sondern einen »Heimlichen Helden«, der stößt auch auf Kreisjugendwart Thorsten Fiala aus Berstadt, der im WZ-Gespräch über seine Motivation, seine Ziele und Visionen Auskunft gibt.
27. Dezember 2012, 15:28 Uhr
Thorsten Fiala (r.) im Gespräch mit dem ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. (Foto: Archiv)

Thorsten Fiala, Sie leisten nach eigener Aussage 365 Tage im Jahr ehrenamtliche Arbeit für den Fußball. Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen?

Thorsten Fiala: Ich bin durch meinen Vater Wenzel zur ehrenamtlichen Arbeit gekommen. Er war damals Vorstandsmitglied und Rechner im KSV Berstadt. Da begann ich als Beisitzer und sollte, wie es in Familien gerne gesehen wird, quasi mal in seine Fußstapfen treten. Nach dem Ausscheiden meines Vaters aus dem Vorstand war dann mein Schwiegervater Dieter Volz die treibende Kraft, ein Ehrenamt weiter zu betreiben. Zum Trainer wurde ich durch meinen Sohn Daniel, der in der G-Jugend, wo damals kein anderer Coach zur Verfügung stand, anfing mit dem Fußball-Sport. Später waren es dann der damalige Kreisfußballwart Rainer Dreut und sein Stellvertreter Helmut Schmid, die mir das Amt des Kreisjugendwartes schmackhaft gemacht haben.

Was ist Ihre persönliche Motivation, derart zeitintensiv diesen Ämtern nachzugehen?

Fiala: Vieles ist möglich, wenn man keine Angst vor der Arbeit im Ehrenamt hat, und motiviert muss man natürlich sein. Natürlich kommt es auch immer auf das Team an, das dich umgibt und mitreißen muss, statt nur frustriert zu sein. Zurzeit ist alles sehr zeitintensiv bei mir. Aber ich versuche dennoch, meine Ämter auch so auszufüllen, dass ich jedem gerecht werde. Nein sagen fällt mir eher schwer, und darum bleibt auch nicht gerade viel Zeit für die Familie. Es sind schon etliche Stunden, die ich für den Fußball pro Tag und an Wochenenden opfere.

Was sagt die Familie dazu, dass Vater und Ehemann so wenig zuhause sind?

Fiala: Die Familie hat natürlich einen großen Anteil daran, dass ich das überhaupt alles machen kann. Sie hilft mir, wo es geht, und unterstützt mich bei meinen Aufgaben. Wenn es zu viel wird, klappt mir meine Tochter auch schon mal den PC zu.

Sie sind Früh-Pensionär. Hängt das mit dieser enormen ehrenamtlichen Arbeitsleistung zusammen?

Fiala: Ja, seit 2006 bin ich durch mehrere Bandscheibenvorfälle, die auch einige OP’s mit sich zogen, zu Hause. Nun sagen viele: »Jetzt hast Du Zeit und kannst noch mehr machen.« Doch das hat immer auch seine Grenzen. Wenn ich mit meiner Familie zusammen bin, bleibt auch mal das Handy zu Hause.

Was bedeutet für Sie der Titel »Heimlicher Held«, den Ihnen eine Bank verliehen hat?

Fiala: Das ist natürlich eine schöne Sache, von der ich zuvor gar nichts wusste. Mein Verein KSV Berstadt hat mich dazu angemeldet. Später den Film zu drehen, war schon spannend und spiegelte auch meinen Tagesablauf im Ehrenamt wider. Was dahinter steckt, bedeutet mir natürlich sehr viel. Wolfgang Staab, der Abteilungsleiter beim DFB, hat mal zu mir bei der Ehrung des »Teams 2011« in Södel gesagt. » So jemanden wie Sie, den gibt es eigentlich nicht.« Das war sehr bewegend. Zudem habe ich dadurch Stehplatzdauerkarten bei der Frankfurter Eintracht. Da geht es zu jedem Heim-Spiel. Auch auswärts sind mein Sohn und ich oft dabei. Das sind immer schöne Tage.

Ist es für Sie eine Herzenssache, mit der Jugend zu arbeiten? Oder hätte Sie auch die Position des Kreisfußballwartes bei der Suche nach einem Nachfolger von Rainer Dreut gereizt?

Fiala: Ja, für mich ist es eine echte Herzensangelegenheit, mit der Jugend zu arbeiten. Das alles an den Nachwuchs weiter zu geben, was einem mal beigebracht wurde. Oder auch selbst etwas zu entwickeln und mit Spaß und Engagement zu verbreiten. Ich habe mal ein Sprichwort gefunden, das das alles gut beschreibt: »Wenn Du dich der Jugendarbeit verschreibst, so bringe Dein Herz nicht mit ein. Dann schmerzen auch die Enttäuschungen nicht so sehr. Wenn Du es allerdings fertig bringst, dein Herz nicht mit einzubringen, dann bist Du wahrscheinlich für sehr viele Dinge geeignet - nur nicht für die Jugendarbeit.« Die Position des Kreisfußballwartes war für mich nie ein Thema. Ich wollte immer im Jugendbereich bleiben, da kann man noch etwas bewegen.

Würden Sie im Seniorenbereich auch nicht als Trainer arbeiten?

Fiala: Ich habe sehr viel Spaß mit meinen E-Junioren, und vor allen Dingen bin ich stets auf den Sportplätzen unterwegs und sehe, was im Kreisgebiet an der Basis los ist. Dort kann ich mich gut mit den Problemen und Wünschen der Trainer und Jugendleiter auseinandersetzen. Das funktioniert noch besser als vom Schreibtisch aus.

Haben Sie das Ziel, beim DFB an noch höherer Stelle mal ehrenamtlich zu arbeiten?

Fiala: Da habe ich mir angesichts meiner vielen Aufgaben überhaupt noch keine Gedanken gemacht. Ich weiß gar nicht, wie weit man beim DFB mit einem Ehrenamt nach vorne kommen könnte. Vielleicht kann mir da ja jemand mal einen Tipp geben.

Welche Arbeitsthemen und Probleme liegen Ihnen derzeit am meisten am Herzen? Was möchten Sie verändern?

Fiala: Veränderungen haben wir in Bezug auf die Spielrunden und den Hallenbetrieb im Jugendfußball in meiner Amtszeit schon einige vorgenommen. Auch im Bereich Qualifizierung sind wir gut mit meinem Team im KJA und Lars Osadnik aufgestellt und bieten im nächsten Jahr wieder mehrere Lehrgänge für die Qualifizierung der Trainer und Betreuer an. Wir haben auch den Mädchenfußball im Pokalspieltag der Jugend integrieren können. Ich bin für Neuerungen immer offen und bin gespannt, was gerade im Jugendfußball noch auf uns zu kommt in Bezug auf den demografischen Wandel oder die »Fair Play-Liga« für die G- und F-Junioren. Ich habe auch vor drei Jahren die Ü35-Futsalkreismeisterschaft ins Leben gerufen. Leider wird dies von den Vereinen nicht so gut angenommen. Ob wir in dieser Saison noch ein Turnier starten, steht derzeit wegen den wenigen Anmeldungen noch in den Sternen. Dabei könnten die Klubs zur Hessenmeisterschaft nach Grünberg fahren.

Sie gehören zu den Futsal-Befürwortern. Mit welchen Argumenten begegnen Sie den Gegnern dieser neuen Spielform?

Fiala: Futsal ist natürlich ein heißes Thema. Ich frage mich nur, warum? Immer wenn etwas Neues kommt, wird erst einmal alles in Frage gestellt. Natürlich war es zuerst nicht einfach mit den neuen Regeln, dem neuen Ball und den zwei Schiedsrichtern. Ich habe aber versucht, durch organisierte Lehrgänge den Trainern und Betreuern das alles näher zu bringen. Leider waren die Lehrgänge nicht gut besucht. In solchen Fällen kommen dann Zweifel auf, die viele Freizeit zu opfern.

Wie geht es weiter mit dem Futsal?

Fiala: Im Jugendbereich werden die diesjährigen Hallenmeisterschaften von den D-bis B-Junioren als Futsal ausgetragen, das wurde vom HFV so entschieden. Wir haben den Dialog zu den Jugendleitern gesucht und haben erst einmal eine Zwischenlösung für die Hallenrunde gefunden. Wer möchte, kann auch noch Hallenfußball spielen, leider ohne Kreismeisterschaftstitel. Der wird nur beim Futsal in den einzelnen Klassen vergeben.

Was macht den Reiz beim Futsal aus?

Fiala: Ich finde die Spiele mit diesem besonderen Ball einfach klasse. Auch die Regeln sind für die Halle und besonders für den Jugendbereich hervorragend umzusetzen. Es werden die Fouls wie die Grätschen oder auch das Hineinrutschen hart bestraft. Hier wird einfach die Härte bei diesem körperlosen Spiel heraus genommen. Das alles wäre für die Seniorenhallenrunde auch interessant. Aber gerade für die Kinder im G-, F-und E-Junioren-Bereich ist es für die weitere Entwicklung sehr lehrreich. Der Ball springt nicht so leicht vom Fuß, weil die Bälle nicht so schwer sind wie normale Hallenbälle. Viele Kinder laufen dem Ball doch sonst in der Halle nur hinterher, statt mal zu dribbeln.

Wie haben Sie im Jahr 2012 persönlich die großen Auseinandersetzungen im Kreisfußballausschuss erlebt? Und welche Konsequenzen haben Sie für sich gezogen?

Fiala: Aus meiner Sicht war es sehr peinlich, was da abgelaufen ist, gerade auch, weil wir im Hintergrund eine tolle und zeitintensive Arbeit für den Fußballkreis Friedberg abliefern. Wir im Kreisjugendausschuss haben auch bei unserer Wahl eine Verantwortung für die 4500 Jungs und Mädchen in den Vereinen im Kreis Friedberg übernommen. Deshalb sollten wir jetzt auch in der Öffentlichkeit das Thema ruhen lassen und nach vorne schauen.

Was begeistert Sie bei der Arbeit mit dem DFB-Mobil? Der Kontakt mit den Trainern und Kindern vor Ort?

Fiala: Es ist einfach toll, was der DFB für die Vereine mit diesem Mobil auf die Beine gestellt hat. Mit diesem, ich bezeichne es mal als »Qualifizierungs-Mobil«, können wir vor Ort in ihrem eigenen »Wohnzimmer« die Trainer, Betreuer und Vereine über Neuerungen der Qualifizierung informieren. Wir können die Betreuer sensibilisieren, mal eine Lizenz oder auch einen Betreuer-Lehrgang zu machen. Für mich ist das ein toller Image-Gewinn für den DFB, der das alles kostenlos anbietet.

Wie läuft das in der Praxis ab?

Fiala: Wir fahren zu den Vereinen mit zwei lizensierten Trainern. Dabei wird eine Kurzschulung angeboten oder ein Demo-Training für F- und E-Junioren oder C- und D-Junioren. Neu ist, dass wir die Grundschulen besuchen, denn Ziel ist es, alle Grundschulen hierzulande bis Ende 2013 anzufahren. Hier möchten wir Lehrerinnen und Lehrern beim Fußballsport Hilfestellungen geben und anregen, dass auch hier der Mut zum Fußball in der Sportstunde gefördert wird. Anschließend findet wie in den Vereinen eine kleine Diskussion und eine Inforunde mit den Trainern statt. Das ist auch eine Chance für die Vereine, einmal eine Schulfußball-AG ins Leben zu rufen. Mich begeistert dabei einfach der Kontakt mit den Vereinen. Dass ich erfahren kann, wie deren Struktur ist, und wie zufrieden man ist mit den Kreismitarbeitern in den Ausschüssen in Hessen.

Was leisten Sie im Amt eines DFB-Koordinators?

Fiala: Ich bin seit 2009 Koordinator. Es gibt derzeit zwei davon in Hessen und zwei DFB-Mobile. Ich betreue ein Mobil mit zehn Trainern. Meine Bereiche gehen vom Kreis Friedberg bis in den hohen Norden Hessens nach Hofgeismar/Wolfhagen. Vereine oder Schulen können sich bei mir melden, und ich spreche die Termine ab und koordiniere das Mobil. Da bin ich übrigens auch für die Presse der Ansprechpartner.

Was waren die schönsten Ereignisse, die Sie für Ihre Arbeit belohnt haben?

Fiala: Das Event vom DFB als Dankeschön-Veranstaltung zum »Team 2011« mit dem KSV Berstadt und der Jim-Knopf-Grundschule in Södel. Das war schon ein tolles Erlebnis mit den über 400 Kindern und 350 Zuschauern sowie den Promis, die dort vor Ort waren. So etwas ist der Lohn für die Arbeit, auch wenn man in die Kinderaugen schaut, wenn sie mit »Paule«, dem DFB Maskottchen, Spaß haben. Da sagt man sich: man hat alles richtig gemacht, obwohl der Tag hinsichtlich der Vorbereitung natürlich sehr viel Arbeit gekostet hat. Leider kann ich aus gesundheitlichen Gründen diese Fußball-AG in der Grundschule nicht mehr weiterführen. Die Ehrungsveranstaltung des DFB zum »Club 100« im Westfalenstadion in Dortmund zusammen mit meiner Frau war natürlich auch ein tolles Erlebnis. Aber auch die Jugendveranstaltungen mit meinem Verein, die Ernährungstage, die Umwelttage oder das rauchfreie Jugendfußball-Turnier waren schon schöne Ereignisse.

Was sind Ihre persönlichen Ziele und Wünsche für das Jahr 2013?

Fiala: Dass meine Familie gesund bleibt, denn die Gesundheit ist das größte Gut. Zudem wünsche ich mir mehr Zeit für mich und meine Familie, dass die Eintracht wieder international spielt und weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit meinem Team im KJA, KFA, den Vereinen und den Gremien der Städte, Gemeinden und Kreise. Und dass ich meinen Idealen treu bleibe. Ich habe einmal gehört, das Ehrenamt sei der Feind des Hauptamtes. Ich hoffe, da ist nichts dran.                    Michael Humboldt

Schlagworte in diesem Artikel

  • Deutscher Fußball-Bund
  • Ehrenamtliches Engagement
  • Eintracht Frankfurt Fußball AG
  • Helmut Schmid
  • Kreisfußballwarte
  • Lehrgänge
  • Motivation
  • Musikerinnen und Musiker aus dem Bereich Popmusik
  • Signal Iduna Park
  • Vereine
  • YouTube
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos