21. Dezember 2020, 07:00 Uhr

Eishockey

Große Bühne in der U20-WM-»Bubble«

Die Eishockey-Welt blickt in diesen Tagen nach Kanada. Edmonton ist Treffpunkt, wenn zum Jahreswechsel die Generation künftiger NHL-Profis um den U20-Weltmeistertitel spielt. Mit dabei sind gleich drei Förderlizenzspieler des EC Bad Nauheim.
21. Dezember 2020, 07:00 Uhr
Simon Gnyp

Marriott Hotel Edmonton Ice District: Stockwerke sieben und acht, Blick auf den Rogers Place, die imposante Heimat der Edmonton Oilers und Austragungsort der WM. Hier ist das Quartier des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Hier haben die U20-Nationalspieler Simon Gnyp, Maxi Glötzl und Julian Chrobot, die Kölner Förderlizenz-Leihgaben aus dem Kader des EC Bad Nauheim, ihre Einzelzimmer. »Jetzt, da wir vor Ort sind, wo wir die Arena vor Augen haben, können wir es kaum erwarten, sagt Gnyp im Gespräche mit unserer Redaktion.

Das Leben in der »Bubble«

Am Montag vergangener Woche sind Mannschaft und »Staff« angekommen. Mit dem Spiel gegen Finnland (um Mitternacht deutscher Zeit in der Nacht auf Samstag/live bei Magenta TV) beginnt das Turnier. Kanada, die Slowakei und die Schweiz ergänzen die Fünfer-Gruppe. Vier Nationen qualifizieren sich für das Viertelfinale, einen Absteiger gibt es in diesem Jahr nicht. Die Viertelfinal-Teilnahme - ein Sieg in der Gruppe könnte reichen - ist das logische Primärziel

Das Leben spielt sich - maximal bis zum Finale am 5. Januar - in einer sogenannten »Bubble«, einer »Blase«, ab. Spieler, Trainer und der Organisationsstab bleiben unter sich, ohne Kontakt »nach draußen«. Edmonton mit der entsprechenden Infrastruktur hatte sich während der NHL-Playoffs als Austragungsort bewährt. Freizeitmöglichkeiten, Räume für Geselligkeit und Cafes wurden eingerichtet.

Die Delegationen waren nach ihrer Ankunft in Quarantäne, trotz eines immens Aufwands an schriftlicher Dokumentation (»Ein riesiger Verwaltungsakt«, sagt Glötzl), medizinischer Testungen und Einschränkungen während der Vorbereitungen im Bundesleistungszentrum in Füssen. »So stelle ich mir das Leben in einem Kloster vor. Verrückt ist’s ja schon«, sagt Gnyp mit einem Schmunzeln.

Über die sozialen Medien teilen Spieler und Verband ihre Impressionen. »Wir spüren das Interesse der Eishockey-Szene und wollen natürlich so viele Eindrücke wie möglich nach Deutschland vermitteln«, sagt Gnyp.

Die Zeit der Isolation ist durchgetaktet und über den Zimmerservice perfekt organisiert ist. Drei Mahlzeiten (8/12/18 Uhr) werden vor die Zimmertür gestellt. Online-Meetings und -Athletikeinheiten mit eigenem Körpergewicht gehören zum Pflichtprogramm. Das Zocken an der Playstation sowie die WM-Vorberichterstattung in den nordamerikanischen Medien bestimmten den Tageslauf.

Die U20-Titelkämpfe haben gerade im Mutterland des Eishockey einen herausragenden Stellenwert, werden höher gewichtet als eine A-WM - und werden deshalb trotz der Pandemie eben durchgezogen Es ist nunmal die Bühne der künftigen NHL-Stars. Allein im Team Kanada finden sich in diesem Jahr mehr als ein Dutzend Erstrundenpicks der NHL-Drafts.

Leon Draisaitl in der Video-Konferenz

Zur Überraschung hatte sich in dieser Woche Leon Draisaitl in das teaminternen Video-Meeting zugeschaltet. Der Stürmer der Edmonton Oilers gilt als der aktuell beste Eishockey-Spieler der Welt, hat der neuen Generation viel Glück gewünscht. »Leon mit seiner lockeren Art - das war nach natürlich eine coole Sache und gibt uns eine zusätzliche Motivation«, sagt Gnyp.

Am Freitag durfte ein Teil der Mannschaft die Kabine beziehen und erstmals auf das Eis - ein Gänsehaut-Moment. Andere mussten nach positiven Corona-Tests (es gab insgesamt acht) in Quarantäne bleiben.

Zuschauer sind in der 18 000-Mann-Arena nicht zugelassen. Das kennen Gnyp, Glötzl und Chrobot aus den ersten Saisonspielen mit dem EC Bad Nauheim. »Das ist schade. Wir sind es ja schon gewohnt ohne Publikum zu spielen«, sagt Glötzl, wobei Chrobot - vierfacher Torschütze der Roten Teufel in sieben DEL2-Partien - schon Unterschiede ausmacht. »Ohne Fans - da ist der Jubel irgendwie anders.«

Am zweite Weihnachtsfeiertag (Ortszeit) trifft Deutschland auf Kanada, das Vorrunden-Highlight. »Respekt hat man. Mehr aber auch nicht. Das sind Gegenspieler wie alle anderen auch«, meint Glötzl. Der Teilnahme der DEB-Auswahl im Kreis der Weltbesten ist keine Selbstverständlichkeit. Die deutsche U20 galt lange Zeit als Fahrstuhl-Team. Im Vorjahr konnte Deutschland der Neuling erst über die Abstiegsrunde das Ticket nach Edmonton buchen.

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