05. Dezember 2020, 07:00 Uhr

Legendenstatus

Nächstes Puzzle-Teil vor dem 75-jährigen Bestehen: Der EC Bad Nauheim ergänzt seine »Hall of Fame« mit zwei weiteren Größen vergangener Tage: Ralf Pöpel und Trainer Ladislav Olejnik erhalten einen Platz unter dem Dach des altehrwürdigen Colonel-Knight-Stadions.
05. Dezember 2020, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim


Nummer 8 Rainer Philipp, 13 Rolf Knihs, 44 Doug Murray - die Auswertung von über 2000 Stimmzetteln und eines Online-Votings brachte im September 2014 ein namhaftes Trio zutage, mit dem DEL 2-Klub EC Bad Nauheim seine »Hall of Fame« einweihte. Zwei Jahre später ergänzte Werner Bachmanns Jersey mit der Rückennummer 5 die Trikot-Galerie unter dem Dach des altehrwürdigen Colonel-Knight-Stadions. Aus dem illustren Quartett wird nun, pünktlich zum nahenden 75-jährigen Eissport-Jubiläum, ein halbes Dutzend: Mit der Aufnahme von Ralf Pöpel (Nummer 28) und Trainer Ladislav Olejnik würdigt der Traditionsverein zwei weitere Idole aus früheren Tagen.

Ralf Pöpel hat alles erlebt

»Mein Bruder wäre bestimmt genauso stolz wie ich. Er hat mich zum Eishockey gebracht«, denkt das neue »Hall of Fame«-Mitglied Ralf Pöpel im ersten Moment an den 2017 verstorbenen Jürgen »Jogi« Pöpel, »vielleicht schaut er von oben zu. Für mich ist das absolut eine Ehre.« Vor einigen Wochen wurde der Ex-Stürmer bereits zum EC-Markenbotschafter ernannt.

Ralf Pöpel hat im Verlauf seiner Karriere die weite (Eishockey-)Welt gesehen, die Höhepunkte und den Niedergang des VfL hautnah miterlebt, stand beim Iswestija-Pokal 1982 gegen die europäische Creme de la Creme jener Zeit auf dem Eis. Erst im reiferen Alter startete er richtig durch und holte drei deutsche Vizemeisterschaften mit dem Mannheimer ERC.

Schnauzbart, grimmiger Blick, wehende Mähne unter dem Helm. Lange Zeit das markante Markenzeichen des waschechten Nauheimer Eigengewächses. Seine Vita: Junioren-Nationalspieler, Berufungen in die Olympia-Auswahl, acht Länderspiele im A-Team des DEB und imposante 690 Erstliga-Spiele.

Zum Glücksfall und Förderer für Ralf Pöpel wurde Trainer Ladislav Olejnik. Der Tscheche erkannte früh das Potenzial beim talentierten Youngster, holte ihn vor Beginn der Spielzeit 1973/74 in die erste Mannschaft des VfL. Im Teufel-Jersey etablierte er sich schnell, entwickelte sich zum Leistungsträger und rückte ins Blickfeld der Nationalmannschaft. Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid stoppte ihn ein Kreuzbandriss.

Nach der schweren Knieverletzung kämpfte sich Pöpel zurück. Der Lokalmatador unterschrieb 1982 - nach der VfL-Pleite - einen Vertrag beim Berliner SC, wenig später ereilte der finanzielle Exitus auch den Traditionsklub von der Spree. Unmittelbar vor der Unterschrift bei Eintracht Frankfurt überzeugte ihn dann Mentor Olejnik von einem Wechsel zum Mannheimer ERC - eine goldrichtige Entscheidung. Die Formation Ralf Pöpel/Manfred »Mannix« Wolf/Roy Roedger hatte maßgeblichen Anteil an drei Vizemeisterschaften. Zur Belohnung flatterte die Einladung ins A-Nationalteam ins Haus. Das Highlight war die Teilnahme am renommierten Iswestija-Pokal 1982 in Moskau - mit prestigeträchtigen Duellen gegen die Stars aus Finnland, Schweden, CSSR und der UdSSR.

1986 kehrte der schnauzbärtige Angreifer zurück in die Wetterau. Seite an Seite mit Bruder Jürgen wirbelte der Kapitän eine Spielzeit lang in Liga zwei. »Dann kam das Wahnsinnsangebot von Eintracht Frankfurt«, erzählt der Routinier, der für vier Jahre beim Bundesligisten am Ratsweg anheuerte. Nach der erneuten EC-Rückkehr mit zwei Zweitliga-Spielzeiten und einer Oberliga-Saison beendete Pöpel 1994 seine Profikarriere.

Olejnik: Der »harte Hund« aus Brünn

Ladislav Olejnik kam 1968 während der Dubcek-Arä aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland. Als Trainer führte »Olli« den VfL zur besten Bundesliga-Platzierung der Vereinsgeschichte - 1974 als Dritter hinter dem EV Landshut und Meister Berliner SC. In Bad Nauheim (ab 1972) wurde der spätere Bundestrainer heimisch. In der Augsburger »Hall of Fame« des Deutschen Eishockey-Bundes ist er ebenfalls vertreten.

Der 38-fache CSSR-Nationalspieler, elfmalige Landesmeister und zweifache Europacup-Sieger sowie langjährige Bundesliga-Coach (Bad Tölz, Bad Nauheim, Mannheim, Rosenheim, Frankfurt, Freiburg, Ratingen) und Bundestrainer (1990 bis 1992 im Duo mit Erich Kühnhackl) fand in der mittelhessischen Kleinstadt seinen Lebensmittelpunkt und hat sich hier »immer wohl gefühlt«. Er sagt: »Es freut mich sehr, dass ich als erster Trainer ausgewählt worden bin.«

Deutscher Vizemeister mit den Tölzer »Buam« (1972), viermal beim MERC (1982, 1983, 1985, 1987) und Dritter mit dem VfL Bad Nauheim - der besten Bundesliga-Platzierung in der Vereinsgeschichte der Hessen: Überall, wo Olejnik das Zepter schwang, war nachhaltig-erfolgsorientierte Arbeit garantiert. Auch wenn ihm als Abonnements-Vize der große Wurf verwehrt blieb - insbesondere in seiner prägenden achtjährigen Mannheimer Ära.

In seiner Geburtsstadt Brünn war Olejnik beim Nachwuchs von SK Královo Pole (im nördlichen Stadtbezirk Königsfeld), später bei Roter Stern bzw. Zetor - der Mannschaft der örtlichen Traktorenfabrik - zum spielstarken Offensivverteidiger gereift. Parallel hatte das Multitalent den Sprung in die Juniorenauswahl der tschechoslowakischen Fußball-Nationalelf geschafft.

Von seinen Spielern verlangte »Olli« viel, scheute keine verbale Konfrontation und wurde von ehemaligen Spielern als »harter Hund« bezeichnet. Werte wie Pünktlichkeit, Fleiß und Willensstärke setzte er für seine akribisch geprägte Arbeitsweise als selbstverständlich voraus. Das hatte ihm sein Vater, ein Fabrik- arbeiter, schon in frühester Jugend eingebläut. Sein Talent ermöglichte Olejnik zahlreiche Auslandsreisen nach Osteuropa, aber auch in den Westen, was im Kalten Krieg nur wenigen Bürgern der Tschechoslowakei vergönnt war.

Für den VfL und seinen Architekten Olejnik war der dritte Platz 1974 ein toller Erfolg. Lange hatten die Roten Teufel am Deutschen Meistertitel geschnuppert. Das i-Tüpfelchen eines traumhaften Bad Nauheimer Eishockey-Jahres folgte mit dem Triumph beim hochkarätig besetzten Thurn-&-Taxis-Pokal im Rahmen der Saisonvorbereitung. Unvergessen: Das begeisternde 4:3 im entscheidenden Duell gegen Polens Nationalmannschaft.

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