20. Januar 2022, 12:00 Uhr

Fußball

Michael Walther: Besonnen, fit und Fußball-verrückt

Michael Walter spricht im WZ-Interview über den Sommer-Wechsel nach Beienheim, seinen Nachbarn und Trainer Matthias Tietz und seine manchmal vornehme Zurückhaltung.
20. Januar 2022, 12:00 Uhr
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Michael Walther spielt mit 37 Jahren noch in der Gruppenliga. Er hält sich neben dem Training mit Joggingläufen fit. (Foto: A. Chuc (www.chuc.de))

Eigentlich hatte Michael Walther ganz andere Pläne: mit dem Fußballspielen aufhören und mehr Zeit für die Familie finden, »so lange körperlich noch alles gut ist«. Doch dann kam alles anders: Nach elf Jahren beim FC Olympia Fauerbach entschloss sich der 37-Jährige im vergangenen Sommer, noch einmal ein neues Kapitel aufzuschlagen - beim Gruppenligisten SKV Beienheim. Warum dieser Schritt? Welche Rolle hat Trainer Matthias Tietz gespielt? Walther hat es im Interview verraten.

Michael Walther, elf Jahre in Fauerbach sind eine lange Zeit. Was hat Sie am Anfang der Saison dazu veranlasst, noch mal nach Beienheim zu wechseln?

Ich hätte es mir niemals vorstellen können, noch mal woanders Fußball zu spielen als in Fauerbach. Das war wie meine Heimat, elf Jahre sind mehr als ein Drittel meiner Fußball-Laufbahn. Nach Rücksprache mit der Familie war mein Plan, eigentlich aufzuhören. Die Tochter kam auf die Welt, wir haben hier ein Haus gekauft, und der Stress wurde immer mehr. Da habe ich mir gedacht: Höre jetzt auf, wo körperlich noch alles gut ist.

Und dann haben Sie sich überreden lassen?

Genau. Matthias Tietz, den ich schon sehr lange kenne, hat das mitbekommen und dann rumgebohrt. Dann habe ich mir noch mal Gedanken gemacht. Ich hatte ja in Fauerbach schon gesagt, dass ich aufhöre. Und eigentlich wollte ich den Stress auch nicht mehr. Aber ich war noch fit, und wir konnten durch Corona in den letzten Jahren kaum spielen. Und dann kam eines zum anderen.

Wie wurde das Ganze in Fauerbach aufgenommen?

Das kann ich als jetzt Außenstehender gar nicht so gut beurteilen. Ich hatte Anfang des Jahres 2021 rechtzeitig verlauten lassen, dass ich sehr wahrscheinlich im Sommer aufhöre und sie sich nach jungem Personal umsehen können. Das war noch während der Corona-Pause.

Sie haben in dieser Saison bereits zwei Mal gegen Fauerbach gespielt. Wie war das?

Das war ein sehr komisches Gefühl für mich, im anderen Dress gegen ›meinen‹ Verein zu spielen. Ich war schließlich der Spieler, der am längsten dort war. Da hat man schon etwas Bauchschmerzen.

Sind sie noch verbunden mit dem FCO und den Leuten dort?

Ja, ich habe auch noch Freunde da, zum Beispiel Jan Dombrowsky. Der hatte mich damals versucht zu überreden, da zu bleiben. Aber das war leider zu spät gewesen.

Sie haben schon Matthias Tietz angesprochen. In welchem Verhältnis stehen Sie beide zueinander?

Ich kenne ihn schon seit der B-Jugend, und er war jahrelang mein Trainer in Fauerbach. Das Verhältnis geht dann schon über den Fußball hinaus, uns verbindet eine Freundschaft. Wir wohnen hier in Fauerbach zehn Meter Luftlinie voneinander entfernt. Wir sehen uns fast täglich auf der Straße, und dann spricht man mal kurz.

Und wie gestaltet sich das auf dem Platz im Trainer-Spieler-Verhältnis?

Also, ich bin da nicht mehr so wie früher und nehme mich komplett zurück, was Entscheidungen angeht. Matthias fragt mich öfter mal nach meiner Meinung. Aber wie er das dann umsetzt, ist seine Sache, er ist der Trainer. Ich bin jetzt 37 und habe vieles erlebt. Ich sehe mich eher in der Rolle, Jüngeren etwas beizubringen und ihnen vielleicht Tipps zu geben.

Matthias Tietz hat sie auf dem Platz als ruhigen Kollegen beschrieben. War das schon immer so?

Ja, auch die letzten zehn Jahre als Kapitän. Ich war immer ein ruhiger, besonnener Typ, der versucht, mit Leistung zu überzeugen und die Mannschaftskameraden mitzuziehen. Dafür habe ich dann außerhalb des Platzes mehr mit den Leuten gesprochen. Aber auf dem Feld war ich nie jemand, der Mitspieler oder Gegenspieler angeschrien oder sich etwa mit jemandem angelegt hat.

Inwiefern sehen Sie sich als defensiver Mittelfeldspieler in Beienheim für die Defensive verantwortlich?

Ich habe mich auch da in den vergangenen Jahren trotz guter Fitness etwas zurückgenommen. Ich arbeite nach hinten und baue das Spiel auf, aber ich renne nicht bei jedem Angriff nach vorne und versuche, ein Tor zu schießen. In Beienheim habe ich auf der Sechser-Position alle Partien mit Jan Eiser gemacht, der ein Supertalent ist. Da überlasse ich ihm die Wege nach vorne.

Wie schaffen Sie es, mit 37 Jahren noch so fit so sein?

Früher habe ich schon auf Ernährung geachtet. Irgendwann habe ich angefangen, joggen zu gehen wie ein Verrückter. Das hat sich bis jetzt gehalten, sodass ich unabhängig vom Mannschaftstraining weitere Einheiten mache.

Was bedeutet das für die Zukunft? Wie lange spielen Sie noch?

Mein aktueller Stand ist, dass ich im Sommer aufhöre. Egal, wie die Saison ausgeht. Dieses Jahr werde ich 38, da muss man irgendwann mal sagen: Jetzt ist es gut, auch wenn man vielleicht noch ein Jahr machen könnte.



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